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Mehrere Todesfälle : Seltenes Ebola-Virus in Uganda aufgetreten

Ein Aufklärungsposter zum Ebola-Ausbruch hängt in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Bild: EPA

Erstmals nach zehn Jahren ist in Uganda ein Ebola-Fall entdeckt worden. Gegen den seltenen Subtyp gibt es bisher jedoch keinen Impfstoff. Forscher arbeiten jetzt unter Hochdruck.

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          Zwei Jahre lang sind die Schulen in Uganda wegen der Corona-Pandemie geschlossen gewesen. Jetzt hat das Auftauchen des Ebola-Virus in einigen Orten schon wieder zu leeren Klassenzimmern geführt. Zwar hat die Regierung keine Schulen geschlossen, doch lokalen Medienberichten zufolge schicken viele Eltern in den betroffenen Regionen ihre Kinder aus Sicherheitsgründen nicht in den Unterricht.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          In der vergangenen Woche war nach zehn Jahren erstmals wieder ein Ebola-Fall in Uganda entdeckt worden. Ein 24 Jahre alter Mann im Mubende Distrikt, 140 Kilometer westlich von der Hauptstadt Kampala, war mit hohem Fieber und anderen schweren Symptomen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Vier Tage später betätigte das Uganda Virus Research Institute den Verdacht auf eine Ebola-Infektion, am gleichen Tag starb der Mann. In ihren weiteren Ermittlungen stießen die Behörden auf zahlreiche Berichte über seltsame Erkrankungen und plötzliche Todesfälle schon vorher in der Gegend. Sechs Menschen waren innerhalb von zwei Wochen Anfang September verstorben. Sie wurden in traditionellen Zeremonien mit vielen Gästen beigesetzt. Mittlerweile hat sich das Virus auf zwei benachbarte Distrikte ausgeweitet. Mehr als 40 Infektionen sind bestätigt, 24 Menschen starben.

          Tests, Schutzkleidung und Aufklärung

          Ugandas Staatspräsident Yoweri Museveni hat Ausgangsbeschränkungen und weitere Restriktionen in den betroffenen Gebieten in einer Fernsehansprache am Mittwochabend ausgeschlossen. Ebola sei einfacher unter Kontrolle zu halten, weil sich das Virus nicht über die Luft verbreite, sondern über Körperflüssigkeiten übertragen werde. „Die Regierung ist in der Lage, diesen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, wie wir es schon früher getan haben. Daher gibt es keinen Grund für Angst, Panik, Bewegungseinschränkungen oder die Schließung von öffentlichen Plätzen“, sagte der Präsident.

          Dieser Sicht schlossen sich auch die Afrika-Zentren für Seuchenschutz und Prävention (Africa-CDC) der Afrikanischen Union an. Die ugandische Regierung reagiere „effektiv“ und habe die Lage unter Kontrolle, sagte Interimschef Ahmed Ogwell Ouma. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Africa-CDC unterstützten Uganda mit Tests, Schutzkleidung und Aufklärung der Bevölkerung. Auch die Lage in Nachbarländern werde beobachtet.

          Das in Uganda aufgetauchte Virus gehört zu dem selteneren Sudan-Stamm, der 1976 im südlichen Sudan erstmals identifiziert wurde. Seitdem ist dieser Virustyp in regelmäßigen Abständen wieder aufgetaucht. Bis heute wurden sieben Ausbrüche gemeldet, vier in Uganda und drei in Sudan. Die schweren Ebola-Epidemien in Kongo und Westafrika mit Tausenden Todesopfern wurden damals von einem anderen Typ namens Zaire ausgelöst. Darin steckt nun ein Problem. Denn bisher gibt es keinen Impfstoff gegen den Sudan-Typ, auch Schnelltests können ihn nicht entdecken.

          Nach dem Ebola-Ausbruch in Westafrika hatte der Pharmakonzern Merck gemeinsam mit der kanadischen Gesundheitsbehörde den Ebola-Impfstoff Ervebo entwickelt. Später kam ein zweiter, äußerst wirksamer Impfstoff der Firma Johnson & Johnson hinzu. Wie die WHO mitteilte, bietet der Ervebo-Impfstoff nach bisherigen Erkenntnissen keinen sogenannten Schutz gegen das Sudan-Virus. Der Impfstoff von Johnson & Johnson wird in zwei Dosen im Abstand von 56 Tagen vergeben. Die erste Dosis schützt vor dem Zaire-Virus, die zweite Dosis soll vor anderen Arten schützen. Das sei allerdings nicht nachgewiesen, schreibt die WHO. Selbst wenn der Impfstoff wirksam sei, würde er erst einige Tage nach Verabreichung der zweiten Dosis Schutz bieten. Nach Angaben der Africa-CDC wird derzeit die Wirksamkeit eines Impfstoffs in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium geprüft.

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