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Schweinegrippe : Nordrhein-Westfalen weitet Mutterschutz aus

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Schwanger Ärztinnen und Krankenschwestern sollen lieber zu Hause bleiben Bild: ddp

Im Kampf gegen die Schweinegrippe hat Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland den Mutterschutz verstärkt. Schwangeren Mitarbeiterinnen von Arztpraxen und Krankenhäusern, die Kontakt zu Patienten haben, wird empfohlen, ab sofort vorerst nicht mehr zur Arbeit zu kommen.

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          Im Kampf gegen die Schweinegrippe hat Nordrhein-Westfalen den Mutterschutz verschärft. Das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit empfiehlt, schwangere Beschäftigte in Krankenhäusern und bestimmten Arztpraxen ab sofort freizustellen, wenn sich ein Patientenkontakt nicht vermeiden lässt. Betroffen seien etwa Allgemeinmediziner, Kinderärzte, Notfallambulanzen oder auch Zahnärzte, sagte Paul Jansing vom Fachbereich Gesundheitsrisiken des Instituts am Dienstag. Er bestätigte damit einen Bericht des Bielefelder „Westfalenblatts“.

          Die Empfehlung sei eine Reaktion auf die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Robert-Koch-Instituts, nach der Schwangere besonders stark durch den neuen Grippevirus gefährdet sind. Die Erweiterung des Mutterschutzes für bestimmte Mitarbeitergruppen im Gesundheitswesen sei jedoch keinesfalls mit einem allgemeinen Beschäftigungsverbot gleichzusetzen. „Wenn sich eine Arbeit findet, bei der die schwangere Mitarbeiterin nicht in Patientenkontakt steht, ist eine Freistellung nicht nötig“, erklärt Jansing. Denkbar sei etwa der Einsatz in der Verwaltung oder Buchhaltung.

          Jeder Arbeitgeber muss selbst entscheiden

          Der Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Volker Heiliger, sagte, die Empfehlung des Landesinstituts werde an alle Mitglieder weitergegeben. Die Kammer könne allerdings niemanden dazu verpflichten, den verschärften Mutterschutz auch umzusetzen: „Das muss jeder Arbeitgeber selbst entscheiden. Er trägt damit auch die Verantwortung dafür, was passieren kann.“

          Eine zusätzliche Kostenbelastung müssen die Ärzte nicht befürchten, sollten sie ihre schwangeren Mitarbeiterinnen wegen der Schweinegrippe nach Hause schicken. Die Lohnkosten würden über eine Umlagekasse erstattet, die auch im Falle des normalen Mutterschutzes zum Einsatz komme, sagte Jansing.
          Schwangere Frauen sind nach Angaben des Landesinstituts deshalb besonders gefährdet, weil Antigrippemittel wie Tamiflu bei ihnen bislang nicht erprobt wurden. Die Wirksamkeit der Medikamente sei außerdem von der rechtzeitigen Einnahme abhängig.

          Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Freitag sind in Nordrhein-Westfalen 4.728 Menschen mit der Schweinegrippe infiziert und damit so viele wie in keinem anderen Bundesland. Deutschlandweit waren es zu dem Zeitpunkt 14.325 Menschen.

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