https://www.faz.net/-gum-138hx

Schweinegrippe : Länder bestellen 50 Millionen Impfdosen

  • Aktualisiert am

50 Millionen Impfdosen gegen Schweinegrippe wollen die Bundesländer bestellen Bild: dpa

Während sich die Schweinegrippe weiter ausbreitet, trifft die Politik Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung. Die Bundesländer haben sich darauf geeinigt, 50 Millionen Impfdosen zu kaufen. Noch ist der Impfstoff nicht lizensiert für die Produktion.

          Zum Schutz der Bevölkerung kaufen die Bundesländer gemeinsam 50 Millionen Dosen Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Diese Menge reicht bei einer zweifachen Impfung für 25 Millionen Menschen oder rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Die Gesundheitsminister der Länder einigten sich am Dienstag in einer Telefonkonferenz, wie der hessische Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) erklärte.

          Nach den Planungen der Behörden sollen auf jeden Fall das Gesundheitspersonal, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Schwangere geimpft werden. „Wir gehen von steigenden Infektionszahlen im Herbst und Winter aus“, sagte Banzer und fügte hinzu: „Darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Die Landesregierungen halten sich mit ihren Plänen an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wie Banzer weiter mitteilte, wollen Bund und Länder mit Pharmaherstellern über die Lieferung weiterer Dosen verhandeln. Man müsse zusätzlichen Bedarf in kürzester Zeit flexibel decken können.

          Bis Montag waren bei der europäischen Seuchenbehörde ECDC 116.943 Fälle des Virus H1N1 weltweit bekannt, von denen 580 tödlich verliefen. In Deutschland gibt es bislang 727 bekannte Fälle, aber keine Toten. Für eine weltweite Grippe-Epidemie, genannt Pandemie, verläuft die Grippe vom Typ H1N1 vergleichsweise mild. Allerdings gab es früher Grippewellen, bei denen die zweite Welle viel heftiger ausfiel als die erste.

          Impfstoff noch nicht für Produktion lizensiert

          Ein Impfstoff gegen die derzeit grassierende Schweinegrippe ist nach Einschätzung der WHO zwar nötig. Dies zwinge jedoch nicht zum Umstellen der Impfstoffproduktion. „Die Vorbereitung auf die nächste saisonale Grippewelle sollte fortgesetzt werden“, erklärte die für Grippeimpfungen zuständige WHO-Direktorin, Marie-Paule Kieny, in Genf. Viele Hersteller können nicht gleichzeitig beide Impfstoffe herstellen. Die Produktion für die saisonale Grippe sei bereits zu 90 Prozent abgeschlossen, sagte Kieny. Der neue Impfstoff sei auch weitgehend gefunden, aber noch nicht für die Produktion lizenziert.

          Am Dienstag übte die WHO Kritik an der Verteilung der Impfstoffe gegen die Schweinegrippe zwischen armen und reichen Ländern als ungerecht. Die Kapazität, einen Impfstoff gegen das Virus A (H1N1) herzustellen, sei begrenzt und „beklagenswert unzureichend“, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan in Genf. Sie reiche bei weitem nicht aus, um die ganze Welt zu versorgen. Dass der Löwenanteil der hergestellten Medikamente voraussichtlich an wohlhabende Staaten gehen werde, zeige „wieder einmal den Vorteil von Reichtum“, beklagte sie. Ein Abkommen mit zwei Herstellerfirmen, 250 Millionen Impfdosen in Entwicklungsländer zu schicken, sei „nicht genug“.

          Die WHO versucht derzeit, niedrigere Preise mit den Produzenten auszuhandeln. Zugleich will die Organisation reiche Staaten dazu bewegen, einen Teil ihrer Vorräte zu spenden. Allein Australien orderte am Dienstag genügend Impfstoff, um die gesamte Bevölkerung zu immunisieren. Sobald er entwickelt und erhältlich ist, will die Regierung eine landesweite Kampagne starten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Debatte : Schottland droht mit neuem Unabhängigkeitsreferendum

          Die schottische Ministerpräsidentin Sturgeon hat ein Unabhängigkeitsreferendum für das kommende Jahr angekündigt, sollte es zu einem No-Deal-Brexit kommen. EU-Kommissionspräsident Juncker will konkrete schriftliche Vorschläge von Premierminister Johnson.

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.
          Hefte raus, wir schreiben Abitur: Gymnasium im oberbayerischen Kirchseeon

          Bildungspolitik : Das Abi ist ungerecht

          Jedes Land hat seine eigenen Aufgaben für die Prüfungen. Aber für alle Schüler gilt an der Uni der gleiche NC. Da muss sich was ändern.

          Kabinettsbeschluss : Mietspiegel soll neu berechnet werden

          117 Millionen Euro sollen Mieter durch diesen Kabinettsbeschluss sparen. Ob das so kommt, ist aber ungewiss – der Mieterbund hält die Maßnahme für nicht ausreichend. Mietern schaden könnte auch noch etwas anderes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.