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Acht Monate nach dem Ausbruch : Schon mehr als 1100 Tote durch Ebola in Kongo

Menschen kommen zum Ebola-Behandlungszentrum in Beni: Obwohl schon mehr als 100.000 Menschen geimpft sind, verbreitet die Seuche sich schnell weiter. Bild: dpa

Der derzeitige Ebola-Ausbruch in Kongo ist der zweitschwerste in der Geschichte. Angriffe auf Helfer erschweren den Kampf gegen die Seuche. Wenn sich nicht bald etwas ändert, wird die Zahl der Toten schnell steigen.

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          Im Osten von Kongo breitet sich Ebola immer schneller aus. Obwohl in der Region schon mehr als 110.000 Menschen mit einem von Merck produzierten experimentellen Impfstoff versorgt wurden, starben bereits 1147 Menschen an der Epidemie. Mehr als 1600 haben sich infiziert. Es handelt sich um den zweitschwersten Ausbruch in der Geschichte. Folgenschwerer war bislang nur ein Ebola-Ausbruch in Guinea, Liberia und Sierra Leone, dem 2013 und 2014 etwa 11.000 Menschen zum Opfer fielen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Für den Kampf gegen die Seuche hat die Europäische Union jetzt weitere fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zuvor hatte sie schon zwölf Millionen Euro gestiftet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Ausweitung der Impfkampagne. Der neue Impfstoff sei zu 97 Prozent erfolgreich. „Wir bekämpfen einen der gefährlichsten Viren in einer der gefährlichsten Regionen der Welt“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Wir können nicht warten.“

          Die WHO beklagt ständige Angriffe auf ihre Mitarbeiter. So wurde vor einigen Tagen in der Stadt Katwa ein Transitzentrum der Helfer in Brand gesteckt. In der Großstadt Butembo konnte vergangene Woche ein Überfall zum Glück zurückgeschlagen werden. Ein Dutzend Angreifer hatte versucht, ein Behandlungszentrum für Ebola-Patienten anzugreifen, teilte Bürgermeister Sylvain Kanyamanda mit. Neun Personen, darunter ein Polizist, wurden getötet. Seit Beginn des Jahres hat die WHO rund 120 Attacken auf Krankenhäuser oder Gesundheitsstationen gezählt. Bei einem Angriff auf die Universitätsklinik in Butembo starb am 19. April der 42 Jahre alte Arzt Rochard Valery Mouzoko Kiboung. Der Kameruner war erst zwei Wochen zuvor nach Kongo gereist, um dort zu helfen. Sollten die Überfälle nicht gestoppt werden, sei es unwahrscheinlich, so die WHO, dass sich die Seuche auf die Provinzen Nord-Kivu und Ituri begrenzen lasse.

          „Ihr habt die Krankheit erfunden!“

          Die Gegend im Osten von Kongo, in der sich Ebola ausbreitet, wird seit mehr als zwei Jahrzehnten von Bürgerkriegen erschüttert. Mehr als 100 Milizen treiben in dem unwegsamen Gebiet ihr Unwesen. Am schlimmsten wüteten in der Vergangenheit Kämpfer der Allied Democratic Forces. Diese international vernetzte Islamistentruppe operiert aus Uganda. Zuletzt hatte sogar der „Islamische Staat“ bekanntgegeben, im Grenzgebiet zu Uganda einen kongolesischen Militärkonvoi überfallen und acht Soldaten getötet zu haben. Es wird befürchtet, dass die muslimischen Gotteskrieger das Chaos in Kongo ausnutzen, um in Zentralafrika Fuß zu fassen.

          Allein durch Kämpfe, die am 30. März bei Beni ausbrachen, wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden mehr als 60.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. 7000 von ihnen haben in einer Grundschule Unterschlupf gefunden, nur einen Kilometer vom Grenzübergang zu Uganda entfernt. „Die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten ist hoch, da das verfügbare Trinkwasser aus einem Fluss stammt und es nur wenige Toiletten in der Schule gibt“, teilt die britische Hilfsorganisation Oxfam mit. „Da es dort kein Essen gibt, gelangen viele Menschen nur an Nahrung, wenn sie in ihre Dörfer zurückzukehren, wo sie sich nicht sicher fühlen.“

          Doch die Gewalt geht nicht nur von Rebellen aus. Als das Krankenhaus gestürmt wurde, in dem Doktor Kiboung starb, sollen die Angreifer gerufen haben: „Ihr habt die Krankheit erfunden!“ Dann eröffneten die Täter das Feuer. Dabei handelt es sich um keine Ausnahme. Der Fernsehsender „France 24“ berichtet von Gerüchten, die Helfer würde Ebola-Viren von Hubschraubern aus versprühen oder die Viren mit Spraydosen in den Häusern verbreiten.

          Mittlerweile hat sich unter dem Namen „Familien vereinigt gegen Ebola in Butembo“ eine Gruppe von 150 Freiwilligen gebildet, die von Haus zu Haus ziehen, um die Menschen aufzuklären. Helfer befürchten eine Verschlimmerung der Lage. Wegen der Sicherheitslage und des Misstrauens steige die Zahl Neuinfektionen an, so WHO-Notlagendirektor Michael Ryan. In Ostkongo werde Ebola politisch von Regierung, Opposition und „Myriaden von Mai-Mai-Milizen“ missbraucht. Die ersten 1000 Tote habe es in acht Monaten seit Ausbruch der Seuche gegeben. Wenn sich nicht bald etwas ändere, werde es die nächsten 1000 in den nächsten drei Monaten dahingerafft haben.

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