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Schönheitswahn : "Du willst doch schön aussehen!"

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Lipgloss, Lippenstift, Nagellack: Der Traum von Schönheit und Ruhm trägt bizarre Früchte Bild: AFP

Maniküre für Mädchen mit sechs, Wellness für Achtjährige: In Amerika grassiert der Beauty-Wahn für Kinder. Erschreckend ist die Selbstverständlichkeit, mit der den Kleinen suggeriert wird, das Leben sei ein einziger Schönheitswettbewerb.

          Ava will Prinzessin werden. So eine wie in den Disney-Zeichentrickfilmen. Am liebsten Cinderella, „denn die hat das schönste Kleid“, schwärmt die vierjährige Amerikanerin aus Potomac in der Nähe von Washington. Zum Geburtstag hat sie sich eine Prinzessinnen-Party gewünscht. Alle Mädchen aus der Kindergartenklasse sind eingeladen. Gefeiert wird im Spielzentrum „Little Sprouts“, das von wohlhabenden, gebildeten amerikanischen Eltern wegen seines kreativen Angebots geschätzt wird. Erst suchen sich das Geburtstagskind und seine Gäste Prinzessinnenkostüme aus und schmücken sich mit Glitzerkettchen, Ringen, Armbändern, Kronen und Handtäschchen - alles noch ganz harmlos.

          Aber dann geht es zum Schminken: An einem zierlichen rosa Tischchen wird Nagellack aufgepinselt. Am anderen sitzt die „Visagistin“, die Lidschatten, Lipgloss und Rouge aufträgt. „Ganz still halten“, mahnt sie immer wieder, während sie resolut alle Natürlichkeit aus den Kindergesichtern wegschminkt. „Du willst doch schön aussehen!“ Wenig später steht schließlich der Höhepunkt des Prinzessinnenfestes auf dem Programm: der „Catwalk“. Zu Frank Sinatras Klassiker „New York, New York“ sollen die aufgeputzten Kinder über einen roten Teppich laufen und für Fotos posieren. „Ganz reizend“, finden die Mütter und applaudieren begeistert. Nur ein kleines Mädchen geniert sich, bleibt unschlüssig stehen und verzieht das Gesicht zum Weinen. Doch da kommt schon die Visagistin. „Lächeln, lächeln“, ruft sie aufmunternd.

          Styling beginnt spätestens im Grundschulalter

          Gewiss trieb der Traum von Schönheit und Ruhm in den Vereinigten Staaten schon immer bizarre Blüten. Neu ist jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der selbst kleinen Mädchen suggeriert wird, das Leben sei ein einziger Schönheitswettbewerb. Hollywood spukt schon in den Köpfen, wenn es um die Babyausstattung geht. Wie die Sprösslinge von Angelina Jolie, Jennifer Lopez oder Katie Holmes sollen Nathalie aus Nebraska und McKinsey aus Texas aussehen, deren Mütter sich beim Einkleiden ihrer Kinder von der Internetseite „CelebrityBabies“ inspirieren lassen. Spätestens im Grundschulalter fangen die Mädchen selbst mit dem Styling an.

          Die Jagd nach Schönheitsidealen kann besonders für Kinder gefährlichen Folgen haben

          Fast zwei Drittel der sechs- bis neunjährigen Mädchen haben lackierte Nägel, und rund sechzig Prozent der sogenannten Tweens, also (weibliche) Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, benutzen Parfüms, Körpersprays, Lipgloss oder Lippenstift. „Unser Lippenglanz schmeckt süßer als ein Keks“, wirbt das Kosmetikunternehmen „Tween Beauty“, dessen Haarspülung mit Vanilleextrakten angeblich den gleichen Verwöhneffekt wie ein Eisbecher hat. Der Kosmetikindustrie bescheren die Tweens einen geschätzten Jahresumsatz von 500 Millionen Dollar. Selbst für Cremes gegen Cellulite geben sie ihr Taschengeld aus.

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