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Schönheitschirurgin im Gespräch : „Wir machen keine Models“

  • Aktualisiert am

Hält sich zurück: Schönheitschirurgin Cynthia Ann Wolfensberger Bild: Dominique Meienberg

Schönheitschirurgin Cynthia Ann Wolfensberger aus Zürich operiert gegen die Zeit und die Schwerkraft an. Aber sie kennt die Grenzen ihrer Kunst.

          6 Min.

          Frau Wolfensberger, haben Sie heute schon Oberlider gestrafft?

          Nein, ich habe heute Vormittag ein Vampir-Lift vorgenommen.

          Wie bitte?

          Ein Vampir-Lift, das ist ein Lifting mit Eigenblut.

          Wie funktioniert ein solches Lifting?

          Ich nehme dem Kunden Blut ab, das zentrifugiert und ihm dann wieder injiziert wird. Viele Regionen sind dafür hervorragend geeignet, zum Beispiel die Wangen, wo das Eigenblut in Kombination mit Fillern wie Hyaluronsäure sehr gut wirkt. Es funktioniert übrigens auch bei Schwangerschaftsstreifen oder ganz generell zur Hautverjüngung. Die Eigenblut-Therapie verspricht zudem, dunkle Augenringe deutlich zu verbessern - und da ich dunkle Augenringe habe, werde ich diese Behandlung demnächst bei mir selbst ausprobieren.

          In Ihrer Freizeit stellen Sie in Ihrem eigenen kleinen Atelier Schuhe her, die Sie selbst tragen. Das Handwerkliche scheint Sie sehr zu faszinieren. Weshalb?

          Es macht mir große Freude, aus einem Grundprodukt etwas neues, etwas anderes zu erschaffen. Ich koche, backe und stricke übrigens auch sehr gerne. Bei der ästhetischen Chirurgie fasziniert mich besonders das Zusammenspiel zwischen Ästhetik und Funktion. Wenn es um die Schönheitschirurgie geht, wird allerdings leider gerne vergessen, dass nicht alles möglich ist, selbst wenn uns die Medien, insbesondere das Fernsehen, genau das suggerieren. Wir produzieren keine Supermodels. Ich habe keine Knetmasse vor mir, sondern einen Menschen, und damit auch gewisse Vorgaben, die meinen Handlungsspielraum begrenzen …

          Sind denn falsche Vorstellungen tatsächlich so weit verbreitet?

          Zumindest habe ich dieses Gefühl. Auf der einen Seite herrscht häufig die Vorstellung, man müsse sich nur einmal unters Messer legen und sei danach perfekt. Auf der anderen Seite glauben einige, solche Eingriffe gingen unheimlich schnell vonstatten und seien zudem relativ schmerzlos. Vielen muss erst einmal klar gemacht werden, was beispielsweise eine Augenlidstraffung für das gesellschaftliche Leben bedeutet, also wie lange man Schmerzen, Schwellungen und blaue Flecken hat. Wenn jemand Veganerin ist, verläuft wegen der einseitigen Ernährung beispiels weise die Heilung viel langsamer. Ich erinnere mich an eine Patientin, die zur Fettabsaugung kam. Damals arbeitete ich noch als Assistenzärztin. Jedenfalls sagte die Dame: In einer halben Stunde kommt mich dann mein Mann wieder abholen, und heute Mittag muss ich auch meinen Kiosk wieder aufmachen. Das sind natürlich Extremfälle.

          Was hat sich Ihrer Meinung nach im vergangenen Jahrzehnt in der Schönheitschirurgie am meisten verändert?

          Die Facelifts sind nicht mehr so stramm. Das ist die positive Entwicklung. Die negative ist, dass eine gewisse Lockerheit im Hinblick auf Operationen um sich greift. Gerade junge Frauen haben kaum mehr Scheu, sich operieren zu lassen, weshalb ich tatsächlich immer wieder darauf hinweisen muss, dass eine Operation etwas anderes als ein Friseurbesuch ist. Bei Botox-Behandlungen oder Faltenunterspritzungen ist das freilich etwas anderes. Beides kann man unter die Kategorie erweiterte Kosmetik fassen. So wie eine Dauerwelle mit der Zeit herauswächst, lässt eben auch die Wirkung von Botox nach. Bei einer Fettabsaugung ist das anders.

          Mit welchen Wünschen kommen denn die jungen Frauen in der Regel zu Ihnen?

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