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Schönheitschirurgie : Lifting in der Mittagspause

Der schnelle Weg zur Schönheit: Eine Botoxbehandlung dauert ohne Beratung nicht länger als zehn Minuten Bild: picture-alliance/ dpa

Mit „Botox to go“ ist die Faltenglättung so unkompliziert geworden wie eine Tasse Kaffee trinken. Mittlerweile gibt es sogar Flatrates für das Nervengift. Der neue Lifestyle birgt jedoch auch Risiken wie das „Frozen Face“.

          Fragt man Britta Meier, wie das eigentlich aussieht, wenn sie auf ihren Freund wütend ist, lacht sie erst einmal unsicher. Dann sagt sie, das könne sie doch mit den Augen machen, so richtig böse gucken. „So!“ „Wie?“ „Ja, so!“ Sie schaut einen an, aber ihr Gesicht verändert sich kaum. Sie sieht immer noch freundlich aus. Um wütend zu sein, müsste sie ihre Augenbrauen zusammenziehen. Oder die Falten über der Nase. Das ist aber schwierig für die Vierunddreißigjährige: Sie hat keine Krähenfüße, keine Sorgenfalten. Ihre Stirn ist so glatt wie ein frisch gereinigtes Emaillebecken.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Botulinumtoxin Typ A heißt das Mittel, das sich Britta Meier (Name geändert) alle sechs Monate in die Stirn und unter die Augen spritzen lässt, um die Falten in ihrem Gesicht verschwinden zu lassen. Besser bekannt ist das Mittel unter der Abkürzung Botox. Medizinisch gesehen ist der Eingriff minimalinvasiv, also ein operativer mit kleinster Verletzung von Haut und Weichteilen, der in etwa so lange dauert wie das Trinken eines großen Bechers Latte macchiato. Und weil das so ist, spricht man von „Botox to go“ - zum Arzt gehen, zwei, drei Spritzen, Tupfer, nach Hause gehen.

          Demokratisierung der Schönheit

          Mit den Botox-Spritzen ist eine Behandlungsform Teil der ästhetischen Medizin geworden, die nicht mehr der Maxime folgt: Wer schön sein will, muss leiden. Während Lifting, Fettabsaugung und Brustvergrößerung ohne Narkose und Narben nicht möglich sind, ist die Botox-Behandlung wenig aufwendig und kann in der Mittagspause erledigt werden. Das Ergebnis zeigt sich nach einigen Tagen und hält vier bis sechs Monate an. Die Wirkung entsteht durch einen Proteinkomplex, der die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel hemmt. In der Neurologie wird der Stoff seit Anfang der achtziger Jahre als Arzneimittel in der Behandlung von Bewegungsstörungen eingesetzt wie flatternden Augenlidern, deren Muskeln künstlich gelähmt werden.

          Als Nicole Kidman 2008 bei der Oscar-Verleihung ihre Dankesrede hielt, blieb ihr Gesicht starr und unberührt: mutmaßlich eine Überdosis Botox

          Die Hemmschwelle, sich auch aus kosmetischen Gründen ein Gift ins Gesicht spritzen zu lassen, ist in den vergangenen Jahren niedriger geworden, die Zahl der Botox-Eingriffe sprunghaft in die Höhe geschnellt. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie gab es 2008 etwa 170.000 Botox-Behandlungen, während die Zahl der Facelifts, der traditionellen Faltenglättung, nur knapp 6000 betrug. Man spricht auch von einer Demokratisierung der Schönheit: Denn nicht mehr nur Industriellengattinnen und Hollywoodstars können sich den Eingriff für einen Preis von 250 bis 600 Euro leisten, auch einfache Angestellte wie Britta Meier, die zweimal im Jahr in ihrer Mittagspause zur Botox-Behandlung geht.

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