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Schönheitschirurgie : Lifting in der Mittagspause

Dass Botox zum neuen Lifestyle dazugehört, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch zu Nebenwirkungen kommen kann. Die sind zwar nicht lebensbedrohlich, denn das vielfach verdünnte Nervengift wird nach der Einspritzung schnell vollständig abgebaut. Aber wenn es falsch gespritzt wird, können auch andere Gesichtspartien in Leidenschaft gezogen werden. „Dann könnte man schon mal aussehen wie Karl Dall“, gibt Dr. von Finckenstein zu bedenken. Freilich zeitlich begrenzt, denn die Kunstfehler verschwinden nach vier Monaten wieder. Eine Überdosis kann zudem dazu führen, dass man gegen die Substanz immun wird. Oder Gesichtszüge bekommt, die aussehen, als seien sie schockgefrostet worden.

„Restbeweglichkeit“ statt Frozen Face

Als Nicole Kidman 2008 bei der Oscar-Verleihung ihre Dankesrede hielt, hatte sie Tränen in den Augen, die sie mit dem Finger abtupfte, aber ansonsten blieb ihr Gesicht so starr und unberührt, als hätte sie soeben nicht den Oscar, sondern ihre monatliche Stromrechnung erhalten. Der Grund: mutmaßlich eine Überdosis Botox. Filmregisseur Martin Scorsese beklagt seit Jahren, dass es immer schwerer werde, Darsteller zu bekommen, die Emotionen wie Trauer, Wut und Verzweiflung spielen könnten. Das sogenannte Frozen Face hält Boris Sommer allerdings für einen Kunstfehler. In Europa sei man darum bemüht, natürliche Gesichter beizubehalten. Von „Restbeweglichkeit“ spricht die Frankfurter Ärztin Christiane Hauck, wenn sie ihre Patienten mit Botox behandelt. Eine Veränderung dürfe man nicht merken. Ein perfekter Eingriff sei gelungen, wenn das Umfeld sagt: Du siehst so erholt aus, warst du im Urlaub? Als Britta Meier nach ihrer ersten Botox-Behandlung ihre Mutter traf, die davon nichts wusste, sagte sie nur: „Kind, du siehst so frisch aus.“

Macht Botox glücklich? Amerikanische Ärzte haben für eine Studie Frauen, die mit Botox behandelt wurden, mit Frauen verglichen, die andere Schönheitsoperationen über sich ergehen ließen. Alle fühlten sich nach dem Eingriff attraktiv, aber die mit Botox behandelten waren „signifikant glücklicher“. Neun von zehn Frauen zeigten zudem eine deutliche Verbesserung ihrer Stimmungslage - bis hin zur vollständigen Beseitigung von depressiven Stimmungen.

Werden Frauen über vierzig künftig ohne Botox zur Außenseiterin?

Erstgespräche beim Chirurgen beginnen oft so: „Mein Umfeld sagt immer, ich schaue so böse. Können Sie das ändern?“ Zu den Patienten gehören Lehrer, die ihren Schülern positiver gegenübertreten wollen, genauso wie Handelsvertreter, die glauben, ohne ihre Zornesfalte zwischen den Augenbrauen nähmen ihre Verkaufsgespräche eine andere Wendung. In Amerika gibt es längst „Cosmetic Job Fighter Packages“, mit denen Arbeitssuchenden dazu verholfen werden soll, den ersten Eindruck beim Vorstellungsgespräch so positiv wie möglich zu gestalten und das optische Alter herunterzuschrauben - unter anderem mit Hilfe von Botox.

Auch in Deutschland, sagt Christiane Hauck, gehöre eine Botox-Behandlung schon jetzt zum gepflegten Äußeren einer Frau dazu. „Viele Fünfzigjährige fühlen sich fit und lebenslustig, sie möchten, dass man das auch ihrem Gesicht ansieht.“ Werden Frauen über vierzig künftig ohne Botox zur Außenseiterin? Dr. Peter Dana lacht kurz auf. „Über vierzig?“ Er habe in Marbella russische Patientinnen, die seien nicht einmal dreißig und verlangten nach einem Gesicht, das nicht mal den Ansatz einer Falte zeige.

Der Schönheitschirurg hat sich mittlerweile aus dem Botox-Party-Geschäft in Deutschland zurückgezogen. Er bekam Ärger mit der Ärztekammer und glaubt, dass man einen erfolgreichen Konkurrenten loswerden wollte. Seinen potentiellen Kundinnen bietet der Chirurg mit Sinn fürs Marketing auf seiner Homepage nun „Botox to fly“ an: „Ein Kurzurlaub in Marbella, perfekte Behandlung und unterm Strich noch finanziell günstiger als um die Ecke in Deutschland. Wir beraten Sie gerne!“

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