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Schönheitschirurgie : Lifting in der Mittagspause

Die Ärzte haben sich eingestellt auf den schnellen Weg zur Schönheit. Dr. Peter Dana ist so etwas wie ein Special Guest bei Botox-Partys, die nach dem ähnlichen Prinzip wie der Verkauf von Butterbrotdosen oder Dessous funktionieren. Gesellschaftliche Ereignisse dürften dem Schönheitschirurgen nicht fremd sein, seit er vor 15 Jahren eine Praxis an der Costa Brava eröffnete - mit Zweigstelle in Marbella. Von dort aus flog er regelmäßig mit seinem Köfferchen voller Botox-Fläschchen und Spritzen nach Deutschland. Dr. Dana trat nicht wie ein Arzt in Kittel und Gesundheitsschuhen auf. Er zog sich dem Anlass gemäß an, mit Jackett, Krawatte und manchmal mit Einstecktuch. Nach Smalltalk mit Sekt und Schnittchen begann der gebürtige Tscheche im Hinterzimmer seine Sprechstunde, zog die Gummihandschuhe an und fragte „Was stört Sie, bittä schön?“ Ob Zornesfalte oder Krähenfüße - Dr. Dana beseitigte die Makel in weniger als zehn Minuten. Fünf bis zehn Patienten verarztete er auf diese Weise an einem Abend, bevor er wieder sein Köfferchen packte und zurück an die Costa Brava flog.

Unter deutschen Schönheitschirurgen sorgten die Auftritte von Dana, über die RTL, ARD und Vox genüsslich berichteten, für Empörung. Dr. Joachim Graf von Finckenstein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, sieht diese Art der Behandlung als eine Verharmlosung. „Zu jedem Botox-Eingriff gehört eine ausführliche Beratung. Beispielsweise sollte man sich danach niemals Hitze aussetzen.“ Auch entstehe ein gewisser Gruppenzwang nach dem Prinzip: Wer dabei sein will, muss mitmachen. Boris Sommer, Vorsitzender der Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie, glaubt, dass marktschreierische Angebote der Sache grundsätzlich schadeten. Ein Kollege, der auf Ebay eine Botox-Behandlung versteigert habe, sei von der Gesellschaft ausgeschlossen worden. „Schließlich handelt es sich immer noch um einen medizinischen Eingriff, man würde schließlich auch keine Hüftoperation auf Ebay versteigern.“

„Botox to go“ und Botox-Flatrates

Botox aber ist längst zu einem Lifestyle-Produkt geworden. Verabreicht wird es immer weniger in Arztpraxen mit Achtziger-Jahre-Ambiente. Die Wartezimmer der Schönheitschirurgen sind zur Lounge geworden, die Praxen heißen „Shape and Beauty“ oder „Esthetic Forms“. Das klingt nicht mehr nach antiseptischer Medizin, sondern verheißungsvoll nach einem Leben wie in Hollywood. Auch das Marketing klingt danach. Es gibt nicht nur „Botox to go“, sondern auch Botox-Flatrates, wie sie beispielsweise die Münchner Residenzklinik für 39 Euro im Monat anbietet. Zwar bestreiten die Ärzte, dass ihre Patienten nach Lust und Laune ohne Beratung Botox konsumieren könnten, „aber eine Flatrate suggeriert nun mal, dass man sich so oft behandeln lassen kann, wie man will“, sagt Dr. von Finckenstein.

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