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Steißbein : Mit dem Dritten steht man besser

  • -Aktualisiert am

Beschwerden am Steißbein: Grund für verschiedene Schmerzen im Körper. Bild: Valentine Edelmann

Das Steißbein ist zwar klein, kann aber großen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Bei Frauen hat es sogar Auswirkungen auf die Schwangerschaft. Was hilft gegen die Beschwerden?

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          Der funktionslose, bedeutungsloser Rest eines Schwanzes - das Steißbein hat nicht gerade den besten Ruf. Zumal es den meisten Menschen erst - und dann unangenehm - zu Bewusstsein kommt, wenn sie einmal darauf gefallen sind. Ausgerutscht auf nassem Herbstlaub, auf einem vereisten Gehweg oder einem Treppenabsatz. Noch Jahre danach erinnert man sich daran, wo man gerade war und was geschah, an den Ruck, der durch den ganzen Körper ging, daran, wie man benommen dasaß, und an die durchdringenden Schmerzen, stechend, ziehend, qualvoll.

          Denn wie das Schienbein ist das Steißbein nur von einer dünnen, empfindlichen Knochenhaut umgeben, die kaum Schutz bietet. Ebenso wenig wie die hier ansetzenden Pobacken. Seltsamerweise rücken diese nämlich bei einem ungebremsten Aufprall nicht etwa enger zusammen, um das untere, spitze Ende der Wirbelsäule vor Schlimmerem zu bewahren.

          Bruch, Prellung, Verstauchung, Haarriss oder Reizung - die Bandbreite der Verletzungen am Steißbein ist groß, auch wenn all dies in deutschen Arztpraxen sehr viel seltener auftritt als Knie- oder etwa Schulterbeschwerden.

          „Steißbeinbeschwerden sind überwiegend Frauensache.“

          Wer mit Schmerzen am Steißbein die Praxis der Orthopädin Uta Laukens in Berlin aufsucht, ist meist auf den Po gefallen, „das ist der Klassiker“, sagt die Ärztin. Oder er ist weiblich, etwa vierzehn Jahre alt und klagt über Beschwerden im unteren Rücken. Denn in der Pubertät weitet sich bei jungen Frauen aufgrund der hormonellen Entwicklung das Becken, was zu Beschwerden bis hinunter am Steißbein führen kann.

          Das hängt mit dem Beckenboden zusammen, einer Schicht aus Muskeln, Bändern und Sehnen. Ihr hinterer Zipfel ist am Steißbein befestigt, die anderen Enden vorne am Schambein, rechts und links an den beiden „Sitzbeinhöckern“, das sind die beiden festen Punkte, auf denen wir sitzen und die man durch den Po fühlen kann. Vergrößert sich das Becken, kann es hier zu Spannungen kommen. Öffnet sich das Becken hingegen bei einer Geburt nicht weit genug, ist das Steißbein dem Kind quasi im Weg und wird womöglich geprellt. Daraus ergibt sich, so Uta Laukens: „Steißbeinbeschwerden sind überwiegend Frauensache.“

          Keine wissenschaftliche Studie über Therapieerfolge

          Doch egal, aus welchem Grund und wen das Steißbein schmerzt: Betroffene können meist tage-, wochen-, manchmal sogar monatelang nicht sitzen, ohne zu leiden. Ein rundes Kissen mit einem großen Loch in der Mitte kann da Abhilfe schaffen, denn es nimmt zumindest etwas Druck vom Steißbein, ebenfalls ein halb aufgeblasener Kinderschwimmreifen.

          Außerdem ließen sich das Becken und darüber das Steißbein „mit manueller Therapie so stimulieren, dass es sich von selbst wieder reguliert“, so die ganzheitlich arbeitende Ärztin Laukens. „Wir können zudem Bänder lockern, wo sie zu fest sind, den Darm behandeln, damit der Bauch nicht verhärtet und damit den Rücken stresst, aber viel mehr Möglichkeiten hat man nicht.“ Mit der Zeit würden die Schmerzen schließlich nachlassen; es gebe keine wissenschaftliche Studie, die zeige, dass es mit oder ohne Therapie besser wird.

          Auch zu langes, starres Sitzen auf harten Stühlen oder eine zu gerade Haltung auf schmalen oder weichen Fahrradsätteln können zu Beschwerden am Steißbein führen. Zu wenig Bewegung kann ebenfalls dazu beitragen. Dem Steißbein würde es schon reichen, wenn wir einfach nur genügend zu Fuß gehen würden. Dafür ist es gemacht. Und für unsere Aufrichtung.

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