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Vor Volkskongress : Smog raubt Menschen in Peking den Atem

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16 Mal höher als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt: der Luftindex in Peking seit zwei Tagen Bild: dpa

So schlecht war die Luft in China in diesem Jahr noch nicht. Zu Beginn der Jahrestagung des Volkskongresses hält der Smog die Menschen in Peking und anderen Metropolen im Würgegriff.

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          Der schlimmste Smog dieses Jahres hat Peking und andere Metropolen Chinas eingehüllt. Die amerikanische Botschaft in der Hauptstadt Chinas warnte am Freitag vor einer „gefährlich“ hohen Schadstoffbelastung. Am Vorabend hatten die Behörden für zig Millionen von Menschen im Norden und Osten des Landes die Alarmstufe „Gelb“ ausgerufen. Die Sichtweite beschränkte sich mancherorts auf wenige hundert Meter. Erst am Wochenende sollen nach Angaben von Meteorologen eine Kaltfront und Wind die Schadstoffe langsam wieder vertreiben.

          Nach relativ guten Luftwerten durch sehr kaltes und windiges Wetter im Januar und Februar war der Smog ausgerechnet zu Beginn der wichtigsten politischen Saison des Jahres zurückgekehrt: Tausende Delegierte sind seit Donnerstag in Peking zu den „zwei Sitzungen“ versammelt, wie die Jahrestagungen der beratenden Politischen Konsultativkonferenz und des Volkskongresses genannt werden. Die Plenarsitzung des Parlaments wird am Samstag eröffnet.

          Mit Atemmasken und Luftfiltern gegen den Smog

          Der Luftindex für den gefährlichen Feinstaub kleiner als 2,5 Mikrometer (PM2,5) stieg am Freitag den zweiten Tag in Folge auf mehr als 400. Das ist 16 Mal so viel wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt. Den WHO-Grenzwert von 25 erreichen deutsche Großstädte fast nie. Die feinen Partikel gelangen in die Lunge und dringen sogar in den Blutkreislauf ein. Sie können zu Entzündungen der Atemwege führen, aber auch zu Thrombosen und Herzstörungen.

          Die amerikanische Botschaft riet dringend, in geschlossenen Räumen zu bleiben. Viele Pekinger haben daheim teils kostspielige Luftfilter laufen. „Die Luft draußen ist so schlimm, dass ich alle Fenster und Türen abgedichtet habe“, sagte eine 50 Jahre alte Stadtbewohnerin. „Ich gehe nicht mehr vor die Tür. Es ist schlimm.“ Viele Menschen auf der Straße versuchten, sich mit Atemmasken vor dem Smog zu schützen.

          Behörden bleiben untätig

          Trotz der hohen Schadstoffbelastung blieben die Behörden untätig. Es galt nur die dritthöchste Warnstufe „Gelb“ für Regionen im Norden und Osten mit den Metropolen Peking, Tianjin und den Provinzen Hebei, Henan, Shandong, Jiangsu und Liaoning. Nachdem im Dezember in Peking erstmals und gleich zweimal die höchste Stufe „Rot“ mit Schulschließungen und Fahrverboten ausgerufen worden war, wurden im Februar die Kriterien erhöht, so dass jetzt erst später Alarm geschlagen wird.

          In dem vierstufigen System folgt auf „Gelb“ noch „Orange“, bevor größere Maßnahmen bei „Rot“ ergriffen werden. Die höchste Stufe wird aber jetzt erst ausgerufen, wenn laut Prognose der offizielle Schadstoffindex (AQI) für einen Tag und länger den Wert von 500 überschreitet. Gleiches gilt, wenn die Vorhersage von mehr als 200 über vier Tage und länger oder von 300 über zwei Tage und länger ausgeht. Obwohl der Index in Peking aber schon zwei Tage über 400 lag, wurde keine höhere Alarmstufe als „Gelb“ verhängt. Auch für Samstag wurden noch Schadstoffwerte von mehr als 200 erwartet.

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