https://www.faz.net/-gum-7ny5f

Ritalin : Deutschland zappelt weniger

  • -Aktualisiert am

Erstmals ist der Verbrauch von Ritalin in Deutschland rückläufig. Bild: dpa

Binnen zehn Jahren hatte sich der Verbrauch des ADHS-Medikaments Ritalin verdreifacht. Nun ist er erstmals rückläufig. Trotzdem wurden 2013 immer noch fast zwei Tonnen verschrieben.

          Für die einen ist es ein Modethema, das viel zu oft als Diagnose für zappelige Kinder herhalten muss, für die anderen eine ernste Krankheit – die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS. Seit Jahren stieg in Deutschland die Zahl der diagnostizierten Fälle und damit auch die Menge der verordneten Medikamente. Nun aber gibt es einen Hinweis darauf, dass der Trend gebrochen sein könnte.

          Das Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) teilte am Dienstag in Berlin mit, zum ersten Mal seit 20 Jahren sei der Verbrauch von Methylphenidat in Deutschland nicht weiter gestiegen. Besser bekannt ist dieser Wirkstoff, der zur ADHS-Therapie eingesetzt wird, unter dem Namen Ritalin. Der aktuellen Statistik nach wurden 2013 in Deutschland 1803 Kilogramm Methylphenidat verbraucht. Im Vorjahr waren es noch 1839 Kilogramm. Nach Angaben des BfArM hatte sich in den zehn Jahren zuvor der Verbrauch sogar verdreifacht. „Von einer echten Abwärtstendenz können wir derzeit sicherlich noch nicht sprechen“, sagte Institutspräsident Walter Schwerdtfeger. Dennoch werteten sie diesen leichten Rückgang „als ein positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet“.

          Über den steigenden Ritalinverbrauch wurde unter Fachleuten stets heftig gestritten; die einen begründeten ihn mit besseren Diagnosemöglichkeiten bei ADHS, die anderen vermuteten Fehl- und Übertherapien. Die ADHS-Symptome sind Unaufmerksamkeit, starker Aktivitätsdrang und impulsives Verhalten. Zuletzt hatte die Krankenkasse Barmer/GEK in einer Studie darauf hingewiesen, dass die Zahl der diagnostizierten ADHS-Fälle bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren zwischen 2006 und 2011 um 42 Prozent gestiegen sei. Im Alter von elf Jahren erhielten sieben Prozent aller Jungen und zwei Prozent der Mädchen Ritalin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          FAZ.NET-Sprinter : Polizisten in der AfD

          Die Diskussion um die Kandidatur von fünf Polizisten für die AfD-Thüringen nimmt Fahrt auf. Und eine neue Allensbach-Studie zeigt: Der Höhenflug der Grünen beschränkt sich auf Westdeutschland. Was außerdem wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.