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Interview zum Welt-Aids-Tag : „Meine Generation ist unaufgeklärt“

„Viele User finden, dass so ein ernstes Thema nicht auf Instagram gehört.“ Riccardo Simonetti klärt auf Social Media auch über Aids auf. Bild: EPA

Riccardo Simonetti ist Entertainer und erfolgreicher Influencer – er ist aber auch Kampagnenbotschafter für „Jugend gegen Aids“. Im Interview spricht er über Aids-Stigma, Alltags-Homophobie und Aufklärungsarbeit.

          3 Min.

          Herr Simonetti, der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember will „Solidarität mit Menschen mit HIV und Aids fördern und Diskriminierung entgegenwirken“. Warum ist das heute noch wichtig?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Ich glaube, dass gerade meine Generation leider super unaufgeklärt ist, was HIV und Aids angeht. Dadurch ist das Stigma, mit dem Betroffene leben müssen, unglaublich groß. Ich habe viel mit HIV-Positiven gesprochen, in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, etwa in Südafrika. Viele Betroffene erzählten mir, dass das Schlimmste eben dieses Stigma ist. Gerade an diesem Tag finde ich es wichtig, es noch einmal ins Bewusstsein zu rücken, dass man sich aufklären sollte und HIV-Positive genauso zur Gesellschaft gehören wie alle anderen Menschen.

          Warum liegt Ihnen das Thema so am Herzen?

          Ich habe viele Kampagnen dazu begleitet, weil ich es als schwuler Mann als meine Pflicht empfinde. Und man muss nicht erst HIV-positiv sein, um sich zu engagieren. Ich habe das Privileg, in einer Zeit geboren zu sein, in der es Medikamente gibt und man nicht in permanenter Angst vor Ansteckung leben muss. Wäre ich 20 Jahre früher geboren worden, hätte meine Lebensrealität als Homosexueller ganz anders ausgesehen. Meine Freunde und ich wären womöglich heute nicht mehr am Leben. Ich bin mir dessen bewusst. Deshalb versuche ich mich immer wieder für das Thema stark zu machen.

          Was genau machen Sie?

          Ich war zum Beispiel in Südafrika und habe dort eine Dokumentation mit HIV-positiven Frauen gedreht. Ich habe aber auch in Deutschland viele HIV-Positive getroffen. Ich fahre an Schulen und spreche dort mit den Schülern über das Thema Aids. Da gibt es noch viel Bedarf.

          Leisten Sie auf Ihren Social-Media-Kanälen auch Aufklärungsarbeit?

          Absolut. Das ist für mich Teil meiner Aufklärungsarbeit, dass ich das in die sozialen Medien trage. Gerade weil es Medien sind, die oberflächlich sind. Da sind Beauty Tutorials wesentlich populärer als Aids-Aufklärung. Das ist mir in dem Fall aber egal, weil ich es eben als meine Pflicht empfinde. Ich spreche sehr oft über das Thema. Ich habe auf Instagram unter anderem ein langes Aufklärungsvideo hochgeladen, in dem ich mit einem Professor über sexuell übertragbare Krankheiten gesprochen habe.

          Und solche Videos sind dann nicht so erfolgreich? Oder gibt es negative Kommentare?

          Man sieht da schon einen Unterschied in den Like- und Aufrufzahlen. Außerdem finden viele User, dass so ein ernstes Thema nicht auf Instagram gehört. Wo soll ich aber sonst die jungen Leute erreichen? Meine Community ist aber zum größten Teil offen für das Thema.

          Mit dem Bekanntwerden von Aids in den achtziger Jahren ging eine Welle neu aufkeimender Homophobie einher. Ist das noch relevant?

          Ja, natürlich. Viele Menschen denken, Aids sei ein Schwulenthema. Dabei sind 50 Prozent der Betroffenen Frauen. Deswegen ist das schon lange kein Thema mehr, das nur die LGBTQ-Community betrifft. Die Vorurteile sind aber nach wie vor da.

          Über Vorurteile sprechen Sie auch in dem Buch „FAQ YOU – frequently asked questions about sex and love“, in dem Sie Gastautor sind.

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