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Psycho-Onkologie : Wenn der Krebs sich durch die Seele frisst

  • -Aktualisiert am

Gemeinsamer Kampf: Mit seiner Krebserkrankung seien sie wieder näher zusammengerückt, sagt Hartmut Schöffner über sich und seine Frau Cornelia. Bild: Sebastian Cunitz

Eine Tumorerkrankung stellt das Leben des Patienten auf den Kopf, und das der Freunde und Angehörigen auch. Psycho-Onkologen bieten Unterstützung an.

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          Hartmut und Cornelia Schöffner machen so ziemlich alles gemeinsam. Sie haben zwei Töchter, zwei gemeinsame Praxen für Physiotherapie - und dann erkrankten sie beide an Krebs. Hartmut Schöffner erhielt seine Diagnose vor fünf Jahren, Dickdarmkrebs, er wurde operiert, die Chemotherapie folgte. „Danach war ich nur noch die Hälfte“, sagt der heute 52 Jahre alte Mann. Als die Familie glaubte, alles sei überstanden, entdeckten die Ärzte in Cornelia Schöffners Brust einen bösartigen Tumor. Das war im vergangenen Jahr.

          Heute sitzen die Schöffners im Büro ihrer neuen Praxis im schicken Frankfurter Westend, beide sehen gesund aus, gar nicht nach Leid und Tod, vielmehr schlank und sportlich. Im Trainingsraum neben dem Büro keucht ein Patient auf einem Fitnessrad, dort stehen wuchtige Pilates-Geräte aus hellem Holz und schwarzem Lederpolster. „Wir haben die Bänke neu beziehen lassen“, sagt Hartmut Schöffner.

          „Die Zeit war immer viel zu knapp“

          Nicht nur in den Räumlichkeiten ihrer Praxis hat sich in der vergangenen Zeit einiges verändert. Mit dem Krebs haben die beiden auch ihr Leben neu eingerichtet. Sie gehen jetzt oft gemeinsam mit dem Hund spazieren. Früher ein Unding, wie sie erzählen, die Zeit war immer viel zu knapp, man hat sich lieber abgewechselt. „Über die Arbeit reden wir beim Spazieren aber nicht“, sagt Hartmut Schöffner. Bei dem Satz wird klar, dass auch das alles andere als selbstverständlich ist bei einem Paar, das zugleich eine Geschäftspartnerschaft pflegt. Cornelia Schöffner sagt mit ironischem Unterton: „Frau Senf hat es uns verboten.“

          Bianca Senf, rotbraunes Haar, Kämpfernatur, sitzt in ihrem Büro am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) an der Uniklinik Frankfurt vor einer mit Pfirsichfarbe gewischten Wand und schmunzelt: „Manchen Patienten fällt es sehr schwer, die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen.“ In solchen Fällen dürften sie sich zur Not auf die Gebote ihrer Psychoonkologin berufen. „Das taugt dann zumindest für eine Zeit als Krücke“, sagt die Leiterin der Zentrale Psychoonkologie am UCT.

          Krebs seelisch verarbeiten

          Senf berät und begleitet Krebspatienten. Sie verordnet keine Chemos oder Bestrahlungen, das ist die Aufgabe der Onkologen. Als Psychoonkologin hat sie mit der psychischen Verfassung der Patienten zu tun. Krebs befällt nicht nur den Körper, sondern muss natürlich auch seelisch verarbeitet werden. Dass viele Patienten von psychosozialer Unterstützung profitieren, klingt banal. Dennoch benötigte die Psychoonkologie Zeit und Durchsetzungskraft, um sich zu etablieren. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie gibt es seit dreißig Jahren.

          Ungefähr so lange ist auch Senf dabei. „Alles fing an mit der Betreuung von krebskranken Kindern“, sagt sie. Wie gehe ich mit der Glatze nach der Chemo um? Wie verhalte ich mich gegenüber Gleichaltrigen? Sozialarbeiter sollten die jungen Patienten bei diesen Fragen unterstützen, waren aber schnell überfordert. Viele Kinder waren richtig depressiv, manche litten unter Angststörungen. Dann wurden auch Psychologen zu Rate gezogen. Mit der Zeit erweiterte sich das Klientel: die Eltern krebskranker Kinder, erwachsene Krebspatienten, und inzwischen suchen auch viele Angehörige Senf und ihre Kollegen auf. Krebs frisst sich durch das gesamte soziale Umfeld. Krebs trifft den Partner, die Kinder, Freunde und Verwandte.

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