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Psychiatrie-Chef Klaus Lieb : „Nicht jede Lebenskrise ist eine Depression“

Spricht offen über seine psychischen Probleme: Justin Bieber Bild: AFP

Wer einen Therapieplatz sucht, muss oft lange warten. Das liegt auch daran, dass wir häufig die Falschen behandeln, sagt Psychiater Klaus Lieb: „Es sind bevorzugt gutsituierte Menschen in Therapie, die mit beiden Beinen im Leben stehen.“

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          Herr Professor Lieb, auf Instagram findet man unter dem Hashtag #depression fast zwanzig Millionen Beiträge. Nicht nur im Internet, auch in Büchern, Artikeln und Kampagnen sprechen immer mehr Menschen – auch Prominente – über ihre psychischen Probleme. Wie finden Sie das?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ich finde das wichtig, weil es der Stigmatisierung entgegenwirkt. In vielen Teilen der Gesellschaft herrscht immer noch das Bild vor, dass Menschen mit psychischen Problemen nicht leistungsfähig sind oder sich einfach mal zusammenreißen sollten. Dabei haben diese Krankheiten oft auch biologische Ursachen und ziehen sich durch alle Alters- und Gesellschaftsgruppen. Es ist positiv, wenn darüber geredet wird wie über jede andere Krankheit auch. Andererseits muss man aufpassen, dass nicht jede Stimmungsschwankung zur Depression erklärt wird: Manche Öffentlichkeitskampagne ist Ursache für die Verunsicherung von Menschen, die oft sowieso schon sehr viel auf sich achten. In Deutschland sind bevorzugt gutsituierte Menschen in Therapie, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Langzeitarbeitslose, alleinerziehende Mütter, Menschen mit Behinderungen oder Migrantinnen und Migranten können wir mit solchen Kampagnen kaum erreichen. Und auch sie verdienen die Chance auf eine Behandlung.

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