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PIP-Skandal in Frankreich : Deutscher TÜV muss für Billig-Brustimplantate haften

Ein Silikon-Implantat der Firma PIP Bild: AFP

Der TÜV Rheinland trägt eine Mitverantwortung für den Skandal um minderwertige Brustimplantate der Firma PIP. Ein Gericht in Frankreich entschied, dass der TÜV für den Schaden von Importeuren und Opfern aufkommen müsse.

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          Im Skandal um minderwertige Brustimplantate aus Frankreich hat ein französisches Handelsgericht den TÜV Rheinland am Donnerstag für mitschuldig befunden. Weil das Unternehmen „Kontroll- und Aufsichtspflichten vernachlässigt“ habe und sich von den Mitarbeitern der südfranzösischen Firma PIP leichtfertig habe täuschen lassen, trage es einen Teil der Verantwortung, entschied ein Handelsgericht in Toulon. Mehr als 1600 Frauen und sechs Handelsbetriebe haben vom TÜV Schadensersatz in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro verlangt. Sie werfen dem Unternehmen vor, seine Prüfungen schlampig ausgeführt zu haben.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Unternehmen PIP (Poly Implant Prothèse) hatte jahrelang billiges Industrie-Silikon anstelle des zugelassenen höherwertigen Silikons für die Brustimplantate benutzt und den Betrug bei den regelmäßigen TÜV-Prüfungen verschleiert. Chirurgen in der ganzen Welt haben das Industriesilikon vermutlich Hunderttausenden Frauen eingesetzt. Bei vielen rissen die Implantate und führten zu Entzündungen. In Deutschland gelten mehr als 5000 Frauen als betroffen.

          Die französische Anwältin des TÜV, Cécile Derycke, zeigte sich „schockiert“ über das Urteil. Selbst der Staatsanwalt von Toulon habe den TÜV von jeder Verantwortung ausgeschlossen. Der TÜV wolle umgehend Berufung einlegen. Das Gericht warf dem Prüfunternehmen unter anderem vor, nicht die Rechnungen für das Industriesilikon mit den Rechnungen für das zugelassene Silikon verglichen zu haben. Der PIP-Chef Jean-Claude Maas, der sich in einem laufenden Strafprozess in Marseille zu verantworten hat, zeigte bei den TÜV-Kontrollen jeweils das zugelassene Silikon vor. Er hatte es jedoch in weitaus geringeren Mengen gekauft als das Industrie-Silikon. Der TÜV hätte außerdem unangekündigte Firmenbesuche vornehmen sollen, rügte das Gericht. Nur durch die Ankündigung der Prüfungen mit viel zeitlichem Vorlauf hätten Maas und seine Mitarbeiter Vorkehrungen für ihre Manipulationen treffen können.

          Der TÜV hob dagegen hervor, dass unangekündigte Kontrollen ohne konkreten Betrugsverdacht nach den geltenden EU-Vorschriften nicht Teil seiner Aufgabe gewesen seien. Es galt, die firmeninterne Organisation zu untersuchen, nicht die Produkte selbst. Alle 90 PIP-Mitarbeiter seien in den Betrug eingeweiht gewesen und hätten die Prüfer systematisch hinters Licht geführt.

          Laurent Gaudon, Anwalt etlicher Klägerinnen, sprach indes von einem „großen Sieg“. Nur aufgrund der „oberflächlichen TÜV-Kontrollen“ hätten die gesundheitsschädlichen Silikon-Implantate von PIP in der ganzen Welt verteilt werden können, sagte er. Das Gericht gestand den Klägerinnen nun einen Vorschuss von jeweils 3000 Euro auf die geforderte Summe von 16.000 Euro zu. Ein Mediziner der Universität Marseille soll prüfen, welcher körperliche und psychische Schaden bei den Opfern entstanden ist. Daran wollen die Anwälte ihre finanziellen Forderungen ausrichten. Die TÜV-Anwälte glauben nicht, dass das zivilrechtliche Urteil den Strafprozess gegen Maas und seine Mitarbeiter in Marseille beeinflusst. Dort ist der TÜV als Nebenkläger zugelassen, weil er als eines der Opfer, nicht als Täter anerkannt wurde.

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