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Köln, Frankfurt, Berlin : Pilotprojekt zur HIV-Vorbeugung in deutschen Städten

  • -Aktualisiert am

Tabletten eines an Aids erkrankten Menschen in Berlin Bild: dpa

Menschen mit hohem Aids-Infektionsrisiko soll mit einem Pilotprojekt in sieben deutschen Großstädten geholfen werden. Das Angebot richtet sich vor allem an Betroffene, für die Kondome keine praktikable Möglichkeit sind.

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          Zur HIV-Vorbeugung soll es in Köln und sechs weiteren deutschen Großstädten ein Pilotprojekt für Menschen mit hohem Aids-Infektionsrisiko geben. Das meldeten am Mittwoch mehrere Aids-Hilfsorganisationen. In Köln wird das Unternehmen Hexal einem Apotheker hierzu das Medikament Prä-Expositionsprophylaxe – kurz PrEP – zum Vorzugspreis zur Verfügung stellen. Eine Monatsdosis soll für 51 Euro erhältlich sein, was vergleichsweise günstig ist. Zwar wurde die sogenannte PrEP schon im vergangenen Jahr in der EU zugelassen, die Kosten in Höhe von bis zu 800 Euro monatlich übernehmen die Krankenkassen aber nicht. Bisher besorgten sich Interessierte – es handelt sich zumeist um Männer, die Sex mit häufig wechselnden Partnern haben – das Mittel deshalb im Internet oder im Ausland.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte das Kölner Pilotprojekt, an dem sich Apotheken in Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Berlin, München und Frankfurt beteiligen wollen. Die Prophylaxe biete vor allem jenen Menschen einen wirkungsvollen Schutz vor HIV, für die Kondome aus verschiedenen Gründen keine praktikable Möglichkeit seien, so die Aids-Hilfe. „Sie ist eine weitere Möglichkeit für eine überschaubare Gruppe und wird Kondome als am weitesten verbreitete Schutzmethode nicht ersetzen.“

          Die Prophylaxe-Medikamente bieten keinen hundertprozentigen HIV-Infektionsschutz, zudem kann es zu Nebenwirkungen kommen. Eine intensive ärztliche Begleitung der Betroffenen ist unerlässlich. Gleichwohl müsse Deutschland dem Beispiel Amerikas folgen, wo die Methode bei Betroffenen offensiv beworben werde, so die Aids-Hilfe. Es gelte, die enormen Chancen endlich zu ergreifen, „statt die Risiken einer Anwendung im Graubereich in Kauf zu nehmen“, sagte Aids-Hilfe-Vorstand Ulf Hentschke-Kristal. „Ein regulärer Zugang würde auch die ärztliche Begleitung absichern.“

          Laut einer aktuellen Studie der Arbeitsgemeinschaft der niedergelassenen HIV-Schwerpunktärzte in Deutschland (Dagnä) könnten mit der Prä-Expositionsprophylaxe sogar Kosten gespart werden. Demnach ließen sich mit der Methode bis zum Jahr 2030 rund 9000 zusätzliche HIV-Infektionen in Deutschland und damit auch Therapiekosten verhindern.

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