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Pflegeroboter : Meine rollende Nachtschwester heißt Rimo

Japan ist führend bei der Herstellung von Pflegerobotern. Noch gibt es keinen Massenmarkt für die elektronische Betreuung und Versorgung von Kranken. Doch eine schnell alternde Gesellschaft und ein wachsender Pflegenotstand werden das vermutlich bald ändern.

          6 Min.

          Hajime Kawano zeigt auf einen grauen Apparat, der etwas kleiner ist als er selbst und der schnurstracks auf ihn zurollt. Von dem quadratischen blinkenden Bildschirm aus, der auf dem grauen Kasten draufsitzt, schauen Kawano zwei große virtuelle Augen und ein grinsender Strichmund an. In diesem eckigen Apparat steckt viel Hoffnung, denn „Hospi“ ist kein gewöhnlicher Maschinenmensch; er ist ein Pflegeroboter. „Wir wollen mit ihm noch in diesem Jahr auf den Markt kommen“, sagt Kawano und legt dabei fast liebevoll seinen Arm auf Hospi.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Kawano ist Ingenieur beim japanischen Elektrokonzern Panasonic. In Kadoma, vor den Toren der Millionenmetropole Osaka gelegen, hat Panasonic sein Zentrum für Roboter. Der Schwerpunkt der Arbeit dort liegt auf Maschinenmenschen für die Pflege zu Hause und für den Einsatz in Pflegeheimen. Dort ist auch Hospi vor vier Jahren entwickelt worden. Er ist vor allem dafür konstruiert, Botengänge in Krankenhäusern zu erledigen und Pflegekräfte zu entlasten. Er ist ein Laufbursche auf Rädern - zum Beispiel für die Krankenhausapotheke. Dort wird er bestückt und programmiert, dann macht er sich auf den Weg quer durch die Klinik und liefert die bestellten Arzneien auf den jeweiligen Stationen ab.

          Pflegeroboter im Probeeinsatz

          Sieben Hospis sind derzeit in zwei japanischen Krankenhäusern im Probeeinsatz. „Die Kommentare, die wir bekommen, sind sehr positiv“, berichtet Kawano. Schließlich kann Hospi an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang eingesetzt werden. Das entlastet Pflegekräfte von zeitraubenden Routinearbeiten.

          Seit einigen Jahren treiben sowohl japanische Unternehmen wie Panasonic oder Toyota als auch Forschungseinrichtungen dort die Entwicklung von Pflegerobotern mit Nachdruck voran. Der Grund liegt auf der Hand: Auch in den rapide alternden Gesellschaften Ostasiens zeichnet sich schon jetzt ein dramatischer Mangel an Pflegepersonal ab. In Japan wird bis zum Jahr 2020 mit einer Lücke von rund 400 000 Pflegern gerechnet. Roboter sollen diese Lücke füllen. Sei es, dass sie wie Hospi, Routinearbeiten übernehmen können - oder dass sie wie das ebenfalls in Kadoma entwickelte „Roboterbett“ den Pflegern das Tragen schwerer Lasten und das Heben von Patienten abnehmen; in Japan klagen fast 80 Prozent der Beschäftigten in der Pflege über Rückenschmerzen, weil sie Patienten vom Rollstuhl ins Bett hieven müssen.

          Noch reine Prototypen

          Manager Hideo Kawakami präsentiert nicht nur aus diesem Grund stolz das Roboterbett. „Das ist jetzt unsere dritte Generation“, sagt er. „Es ist noch besser geworden.“ Zwei Modelle dieses Bettes mit einem integrierten Rollstuhl hat das Unternehmen bereits entwickelt: eine kleine Lösung, die für Rollstuhlfahrer geeignet ist, die noch zu Hause leben; die technisch anspruchsvollere Variante ist für den Einsatz in Pflegeheimen geplant. Noch handelt es sich dabei zwar um reine Prototypen, doch Kawakami hofft, dass die einfache Variante Ende 2014 auf den Markt kommen kann. Erst einmal sollen sie nun in zwei dänischen Kommunen in einem Langzeittest erprobt werden.

          Eine wichtige Voraussetzung für den Markteintritt von Pflege- und Servicerobotern ist eine ISO-Norm für die Sicherheit. Sie soll es nach langem Warten noch in diesem Herbst geben und sich weitgehend an japanischen Vorschlägen orientieren. Das hängt auch damit zusammen, dass die Regierung in Tokio einen stark wachsenden Markt für Pflegeroboter sieht und massiv auf die ISO-Norm drängt. Allein in Japan rechnet das Wirtschaftsministerium bis 2035 mit Umsätzen von rund 400 Milliarden Yen (3,1 Milliarden Euro).

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