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Pferdefleischskandal : „Billiges Fleisch ist ein grundsätzliches Problem“

  • Aktualisiert am

Bei verarbeitetem Rind, wie es in den betroffenen Fertig-Lasagnen drin sein sollte, entfällt eine Kennzeichnung des Ursprungslandes des Fleisches. Bild: dpa

Der Pferdefleischskandal hat Deutschland erreicht. Auch Edeka ruft Produkte zurück. Im Interview fordert Ernährungsexpertin Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen eine bessere Kennzeichnung von verarbeitetem und unverarbeitetem Fleisch.

          Der Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch breitet sich in der EU aus, mehrere deutsche Handelsketten ziehen Produkte aus dem Verkauf. Kann man die Warenströme der Lebensmittel überhaupt noch kontrollieren?

          Die Kontrolle ist schwierig geworden. Der globale Handel macht es derzeit nahezu unmöglich, die Handelsströme zügig rückverfolgen zu können. Die EU muss sicherstellen, dass die Lebensmittelüberwachung in den Mitgliedsstaaten dementsprechend organisiert wird. Es muss systematisch erfasst werden, wo Täuschungsmöglichkeiten gegeben sind. Wir brauchen deshalb eine europaweite Datenbank, welche die Handelsströme dokumentiert und bei Bedarf eine Rückverfolgung ermöglicht und auf nationaler Ebene eine zentrale Erfassung von Täuschungsdelikten. Beim unverarbeiteten Rindfleisch gibt es seit dem BSE-Skandal eine Etikettierung, die dem Verbraucher Informationen über Geburt, Mast und Schlachtung des Tieres gibt. Bei allen anderen Tierarten gibt es das bisher noch nicht.

          Rekonstruktion des Pferdefleischskandals

          Trotzdem hat die Etikettierung von Rindfleisch den Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch nicht verhindert.

          Weil nur unverarbeitetes Rindfleisch und Rinderhack etikettiert werden muss. Bei verarbeitetem Rind, wie es in den betroffenen Fertig-Lasagnen drin sein sollte, entfällt eine Kennzeichnung des Ursprungslandes des Fleisches. Für den Verbraucher ist es daher bei Fertigprodukten unmöglich, die Herkunft des verwendeten Fleisches herauszufinden. Deshalb fordern die Verbraucherzentralen eine verbindliche Herkunftskennzeichnung für alle unverarbeiteten und verarbeiteten Fleischsorten. Die EU berät momentan im Rahmen der Verhandlungen über die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung darüber, das Fleisch von weiteren Tierarten besser zu kennzeichnen. Für den Verbraucher wäre das ein Fortschritt in Richtung mehr Transparenz.

          Andrea Schauff: „Der globale Handel macht es unmöglich die Handelsströme zügig rückverfolgen zu können“

          Fertiggerichte im Supermarkt, wie Lasagne, kosten meist nur ein paar Euro. Ist Fleisch nicht viel zu billig?

          Billiges Fleisch ist ein grundsätzliches Problem. Man muss sich vor Augen halten, dass eine qualitativ hochwertige Fleischproduktion nicht zu Niedrigstpreisen möglich ist. Stattdessen sollte beim Einkauf auf Qualität geachtet werden. Denn das Risiko von minderwertigem Fleisch trägt schlussendlich der Verbraucher.

          Der ist zurecht verunsichert. Was kann man tun, um auch das Fleisch zu bekommen, das man möchte?

          Bei verpackten Lebensmitteln sollte künftig in der Verkehrsbezeichnung oder in der Zutatenliste die Tierart angegeben werden, von der das verwendete Fleisch stammt. Wird also in der Lasagne Pferdefleisch verwendet ohne entsprechende Angabe, handelt es sich um eine Täuschung der Verbraucher. Nur bei losen Fleischprodukten vor allem Wurst muss die Tierart nicht gekennzeichnet sein. Wer wissen will, woher das Fleisch kommt, sollte generell unverarbeitetes Frischfleisch kaufen und verarbeiten -  am besten vom Metzger des Vertrauens oder direkt vom Erzeuger. Dort kann ich nachfragen oder sehen, woher das Fleisch kommt und vor allem welches Fleisch ich bekomme. Billigangebote sollten besser gemieden werden. Das mindert das Risiko, qualitativ minderwertiges Fleisch zu bekommen.

          Die Fragen stellte Kevin Schrein

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