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Pestizide in Schnittblumen : Liebesgrüße aus Chlorthalonil

  • -Aktualisiert am

Blumen aus Deutschland Bild: dapd

Millionen Schnittblumen werden am Muttertag verschenkt. Die meisten von ihnen stammen aus Entwicklungsländern. Aber wie viele sind mit Pestiziden verseucht?

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          Wer an diesem Sonntag Blumen verschenkt, muss keine Angst haben, die Mutter einem Gesundheitsrisiko aussetzen. „Ein schlechtes Gewissen sollte man dennoch haben“, sagt Joachim Vorneweg vom Menschenrechtsnetzwerk FIAN („Food First Informations und Aktion“). „Denn Schnittblumen, die mit Pestiziden verseucht sind, mögen vielleicht nicht mehr für den Endkonsumenten gefährlich sein - für Floristen und Arbeiter jedoch schon.“

          Millionen Blumen müssen am Muttertag dran glauben. Die Sträuße haben meist einen weiten Weg hinter sich. Sie stammen oft aus Entwicklungsländern und werden in den Niederlanden versteigert. Mehr als die Hälfte des globalen Blumenhandels wird auf diesem Wege abgewickelt. Wie viele Blumen mit Pestiziden verseucht sind, ist unklar, Umweltorganisationen warnen aber vor ihrem Kauf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat zum Beispiel Rosensträuße aus Berliner Geschäften untersuchen lassen. Acht von zehn Sträußen enthielten Rückstände von Pestiziden, die wie die Pilzbekämpfungsmittel Carbendazim und Chlorthalonil krebserregend sind.

          Der BUND analysierte zwar nur Stichproben, verteidigte das Resultat aber damit, dass die belasteten Blumen von Supermarktketten stammten, die ihre Ware in ganz Deutschland verkaufen. Das soll wohl bedeuten, dass das System hat. Deutschland ist der viertgrößte Schnittblumenmarkt der Welt. Jedes Jahr werden etwa drei Milliarden Euro für Blumen ausgegeben, 82 Prozent von ihnen werden importiert. Vor allem im Winter stammt fast jede zweite Schnittblume aus Ländern wie Kolumbien, Ecuador, Kenia, Israel oder Spanien. Nach Angaben von FIAN kommt rund ein Drittel der hier gehandelten Schnittblumen direkt aus Entwicklungsländern.

          Schon kleine Mengen können Allergien und Ekzeme verursachen

          Um den Einsatz von Chemikalien kommen die Produzenten schwer herum. Der Anbau von Blumen ist ein hartes Geschäft, weil sie anfällig sind für Krankheiten und Temperaturschwankungen. Bestellungen müssen in Rekordzeit bearbeitet werden, denn Schnittblumen haben nur eine kurze Lebensdauer. Zeichnet sich eine mögliche Krankheit auf den Blättern ab, wird die Ware schon am Flughafen abgelehnt.

          Wegen des günstigen Klimas und der wenig regulierten Märkte werden Blumen gerne in Entwicklungsländern angebaut. „Dort sind 200.000 bis 300.000 Menschen in der Blumenindustrie beschäftigt“, sagt Joachim Vorneweg von FIAN. Frauen seien vor allem beim Anlegen neuer Plantagen, bei der Ernte und der Verpackung einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Die Arbeiterinnen tragen dazu häufig ihre Alltagskleidung, die keinen ausreichenden Schutz vor Pestiziden bietet. Durch den direkten Kontakt mit den Giften auf den Böden oder Pflanzen leiden sie unter Ekzemen und Ausschlägen. Schleichende Vergiftungen können zu chronischen Schäden führen. Zuweilen sind Motorik und Sehvermögen dann stark eingeschränkt.

          Auch noch in Deutschland geht nach Ansicht von Umweltverbänden eine Gefahr von den Blumen aus. Denn auch die Floristen kommen mit den Pestiziden auf ihnen in Kontakt - nicht in der Konzentration wie die Arbeiter auf den Plantagen, doch auch mit gesundheitlichen Folgen. Schon kleine Mengen der Pestizide auf den Blättern können Allergien und Ekzeme verursachen.

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