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Pest : Schwarzer Tod entschlüsselt

Pestfriedhof: Auf dem „East Smithfield“ in London wurden viele Opfer des Schwarzen Todes begraben Bild: Museum of London

Das Erbgut des mittelalterlichen Pesterregers ist 650 Jahre nach seiner verheerenden Verbreitung erstmals aus Skeletten rekonstruiert worden.

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          Lange galt es als wahrscheinlich, dass dem Schwarzen Tod vor mehr als 650 Jahren nur deswegen so viele Menschen zum Opfer fielen, weil der Pesterreger damals aggressiver und damit virulenter war. So erklärten sich Wissenschaftler, dass in gerade einmal fünf Jahren (1347 bis 1351) die Hälfte aller Europäer an dieser Krankheit starben. Die These wurde nun aber durch neue Untersuchungsergebnisse, die in dieser Woche im Wissenschaftsjournal „Nature“ online publiziert wurden, endgültig widerlegt. Einem internationalen Forscherteam - angeführt von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und der McMaster Universität in Kanada - gelang es, das Genom des damaligen Erregers zu entschlüsseln.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Damit konnte zugleich erstmals das komplette Genom eines historischen Krankheitserregers rekonstruiert werden. Dabei stellte sich heraus, dass sich in sechseinhalb Jahrhunderten Evolution das Erbgut kaum geändert hat. „Nur an zwölf Positionen des rund 4,7 Millionen Positionen umfassenden DNA-Strangs stellten wir Unterschiede im Vergleich zum Erbgut der nächsten, heute noch existierenden Verwandten des Bakteriums fest“, sagt Johannes Krause von der Universität Tübingen. Jeder heutige Pestausbruch geht also auf einen direkten Nachfahren des mittelalterlichen Pesterregers zurück.

          Es gab Pestärzte, Kranke wurden isoliert

          Der Paläogenetiker aus Tübingen, der die Untersuchungen zusammen mit Hendrik Poinar aus Kanada federführend leitete, glaubt, dass es sich beim sogenannten Schwarzen Tod um die erste große Pestepidemie in der Geschichte handelte. Die Forscher konnten anhand von winzigen DNA-Fragmenten des Erregers aus mittelalterlichen Skeletten nachweisen, dass die heute noch weit verbreiteten Yersinia-pestis-Bakterien bereits für den Schwarzen Tod verantwortlich waren.

          „Die Menschen waren damals weder kulturell noch biologisch an den Erreger angepasst“, sagt Krause. „Und sie konnten sich in den fünf Jahren auch nicht anpassen.“ Später wusste man, dass die Pest durch Flöhe übertragen wurde, es gab Pestärzte, Kranke wurden isoliert. Nachfolgende Epidemien verliefen auch deshalb nicht mehr so verheerend, weil der Schwarze Tod vermutlich besonders empfindliche Menschen ausselektiert hatte, die Überlebenden erlangten hingegen ein gewisses Maß an Immunität. Letztlich eingedämmt wurde die Pest aber erst durch die Antibiotika der Neuzeit, auch wenn die Krankheit noch immer in etwa 30 Ländern der Welt grassiert und zuletzt vor allem in Peru, Madagaskar und Indien noch einige 1000 Tote forderte.

          Den Ursprung der Pest sehen die Forscher in Ostasien im 13. oder 14. Jahrhundert. Sie vermuten, dass frühere Ausbrüche wie die Justinianische Pest, die im sechsten Jahrhundert mehr als 100 Millionen Menschen auf der ganzen Welt tötete, wahrscheinlich von einem anderen, bisher nicht identifizierten Erreger verursacht wurden.

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