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Patienten in Lebensgefahr : Ängste in Europa wegen Ebola-Fällen

  • -Aktualisiert am

Am Krankenhaus von Kenema in Sierra Leone: Ein an Ebola erkrankter Patient wird auf die Station gebracht. Bild: Daniel Pilar

Die Ebola-Epidemie ruft immer stärkere Ängste in Europa hervor. Frankreichs Premierminister Valls warnt vor „Panik“. In Leipzig und Madrid bangt man um das Leben erkrankter Helfer.

          Die Ebola-Epidemie ruft immer stärkere Ängste in Europa hervor. Während man in Leipzig und Madrid um das Leben zweier Infizierter bangte, wurde eine Frau in Paris wegen des Verdachts auf Ebola unter Quarantäne gestellt. Am Freitagabend gab die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine allerdings bekannt, dass sich der Verdacht nicht bestätigt habe. Es gebe in Frankreich derzeit „keinen Ebola-Fall“, hob die Ministerin hervor.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Frankreichs Premierminister Manuel Valls warnte am Freitag vor „Panik“ wegen der Angst vor Ebola und wandte sich damit direkt an Behörden und Medien. Im Großraum Paris hatten drei Familien vor wenigen Tagen ihre Kinder aus der Schule genommen, weil dort Kinder aus dem westafrikanischen Guinea waren. Zudem war das Gebäude einer Gesundheitsbehörde am Donnerstag wegen eines Ebola-Alarms abgeriegelt worden, der sich schnell als falsch herausstellte.

          In Madrid befindet sich die an Ebola erkrankte spanische Pflegehelferin Teresa Romero nach Auskunft der Ärzte vom Freitag „in sehr kritischem Zustand“. Die 44 Jahre alte Frau, die in direktem Kontakt mit einem von zwei inzwischen gestorbenen Missionaren war, befindet sich in einem Madrider Krankenhaus auf einer Isolierstation. Lunge und Leber der Patientin, die seit zwei Tagen selbst nichts mehr essen kann, seien angegriffen.

          Seit Freitag wird die Pflegehelferin erstmals mit dem Medikament „ZMapp“ behandelt. Eine Lieferung des Mittels, dessen Vorräte als weitgehend erschöpft galten, sei aus Belgien gekommen, berichtete der Fernsehsender RTVE. Mit dem Antikörper-Cocktail „ZMapp“ waren vorher zwei Amerikaner und ein Spanier behandelt worden. Der an Vorerkrankungen leidende Spanier - einer der beiden Missionare, die sich in Liberia infiziert hatten - starb dennoch an den Folgen des Virus.

          Erste Ebola-Infektion in Europa

          Die Pflegerin ist bislang die einzige, bei der das Virus nachgewiesen wurde. Sie hatte sich Ende September bei der Behandlung eines aus Westafrika ausgeflogenen Ebola-Kranken infiziert. Es war die erste Ebola-Infektion von Mensch zu Mensch in Europa. Die Zahl der in dem gleichen Madrider Krankenhaus „unter Beobachtung“ stehenden Personen hat sich derweil auf 14 erhöht. Zu ihnen zählen der Mann der Kranken, zwei Frauen, die ihr schon nach den ersten Fiebersymptomen in einem Friseurladen die Beine enthaart hatten, sowie Ärzte und Krankenschwestern.

          In Madrid gehen die Kontroversen über die mögliche Ursache der Ansteckung und das Krisenmanagement weiter. Die Patientin selbst gab an, dass sie sich aus Versehen beim Ausziehen des Schutzanzugs mit einem Handschuh an das Gesicht gefasst habe. Auch der Gesundheitsminister der Region Madrid warf ihr vor, Vorsichtsmaßnahmen nicht hinreichend beachtet zu haben. In Bezug auf diese Maßnahmen herrscht indes Konfusion. Ärzte und Pfleger klagen über unzureichende Ausrüstung, Schulung und Information. Es kam schon zu Boykottaktionen und der Weigerung des Reinigungspersonals, ein vormals benutztes Krankenhauszimmer der Ebola-Patientin zu desinfizieren.

          Vereinzelt wurden vor allem unter Angestellten des Gesundheitswesens kritische Stimmen an der Repatriierung der Missionare aus Afrika laut. Man habe dadurch die Seuche eingeschleppt und kämpfe nun mit einem „potentiellen Multiplikator-Effekt“. Ein Sprecher der Regierungspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy versicherte jedoch, dass man auch in Zukunft jeden im Ausland erkrankten Spanier repatriieren und „nicht im Stich lassen“ werde.

          Leipziger Ärzte: Patient in Lebensgefahr

          Auch der im Leipziger St.-Georg-Krankenhaus aufgenommene Mitarbeiter der Vereinten Nationen, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hat, befindet sich nach wie vor in Lebensgefahr. Die Ärzte bezeichneten seinen Zustand am Freitag als „hochgradig kritisch, wenngleich stabil“. Der Sechsundfünfzigjährige war am Donnerstagmorgen mit der Sondermaschine einer amerikanischen Chartergesellschaft aus Liberia kommend in Leipzig gelandet. Er ist bereits der dritte Patient mit Ebola, der in Deutschland behandelt wird. Nach Auskunft der Ärzte habe der aus dem Sudan stammende Mann das Flugzeug noch selbständig verlassen und zum Krankenwagen laufen können. Seitdem werde er auf der Quarantänestation des Klinikums behandelt; je Schicht seien dafür bis zu acht Mitarbeiter im Einsatz. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit schloss die Klinik aus. Eine Ansteckung wie in Madrid sei nicht möglich, da sich die Kollegen in Leipzig gegenseitig kontrollierten und sämtliche Schutzkleidung sofort vernichtet werde. Die Behandlungskosten nebst Laboruntersuchungen und Medikamenten betragen laut Klinik rund 10 000 Euro am Tag und werden von einer Versicherung für Mitarbeiter der Vereinten Nationen übernommen.

          Das Bundesgesundheitsministerium teilte am Freitag mit, Deutschland sei gegen eine Ausbreitung der Ebola-Seuche durch den internationalen Flugverkehr gut gewappnet. Für den Fall, dass es an Bord eines Flugzeugs zu einem Verdachtsfall kommt, gibt es Notfallpläne. An den Flughäfen in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und München würden Betroffene von anderen Reisenden getrennt und weiter in örtliche Spezialkliniken transportiert.

          Wegen des Ebola-Ausbruchs in Westafrika schiebt Mecklenburg-Vorpommern bis auf weiteres keine Ausländer in die betroffenen Länder ab. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) richtete am Freitag eine entsprechende Bitte an die zuständigen Ausländerbehörden in den Städten und Landkreisen. Am stärksten betroffen sind die Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone. Auch in Senegal und Nigeria ist die Krankheit schon aufgetreten.

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