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Passau : Gammelwild-Skandal: Land reißt Ermittlungen an sich

  • Aktualisiert am

Keine gute Adresse mehr: Berger-Wild Bild: ddp

Der Passauer Wildfleischskandal weitet sich aus. Nach angeblichen Versäumnissen wurden der Bezirksregierung die Ermittlungen entzogen. Dem Skandalbetrieb Berger-Wild wurde die Lizenz entzogen. Im Norden droht ein weiterer Skandal um Putenfleisch.

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          Wenige Tage nach Bekanntwerden des Gammelwild-Skandals in Bayern hat das Landesamt für Gesundheit die Aufklärung übernommen. Bisher war die Regionalregierung von Niederbayern dafür zuständig. Die Leitung der zum Wochenanfang eingerichteten Sonderkommission sei dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit übertragen worden, sagte ein Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums am Freitag. Der Passauer Berger-Wild GmbH wurde mit sofortiger Wirkung die Lizenz entzogen. „Er darf nichts mehr produzieren“, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Niederbayern am Freitag in Landshut.

          Gleichwohl werden der Behörde angeblich Versäumnisse vorgeworfen, die Medienberichten zufolge den bayerischen Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) dazu veranlaßt haben, als Konsequenz die Ermittlungen der Bezirksregierung zu entziehen. Offiziell gab das Ministerium als Grund für den Zuständigkeitswechsel an, daß die Vizepräsidentin der Regierung von Niederbayern und bisherige Soko-Chefin, Monika Weinl, krank geworden sei. Zuvor hatte das Bundesverbraucherministerium den Skandal um den Passauer Fleischhändler als „gravierend“ bezeichnet. „Wenn es zutrifft, daß der Betrieb in der Vergangenheit mehrfach kontrolliert worden ist, deutet das auf schwere Defizite bei den Kontrolleuren hin“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Gerd Müller (CSU) der „Passauer Neuen Presse“. Müller mahnte eine genaue Untersuchung durch das Land Bayern an.

          Berger-Fleisch auch in Österreich

          Fleischlieferungen des Passauer Wild-Händlers waren am Freitag in großem Umfang in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen (siehe: Gammelwild aus Bayern an fünf Betriebe in Hessen geliefert) sowie in Österreich sichergestellt worden. In Baden-Württemberg haben den Lieferlisten zufolge insgesamt zehn Einzelhandelsbetriebe und Filialen Ware von Berger-Wild erhalten. Dies teilte der zuständige Referent für Lebensmittelüberwachung im Stuttgarter Innenministerium, Hans Layer, am Freitag mit. Die gelieferte Menge belaufe sich auf rund eineinhalb Tonnen. Da den Betrieben eine Rückrufaktion aber schon bekannt gewesen sei, sei „die entsprechende Ware zum Abruf aussortiert“ worden. Es sei aber „nicht völlig auszuschließen“, daß bedenkliches Fleisch verkauft worden sei. In Rheinland-Pfalz sollen drei, in Nordrhein-Westfalen zwei Großhändler betroffen sein. Zahlreiche Produkte wurden aus dem Verkehr gezogen (siehe: Zurückgezogen: Zwölf Produkte „für den Verzehr ungeeignet“).

          Entzog die Ermittlungen der Bezirksbehörde: Minister Schnappauf

          Auch im österreichischen Innviertel ist Fleisch der Passauer Firma sichergestellt worden. Ein Sprecher der Landessanitätsbehörde Oberösterreich sagte dem Österreichischen Rundfunk (ORF), in Braunau, Schärding und Ried würden seit Donnerstag Gastronomiebetriebe kontrolliert. Bisher sei die Lebensmittelaufsicht in einem Betrieb fündig geworden. Man warte nun auf das Ergebnis der Probe. Die Lebensmittelaufsicht erwartet von den bayerischen Kollegen bald genaue Lieferlisten des Wildbret-Händlers.

          Ermittlungen schon vor eineinhalb Jahren

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