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Ökologische Landwirtschaft : „Man kann tatsächlich sagen, dass Bio besser ist“

  • -Aktualisiert am

Öko aus Fernost: Eine chinesische Arbeiterin sortiert Biogemüse Bild: REUTERS

Biologisch angebautes Obst und Gemüse kommt zunehmend aus dem Ausland. Aber kann man sich auch auf die Qualität verlassen? Unabhängige Experten sagen: „Man kann tatsächlich sagen, dass Bio besser ist.“

          5 Min.

          Die Jesus-Latschen. Der selbstgestrickte Pullover. Der berühmte „verschrumpelte Apfel“. Bis heute werden regelmäßig sämtliche Klischees aus der Steinzeit der Öko-Bewegung bemüht, wenn in deutschen Medien die Rede von biologisch erzeugten Lebensmitteln ist. Und noch immer stellt der eine oder andere Kollege verwundert fest, Bio-Produkte seien inzwischen „raus aus der Müsli-Ecke“. Als ob mittlerweile nicht jede größere Stadt über mindestens einen Bio-Supermarkt verfügte, dessen Sortiment jenem der Konkurrenz aus der konventionellen Lebensmittelbranche entspricht (wobei es bei „Alnatura“ oder „Basic“ üblicherweise deutlich sauberer und ordentlicher zugeht als in vielen verlottert wirkenden deutschen Supermärkten). Und dass selbst Discounter wie „Aldi“ oder „Lidl“ Bio-Ware führen, sollte sich eigentlich auch herumgesprochen haben. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, hierzulande sei „Bio“ nach wie vor eine Vokabel aus dem Spracharsenal von Kulturkämpfern - irgendwie links, irgendwie pazifistisch, irgendwie „politisch korrekt“.

          Anfang der Woche etwa ließ die Tageszeitung „Die Welt“ eine journalistische Knallerbse explodieren, weil sie von einer Studie Wind bekommen hatte, in der sich Forscher der Universität Kopenhagen mit dem Gehalt von Mineralien und Spurenelementen in biologisch erzeugten Obst- und Gemüsesorten beschäftigten. Ergebnis: Es existiert kein Unterschied zu konventioneller Ware. Das ist zwar alles andere als eine Sensation, aber immer noch ausreichend genug, um in der „Welt“ unter dem Titel „Bio ist nicht besser“ einen einigermaßen hämischen Kommentar zu verfassen nach dem Motto: „Ätsch, Ihr blöden Ökos!“ Susanne Bügel, die als Professorin am „Department of Human Nutrition“ an der Untersuchung beteiligt war, sagt dagegen ausdrücklich: „Auch wenn der Gehalt an Mineralien gleich hoch war, können biologisch erzeugte Produkte dennoch gesünder sein.“ Und Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Uni in Kassel, ergänzt: „Wer im Bio-Markt einkauft, dem geht es doch nicht um Mineralien, sondern um die Frage der Belastung mit Pestiziden.“

          Obst und Gemüse aus Bio-Anbau ist deutlich weniger belastet

          Was Pestizidrückstände angeht, ist die Sache dann aber ebenfalls klar: Obst und Gemüse aus Bio-Anbau ist deutlich weniger belastet. Maria Roth etwa, die Leiterin des „Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts“ (CVUA) in Stuttgart, wo seit mittlerweile sechs Jahren Bio-Produkte untersucht werden, stellt ganz unverhohlen fest: „Man kann tatsächlich sagen, dass Bio besser ist.“ Die Pestizidbelastung bei konventionellem Obst und Gemüse ist nach den Messungen des CVUA „signifikant“ höher als bei biologisch erzeugter Ware oder, in Zahlen ausgedrückt: Konventionelles Obst und Gemüse enthält im Mittel 0,4 mg Pestizide pro Kilogramm, biologisch erzeugtes dagegen nur 0,002 mg.

          „Die von verschiedenen Seiten immer wieder vertretene Auffassung, dass sich Lebensmittel aus ökologischem Landbau und aus konventioneller Produktion wegen der allgemeinen Umweltkontamination und auf Grund von Abdrift kaum unterscheiden, ist zumindest für den Bereich Pestizidrückstände in pflanzlichen Lebensmitteln nicht zutreffend“, so der offizielle Befund des CVUA, das als staatliche Einrichtung nicht im Verdacht steht, Lobbyismus für die Öko-Industrie zu betreiben. Außerdem weist Untersuchungsamtsleiterin Roth sehr deutlich darauf hin, dass konventionelle Ware trotz höherer Werte keine Gesundheitsgefahr darstellt.

          Wachstumsraten von zehn bis zwanzig Prozent

          Dennoch wächst die Nachfrage nach Bio-Produkten stetig, und zwar in Deutschland mit jährlichen Raten zwischen zehn und zwanzig Prozent. „Die Verbraucher verfolgen eine Strategie der Risikominimierung“, sagt Agrarökonom Hamm. Was nichts anderes bedeutet als: Trotz aller Beteuerungen hinsichtlich der Unbedenklichkeit konventionell erzeugter Lebensmittel glauben immer mehr Kunden, mit „Bio“ etwas für ihre Gesundheit zu tun. Der steigenden Nachfrage aber steht keineswegs ein ebenso wachsendes Angebot entgegen, zumindest nicht von Seiten der heimischen Landwirte. Hamm spricht von „vertanen Chancen“ der deutschen Bauernschaft, die zum Großteil immer noch auf Massenproduktion mit Hilfe der chemischen Industrie setze.

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