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Neurologe im Interview : „Einige Leute simulieren Tourette nur“

Tourette-Syndrom: „Meist zeigen Betroffene nicht mehr als Hüsteln, Augenverrollen oder Nackenbewegungen.“ Bild: Mart Klein und Miriam Migliazzi

Tourette-Patienten werden oft mit obszönen Beleidigungen und anzüglichen Gesten in Verbindung gebracht. Doch ein erfahrener Neurologe sagt: Viele, die sich als Betroffene zeigen, leiden gar nicht daran.

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          Was derweilen in der Social-Media-Welt zum Hype wird, kann schon ab und zu erstaunen. Gerade kann sich ein Youtube-Kanal vor Abonnenten nicht mehr retten, der Videos von einem jungen Mann zeigt, der angibt, am Tourette-Syndrom zu leiden, dem man dabei zusehen kann, wie er seine Arme, seine Mimik und auch seine Zunge nicht unter Kontrolle hat, der obszöne Beschimpfungen und Gesten von sich gibt. Die selbstgedrehten Filme zeigen, wie Jan Zimmermann zum Friseur oder in den Zoo geht und dabei seinen Tics freien Lauf lässt. Millionen Menschen wollen das sehen und feiern ihn dafür, dass er offen und unverkrampft mit seiner Erkrankung umgeht.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Tourette-Syndrom zum Gegenstand öffentlicher Wahrnehmung zu machen, damit steht der Kanal „Gewitter im Kopf“ nicht allein da. Insgesamt haben Berichte über und von Tourette-Betroffenen in der Welt der Medien und Kultur in den vergangenen Jahren zugenommen. Und eigentlich kann man denen, die Zimmermann dafür applaudieren, nur zustimmen: Was kann Betroffenen eines Krankheitsbildes, das erst durch die Reaktionen und Vorurteile der Mitmenschen zum richtigen Leid wird, Besseres passieren als Aufmerksamkeit?

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