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Nach Listerien-Skandal : Ein Bericht zu Wilke, aber kein Abschluss

  • -Aktualisiert am

Auch nach Schließung noch immer ein Aufreger: der Wursthersteller Wilke Bild: dpa

Die hessische Verbraucherschutzministerin hat bei der Vorstellung des Abschlussberichts zum Wilke-Skandal am Montag umfangreiche Konsequenzen angekündigt. Eigene Verfehlungen bestreitet sie jedoch.

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          Die hessische Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) hat einen Abschlussbericht zum Skandal um den Wursthersteller Wilke vorgestellt und umfangreiche Konsequenzen angekündigt – eigene Verfehlungen jedoch größtenteils bestritten.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Der hessische Wursthersteller Wilke wird vom Robert-Koch-Institut in Verbindung mit drei Todesfällen und mindestens 37 Krankheitsfällen gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Wilke-Geschäftsführer.

          Mitte August hatte Hinz’ Ministerium einen Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erhalten, wonach bei Wilke Listerien des Stammes Sigma1 gefunden worden waren, an dem bundesweit viele Personen erkrankt waren. Doch dauerte es bis Anfang Oktober, bis der Betrieb geschlossen wurde. Hinz bezeichnete es als „Fehler“, dass ihr Haus die Information verzögert an den zuständigen Kreis Waldeck-Frankenberg weitergegeben hatte. Weitere Fehler ihrerseits aber könne sie nicht erkennen. Vielmehr gab Hinz dem zuständigen Landkreis die Hauptschuld. So hätten die Behörden „sicherlich frühzeitiger noch agieren können“, wenn der Kreis den Betrieb wie eigentlich beabsichtigt Anfang September zusammen mit dem Regierungspräsidium besichtigt hätte – und nicht schon zuvor alleine.

          Als Reaktion auf den Fall kündigte Hinz einen „Strauß von Maßnahmen“ an, unter anderem eine Gesetzesänderung, um dem Land ein uneingeschränktes Weisungsrecht zu ermöglichen. Weiterhin will Hinz, dass in Lebensmittelbetrieben mindestens einmal im Jahr unangemeldet kontrolliert wird, zudem eine bundesweite Datenbank für alle Keime, eine Aufstockung des zuständigen Personals in den Regierungspräsidien – und nicht zuletzt ein „zusätzliches Sicherheitsnetz“ durch eine Stärkung der Fachaufsicht im eigenen Ministerium.

          Die Opposition reagierte mit Kritik: Hinz suche die Verantwortung „weiter nur bei anderen“, sagte Knut John, der verbraucherschutzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Die zuständige Sprecherin der FDP-Fraktion Wiebke Knell sagte: „Das Thema ist noch nicht vom Tisch“.

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