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Nach der Schwangerschaft : Einmal Babybauch und nicht ganz zurück

  • -Aktualisiert am

Nicht nur die Kleinen, sondern auch den Rückbildungskurs am Hals Bild: F.A.Z.-Isabell Klett

Nach der Entbindung sollte die junge Mutter ihren Körper wieder in den Zustand von vor der Schwangerschaft bringen - mit viel Geduld und noch mehr Gymnastik. Trotz aller Kurse in Rückbildungsgymnastik bleibt die Frage: Geht das überhaupt?

          „Halten, halten, meine Damen“, schallt es durch den Raum. „Halten“, und zwar den Liegestütz oder - bäuchlings auf der Yogamatte - die Kobrastellung. Anderswo sitzen zehn Frauen im Kreis, stellen sich vor, sie säßen mit bloßem Hintern auf einer Wiese und würden Gras rupfen. Hier schweben Frauen auf Poolnudeln durchs Schwimmbecken, da hopsen welche auf einem Riesentrampolin, dort massieren sie sich gegenseitig mit Noppenbällen, und dort rollen sie ihre Babys auf Pezzibällen hin und her.

          Was haben alle diese Frauen quer durch Deutschland gemeinsam? Sie haben vor einigen Wochen ein Kind bekommen und besuchen jetzt einen sogenannten Rückbildungsgymnastikkurs. „Dessen Ziel ist im Wesentlichen, negative schwangerschafts- und geburtsbedingte Folgeerscheinungen zu reduzieren“, sagt Heike Hesterberg, Hebamme, Hebammentrainerin und Referentin an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

          Der Beckenboden ist traumatisiert

          Im Wesentlichen am Beckenboden. Denn dieser Boden - der mehr ein Netz ist aus Muskeln, die sich in drei Schichten längs und quer und übereinanderspannen zwischen Schambein, Kreuzbein und Hüftknochen -, dieser Boden hat sich bereits in der Schwangerschaft durch Hormone gelockert; er ist vom Baby gedehnt worden, wenn das Köpfchen sehr groß war oder die Austreibungsphase lang; die Muskeln wurden durch Dammschnitt, Zange oder Kaiserschnitt verletzt, oft auch die Nerven. Der Beckenboden einer jungen Mutter ist traumatisiert, sagen die Mediziner: wund, geschwollen, taub. Und schlaff. Dann hält er dem Druck nicht stand, sondern gibt nach: Blase, Gebärmutter, Darm drücken nach unten; Stuhl oder Blähungen entweichen, ohne es zu sollen. Senkung und Inkontinenz heißt dann die Diagnose.

          Der Zusammenhang ist bei Frauenärzten, Hebammen und Krankengymnastinnen anerkannt, die Daten sind allerdings vage. „Zwischen fünf und 25 Prozent aller Frauen sind betroffen“, sagt Nikola Bauer vom Verbund Hebammenforschung der Fachhochschule Osnabrück, „je nach Methode und Zusammensetzung der Umfrage und je nach der Definition der Beschwerden.“ „30 bis 50 Prozent der Frauen zumindest vorübergehend während der Schwangerschaft und danach“, sagt der Chefarzt der Braunschweiger Frauenklinik, Heiko Franz.

          Inkontinenz und Senkungen vorbeugen

          Also müssen die Frauen ihre Beckenböden wieder straffen. Beckenbodenmuskeltraining beugt Inkontinenz und Senkungen vor und kann Symptome bessern, das wurde durch eine große australische Übersichtsstudie vor zwei Jahren eindeutig bestätigt. Leider sagen die Forscher nichts über die Art des Beckenbodenmuskeltrainings. Auch die Krankenkassen haben keine genauen Vorstellungen vom Inhalt dieser Kurse, die sie ihren Versicherten nahelegen und bezahlen. „Wer Hebamme ist oder wer als Krankengymnastin einen entsprechenden Antrag gestellt hat, kann Rückbildungsgymnastik anbieten“, lautet die immer gleiche Antwort von DAK bis Techniker Krankenkasse. Ein spezielles Zertifikat werde nicht verlangt, ob und wie es in der Ausbildung gelehrt wurde - verständlicherweise kurz und knapp, weil es um Geburtshilfe geht und nicht um Sportdidaktik - und wann diese Ausbildung absolviert wurde, sei unerheblich.

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