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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Warum sind Frauen während der Periode schlecht gelaunt?

  • -Aktualisiert am

Mythen über die Menstruation: Zeit mit ihnen aufzuräumen. Bild: Picture-Alliance

Über die Menstruation gibt es allerlei Mythen. Dass sie schlechte Laune macht, stimmt sogar bedingt. Vieles andere, etwa dass menstruieren unhygienisch ist, hingegen nicht.

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          Kürzlich las ich an einer Häuserwand das Graffito „Krieg ist Menstruations-Neid: Männer wollen auch mal bluten!“ Obwohl ich dieser Deutung nicht unbedingt folgen mag, glaube ich, dass Männer einiges über das Phänomen wissen sollten – aber nicht nur Männer. In vielen Gesellschaften weltweit ist Menstruation noch ein Tabu. Auch in unserem Kulturkreis bereitet es rund 60 Prozent der jungen Frauen Unbehagen, ihre Periode zu erwähnen. Dabei gibt es diesen natürlichen Vorgang seit es die Menschheit gibt. Bei der Hälfte der Spezies tritt seitdem alle 21 bis 35 Tage, im Schnitt alle 28 Tage, die Menstruation auf, die drei bis sechs Tage dauert und mit etwa 60 bis 80 Milliliter Blutverlust einhergeht.

          Was passiert in dieser Zeit im weiblichen Körper? Die Gebärmutter ist eine Art umgedrehter Beutel mit dickem Flaschenhals, dem Muttermund, der über die Vagina mit der Außenwelt verbunden ist. In den Beutelboden münden zwei Eileiter rechts und links, an deren Ende die Eierstöcke sitzen. Alle 28 Tage ploppt aus einem der beiden Eierstöcke ein Ei. Wird es befruchtet, nistet es sich in die Gebärmutterschleimhaut ein, und ein Embryo entsteht. Wurde das Ei aber nicht befruchtet, und die Eierstöcke fahren eingeschnappt ihre Hormonabsonderung herunter, beginnt die Menstruation. Stoffwechsel und Durchblutung der Schleimhaut brechen zusammen. Warum das überhaupt so ist, darüber wird noch diskutiert. Fest steht: Die Menstruation ist ein natürlicher Vorgang und absolut notwendig, damit wir uns fortpflanzen können.

          Und trotzdem gilt sie weithin als eklig, unhygienisch, unsexy – Zeit, einmal mit einigen Behauptungen aufzuräumen!

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          „Menstruieren ist unhygienisch“

          Menstruationsblut besteht aus Wasser, Eiweiß, abgeschilferten Zellen der Gebärmutterschleimhaut, Immunzellen, Vaginaflüssigkeit, Blut und den vaginalen Milchsäurebakterien. Im Gegensatz zum übrigen im Körper zirkulierenden Blut ist es ungerinnbar, damit es keine Blutgerinnsel in der Gebärmutter bilden und unkompliziert abfließen kann. Menstruationsblut ist eine völlig ungiftige und ungefährliche Flüssigkeit, zumindest nicht gefährlicher als das übrige Blut einer gesunden Frau. HIV und Hepatitis können allerdings wie bei anderen Körperflüssigkeiten übertragen werden, wenn die Frau infiziert ist. Die menstruierende Frau selbst ist in dieser Zeit etwas gefährdeter, wenn sich Krankheitserreger ihren Weg bahnen, weil der pH-Wert in der Vagina durch das Blut ansteigt.

          Menstruationsblut riecht durchaus nicht unangenehm. Wo das nicht zutrifft und andere Duftaromen sich entfalten, ist es möglich, dass die Frau krankhafte Veränderungen der Vaginalflora in sich trägt – ein Warnzeichen, möglichst bald einen Arzt aufzusuchen.

          „Frauen sind vor ihren Tagen schlecht gelaunt“

          Wir alle kennen solche Sprüche, wenn Frauen schlechte Laune haben, reizbar oder niedergeschlagen sind. Sprüche, die häufig, aber nicht nur von Männern kommen. Dass der Zyklus bei Frauen überhaupt so läuft, wie er läuft, verdanken wir den Eierstockhormonen: In der ersten Hälfte des Zyklus, man zählt ab dem ersten Tag der Blutung, dominiert das Östrogen; in der zweiten Hälfte – nach dem Eisprung – das Gelbkörperhormon Progesteron. Progesteron wiederum soll mit dem von Männern gefürchteten PMS, dem Prämenstruellen Syndrom, in Verbindung stehen. Es kann Frauen über dreißig kurz vor ihren Tagen in Übellaunigkeit oder Aggression stürzen. Begünstigt wird das PMS durch klassische Zivilisationssünden: Zucker, Koffein, Alkohol, Nikotin und zu wenig Bewegung, aber auch durch Stress. Weil Serotonin, das Glückshormon, in dieser Zeit ebenfalls schwächelt, steigt die Lust auf Schokolade als Kompensation – allerdings nur in unserer etwas verfresseneren westlichen Zivilisation. Frau kann ihr PMS lindern, indem sie sich gesund ernährt und sportlich oder sexuell betätigt. Zieht es mal sehr unangenehm, helfen auch krampf- und schmerzlösende Medikamente.

          „Blutungen führen zum Eisenmangel“

          Unser Körper denkt, dass er noch in der Steinzeit lebt, evolutiv hat sich ja seither diesbezüglich nicht allzu viel getan. „Damals“ war es aber so, dass Frauen häufiger schwanger waren und länger gestillt haben als heute. Dank moderner Verhütungsmethoden bluten Frauen in der modernen Zeit aufs Leben gerechnet mehr als in der Steinzeit. Deshalb leiden sie tatsächlich auch häufiger an Eisenmangel. Eisen wird zum Aufbau der roten Blutkörperchen benötigt; der Mangel wirkt sich in Kopfweh, Haarausfall und Hautproblemen aus. Und dann ist da auch noch die Migräne, ein zusätzlicher Quälgeist rund um die Periode, der nicht selten mit Durchfall und Magenkrämpfen daherkommt.

          „Menstruation ist unsexy“

          Zu welcher Kategorie Mann gehören Sie: Haben Sie Sex mit ihrer Freundin oder Frau, während sie menstruiert? Und zu welcher Kategorie Frau gehören Sie? Haben Sie Lust während dieser Zeit, oder eher nicht? Es gibt Frauen, die Sex in der Phase, wo ihr Uterus zur Menstruationszeit stark durchblutet ist und auch etwas krampft, als besonders intensiv und entspannend empfinden. Dumm nur, wenn der Partner mit dem Ausruf „Hilfe – wie eklig!“ die Flucht antritt. Das sollte jedes Paar so handhaben, wie es mag. Medizinisch und hygienisch ist es jedenfalls absolut unbedenklich und kann definitiv lustvolle Aspekte haben. Wenn manche Männer das Vergnügen, mit einer menstruierenden Frau zu schlafen, vehement ausschlagen, hat das vielleicht auch eine tiefere psychologische Bedeutung. Ein Psychoanalytiker vermutete: Wenn er „dabei“ das Blut auf seinem Gemächt sieht, erinnert es ihn an ein Gemetzel, und schon jagen ihn Schreckensphantasien – bis hin zur ureigenen Kastrationsangst! Männer wollen nämlich gar nicht unbedingt bluten.

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