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App zu Alkoholkonsum : Wein? Nein, danke.

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In dieser Bar ist das Spirituosen-Angebot groß: Aber ab wie vielen Gläsern Alkohol, ist es zu viel? Ein App soll helfen, das herauszufinden. Bild: dpa

Die App „MeSelfControl“ soll helfen, den eigenen Alkoholkonsum besser zu steuern. Unsere Autorin hat die erzieherische Stimme aus dem Smartphone getestet.

          Ich habe für diese Kolumne wirklich gut recherchiert. Also, das mache ich sonst natürlich auch, nur dachte ich dieses Mal, die Recherche würde so richtig Spaß machen! Schließlich teste ich eine App, die sich mit meinem Alkoholkonsum beschäftigt. Trinken im Job, sozusagen. Das kann ja lustig werden.

          Ich würde mich als durchschnittliche Trinkerin bezeichnen. Bei Gelegenheit mal ein Glas Wein oder auch einen Longdrink - allerdings gibt es über die Woche so einige Gelegenheiten. Ich bin beruflich viel auf Abendveranstaltungen, außerdem wohne ich in Bayern. Wenn sonst in Deutschland „Kein Bier vor vier“ gilt, gibt’s das Bier hier zur Weißwurst. Und die ja bekanntlich nur bis 12 Uhr mittags. Alkohol, möchte man sagen, gehört hier zur Kultur. Ich komme also manchmal schon auf zwei-, dreimal die Woche Alkohol im Glas. Ist das jetzt schon viel? Oder zu viel? Was sagt die App?

          App zählt Alkohol in Gramm mit

          „MeSelfControl“ ist kostenlos und beschreibt sich beim Start so: „Du stehst mit beiden Beinen im Leben und bist erfolgreich im Beruf, aktiv in der Freizeit und fürsorglich für Partner, Familie und Freunde. Aber da gibt es etwas, das du gern in deinem Leben ändern möchtest: Dein Alkohol-Trinkverhalten.“ Erfolgreich, aktiv, fürsorglich: check. Bislang habe ich an meinem Trinkverhalten kein Problem gesehen, aber gut.

          Die App soll sich auf meine Persönlichkeit einstellen, mich motivieren und mir ein „interaktives Reduktionsprogramm“ bieten. Ich soll dafür jedes Mal, wenn ich Alkohol trinke, der App sagen, was und wie viel davon. Sie zählt den Alkohol in Gramm mit und zeigt an, ob der Konsum risikoarm ist, riskant, hochriskant - oder ich mich jetzt dringend an meine Vertrauensperson wenden sollte.

          Hmm. Vertrauensperson? So viel trinke ich ja nun nicht, dass mich irgendwer davon abhalten müsste. Außerdem zählt die App „trinkfreie Tage“ mit. Ich trinke nie allein und kann auch Abende mit Freunden durchaus einmal mit Cola verbringen, wenn ich keine Lust auf Alkohol habe. Genauso trinke ich trotz der 0,5-Promille-Grenze keinen Tropfen, wenn ich noch Auto fahre. Ob ich wirklich die Zielgruppe bin?

          Nicht mehr als eine Weinschorle am Abend?

          Das würde ich gern wissen - plus eine Antwort auf die Frage, wie denn mein aktueller Konsum eingeschätzt wird. Ich bekomme aber keine Analyse vorweg - die App braucht erst einmal Messdaten. 15 Tage will sie mich beobachten, dann geht es in das Reduktions-Programm, das 9,99 Euro kostet. Na gut, dann los. Leider habe ich genau an diesem Wochenende Geburtstag, Extrembedingungen sozusagen.

          Los geht es Freitagabend, mit ein paar Freunden feiere ich rein. Keine wilde Hausparty, sondern eine gemütliche Bar-Runde, ich starte mit einer Weinschorle. 0,1 Liter Weißwein sollen zehn Gramm reinen Alkohol enthalten. Laut App liegt der risikofreie Wert für Frauen bei zwölf Gramm am Tag. Huch? Mehr als diese eine Weinschorle soll heute Abend nicht drin sein? Ich bestelle zum Essen eine zweite, und schon taucht in der App ein gelbes Ausrufezeichen auf. Um Mitternacht frage ich in die Runde, wer einen Sekt mag, so stößt man eben an. Sechs von acht Gästen bestellen mit.

          Die App rechnet nicht nur, sie will mir auch mit Infos helfen - zum Beispiel, wie man sich bei Trinkeinladungen verhalten kann. Ein Info-Text listet drei Situationen auf: anonym im Club, im beruflichen Kontext oder bei der privaten Feier. Arbeitskollegen könne man erzählen, dass man noch Auto fahren will oder aus gesundheitlichen Gründen nicht trinkt.

          App fragt nach Motiv für jeden Drink

          Die Infos sind super - deshalb habe ich kurz ein schlechtes Gewissen, dass ich der Runde überhaupt den Sekt angeboten habe. Denn die Situation kenne ich selbst - und zwar lustigerweise eher aus dem privaten als dem beruflichen Umfeld. „Och, warum denn nicht?“ „Trink doch mit!“ „Magst du nicht doch etwas?“ „Jetzt probierst’ halt a mal des Bier!“ So etwas habe ich in diversen Varianten schon hören müssen (Bayern!), wenn mir Cola an dem Abend einfach besser geschmeckt hat.

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