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Orthopäde über Kinderrücken : „Die Sitzgesellschaft ist an den Schmerzen der Kinder Schuld“

Sind wirklich die Schulranzen daran Schuld, dass immer mehr Kinder und Jugendliche über Rückenschmerzen klagen? Bild: dpa

Immer mehr Kinder und Jugendliche klagen über Rückenprobleme. Liegt das am schweren Schulranzen? Ein Orthopäde erklärt, wie man Beschwerden vorbeugen kann – und worauf bei der Wahl des Ranzens zu achten ist.

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          Eigentlich waren Rückenschmerzen immer etwas, worüber Großeltern klagten. Hier pikste es im Kreuz, dort war der Nacken steif. Doch glaubt man den aktuellen Zahlen verschiedener Umfragen, dann können sich in Zukunft Opa und Enkel über Schmerzen im Kreuz austauschen: Laut Studien des Robert Koch-Instituts und des DAK-Gesundheitsreports klagen immer mehr Kinder und Jugendliche über Rückenprobleme. So haben etwa ein Viertel aller Mädchen und Jungen ab zwölf Jahren in Niedersachsen zeitweise Probleme mit dem Rücken. Laut der Kinderstudie KiGGS gaben mehr als drei Viertel der Elf- bis 17-Jährigen an, in den vergangenen drei Monaten Schmerzen gehabt zu haben. Fast die Hälfte davon klagte dabei über Rückenschmerzen. Laut Orthopäden haben sich die Haltungsschäden bei Kindern in den vergangenen zwanzig Jahren verdoppelt. Gerd Rauch ist Orthopäde in Kassel und hat sich mit der Frage befasst, woher dieser Anstieg kommt und ob tatsächlich, was Eltern oft vermuten, der schwere Schulranzen Schuld daran ist.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Herr Rauch, warum leiden immer mehr Kindern unter Rückenschmerzen? Der Schulranzen trägt laut Ihnen ja kaum Schuld daran.
          Rückenschmerzen infolge zu schwerer Schulranzen sind eine Rarität. Viel mehr ist an den Schmerzen der Kinder die Sitzgesellschaft Schuld. Wir Erwachsene sitzen die meiste Zeit am Tag, zunehmend vor dem Handy oder dem Tablet. Wenn Eltern Kindern nicht vorleben, dass Bewegung jeden Tag dazugehört, dann muss man sich nicht wundern, wenn es mittlerweile Untersuchungen gibt, die aufzeigen, dass Schulkinder 8,5 Stunden pro Tag sitzen. Für diese langen Sitzphasen ist der Mensch aber nicht gemacht. Durch einseitige Haltung und Bewegungsmangel entstehen erhebliche muskuläre Dysbalancen, Verkürzungen, mangelndes Training der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur, die letztendlich schon frühzeitig zu Beschwerden der Kinder führen.

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