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Mexiko gegen Übergewicht : Junkfood? No, gracias!

Eine Cola zum Frühstück ist für viele Schulkinder keine Ausnahme. Bild: AP

Rund 73 Prozent der Bevölkerung in Mexiko gelten als übergewichtig. Die Regionalparlamente in den südlichen Bundesstaaten haben jetzt den Verkauf von süßen Getränken und Snacks an Minderjährige untersagt.

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          Eine Cola vom Kiosk? Darauf müssen die Schüler in Oaxaca und Tabasco künftig verzichten. Die Regionalparlamente in den südlichen mexikanischen Bundesstaaten haben per Gesetz den Verkauf von Süßgetränken und hochkalorischen Snacks an Minderjährige untersagt. Damit fallen diese in dieselbe Kategorie wie Alkohol oder Tabak. Verkäufer, die sich nicht an die Bestimmung halten, können mit einer Buße oder der Schließung ihres Lokals bestraft werden. Auch die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt denkt über ein entsprechendes Verbot nach. Auf nationaler Ebene laufen ebenfalls Diskussionen.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Gesetze in Oaxaca und Tabasco sind weitere Schritte im Kampf gegen die Übergewichtigkeit und deren Folgen, die sich in Mexiko zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem entwickelt haben. Rund 73 Prozent der Bevölkerung gelten als übergewichtig, mit einer hohen Rate von Folgeerscheinungen wie Diabetes und Herzproblemen. Der Zusammenhang mit dem übermäßigen Konsum von Süßgetränken lässt sich nicht abstreiten. Im Durchschnitt trinken die Mexikaner 163 Liter Softdrinks pro Jahr – so viel wie sonst nirgendwo auf der Welt. Der Konsum beginnt im Kindesalter. Eine Cola zum Frühstück ist für viele Schulkinder keine Ausnahme. Schon 2014 hat Mexiko eine Zuckersteuer auf Süßgetränke von einem Peso pro Liter eingeführt, was rund fünf amerikanischen Cent entspricht. Das aus der Steuer erhobene Geld floss jedoch nie in das Gesundheitswesen und die Bekämpfung der Übergewichtigkeit.

          Dass die Junkfood-Verbote nun in den Regionalparlamenten durchgewinkt werden und eine nationale Debatte befeuern, ist auf den Kampf gegen die Pandemie zurückzuführen. Mexiko zählt mehr als 60000 Corona-Todesopfer. Der sanitäre Notstand habe den Schaden, den der übermäßige Konsum von Süßgetränken anrichte, noch offensichtlicher gemacht, sagte die Abgeordnete Magaly López Domínguez, die den Gesetzentwurf im Regionalparlament von Oaxaca schon vor über einem Jahr eingebracht hatte. Die Annahme des Gesetzes komme zur rechten Zeit.

          Der für die Pandemiebekämpfung zuständige Gesundheitssekretär Hugo López-Gatell sprang auf den Zug auf und bezeichnete die Softdrinks kürzlich als „Gift in Flaschen“, dessen Konsum für den Tod von 40.000 Mexikanern verantwortlich sei, da vier von fünf Corona-Opfern in Mexiko unter Diabetes, Bluthochdruck oder Übergewicht litten. Die mächtige Getränkeindustrie in Mexiko wiederum warf der Regierung vor, eine wichtige Branche zu verteufeln. Dabei hätten Studien gezeigt, dass weniger als sechs Prozent der täglich konsumierten Kalorien in Mexiko von Softdrinks stammten. Kritiker werfen der Regierung vor, einen Sündenbock für das schlechte Management der Corona-Pandemie zu suchen, während sie es gleichzeitig versäumt habe, die Maskenpflicht einzuführen oder großflächige Tests durchzuführen.

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