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Festivalkampagne : „Es ist Zeit für die Revolution der Periode“

Tampons und Binden zählen in Deutschland nicht zu Gütern des täglichen Bedarfs und werden mit 19 Prozent versteuert. Bild: Agentur Goalgirls

Rücksicht im Job und weniger Steuern auf Tampons: Das fordern die Kampagnenmacherinnen des „Red Tent“. Sie wollen in einem Menstruationszelt auf Festivals über die Periode aufklären.

          Wer in diesem Jahr das Tech-Open-Air, das Melt Festival oder das Lollapalooza in Berlin besucht, wird ein rotes Zelt entdecken – das „Red Tent“ oder auch Menstruationszelt. Geht es nach den Macherinnen, soll hier eine Revolution der Periode beginnen. Kreativdirektorin und Gründerin Kaddie Rothe erzählt, was es mit dem Zelt auf sich hat:

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Frau Rothe, während der Periode ist vielen Frauen nicht unbedingt zum Feiern zu Mute. Warum also ein Menstruationszelt auf Festivals?

          Menstruieren ist gerade auf einem Festival unhygienisch und unangenehm, deshalb dachten wir, das wäre ein guter Startpunkt. Bei uns können die Frauen sich zurückziehen, es gibt kostenlose Produkte und Informationen wie Ernährungstipps. Wir wollen zeigen, wie stigmatisierend die Periode sein kann. Jede Frau kennt die Angst, von einem weißen Stuhl aufzustehen und einen roten Fleck zu hinterlassen.

          Woher kommt dieses Stigma?

          Das gibt es schon lange. Früher weil man nicht wusste, warum Frauen bluten. Eine Zeit lang dachte man sogar, die Frauen wären vom Teufel besessen. Heute wird das Tabu von Generation zu Generation weitergegeben: Die Periode hat was mit Blut zu tun, das ist eklig, und mit Sex. Gerade bei den Söhnen fehlt die Aufklärung.

          Kaddie Rothe ist Gründerin und Kreativdirektorin bei der Agentur Goalgirls.

          Wie kamen Sie speziell auf die Idee mit dem Zelt?

          Das war während einer Recherche für eine Kampagne im letzten Jahr. Da haben wir schreckliche Dinge herausgefunden, wie das es eine Luxussteuer auf Tampons gibt – im Gegensatz zu Rasierern für Männer zum Beispiel, die zählen zum täglichen Bedarf. Und das Tampons mit Chlor gebleicht sind, was schlecht für die Scheidenflora ist. Das sind aber Sachen, die jede Frau wissen sollte. Bei den Ureinwohnern hingegen gab es ein rotes Zelt, in dem Frauen gemeinsam menstruiert haben – und auch die erste Periode von jungen Mädchen feierten. Es ist also Zeit für die Revolution der Periode.

          Wollen Frauen denn überhaupt über das Thema sprechen?

          Ja, bei Mädels ist da ein sehr großer Bedarf, vor allem untereinander. Viele wollen sich austauschen und von ihren Erfahrungen und Problemen mit der Periode berichten.

          Und wie reagieren Männer?

          Gerade die Jüngeren, also die Social-Media-Generation, ist sehr neugierig und interessiert. Mein Opa würde von dem Thema nichts wissen wollen. Im Zelt gibt es auch Infos für Männer, sie können sich außerdem die Bärte rot färben lassen und so zeigen, dass sie an der Revolution teilnehmen.

          Wie sähe eine menstruationsfreundliche Welt aus?

          Es müsste viel offener zugehen, vor allem am Arbeitsplatz. Viele Frauen sind erwiesenermaßen während der Periode weniger leistungsfähig. Da muss es auch erlaubt sein zu sagen „Heute mache ich mal Fehler“. Oder eben auch, dass es kein heimliches Tampon hin- und herschieben mehr gibt, weil niemand mitbekommen soll, wenn man keinen dabei hat.

          Sie sind in diesem Jahr auf drei Festivals vertreten – hat Ihnen auch jemand abgesagt?

          Nein, bisher gab es niemanden, der die Idee schlecht fand. Wir haben mittlerweile auch schon Anfragen von anderen Festivals bekommen und ein Crowd-Funding gestartet.

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