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Straftaten während Epidemie : Während der Ebola-Zeiten mehr Vergewaltigungen

  • -Aktualisiert am

Erst kam die Krankheit, dann die Gewalt: Eine junge Frau wird in Freetown, Sierra Leone untersucht. Bild: AP

Während der Ebola-Epidemie ist die Zahl der Schwangerschaften bei Minderjährigen stark gestiegen – traurige Ursache dafür sind Vergewaltigungen und Prostitution. Auf Unterstützung können die Mädchen nicht hoffen.

          Sozusagen im Windschatten der größten Ebola-Epidemie der Geschichte ist nach Angaben von Hilfsorganisationen in Liberia, Guinea und Sierra Leone die Zahl der Schwangerschaften bei Minderjährigen stark gestiegen. Gründe dafür sind in erster Linie Vergewaltigungen und Prostitution. In einigen Teilen Liberias sind nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen die Schwangerschaften bei Jugendlichen um 65 Prozent gestiegen. Zahlen über die Gesamtzahl der Fälle liegen schon deshalb nicht vor, weil solche Erhebungen nicht gemacht werden.

          Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen der Epidemie und den drastisch gestiegenen Zahlen der Vergewaltigungen. Ebola hatte in den drei betroffenen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone zu einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung und damit weitgehender Straffreiheit geführt. Es sei zu einer kriegsähnlichen Situation mit der entsprechenden Bedrohung von Mädchen und Frauen gekommen – ähnlich wie während des Völkermordes in Ruanda 1994 oder des jugoslawischen Bürgerkriegs, in deren Verlauf die Zahlen der Vergewaltigungen ebenfalls dramatisch angestiegen waren.

          „Hunger-Prostitution“

          Im Fall von Ebola hätten die Versuche zur Eindämmung der Epidemie die Frauen zusätzlich in Gefahr gebracht, heißt es in einem Bericht von Save the Children. Die Vorkehrungen (Quarantäne, Ausgangssperren, Schulschließungen und Versammlungsverbote) hätten den Frauen jede Möglichkeit genommen, Aggressoren auszuweichen, und sie stattdessen auf Wochen mit ihren Peinigern eingesperrt. Die Aggressivität in den abgeriegelten Häusern und Wohngebieten sei durch die Virus-Angst noch gesteigert worden.

          Zudem habe die wirtschaftliche Not während der Epidemie Prostitution befördert. Besonders davon betroffen seien Kinder gewesen, die einen oder beide Elternteile durch die Epidemie verloren hatten und auf sich gestellt waren. Die „Hunger-Prostitution“ sei nicht dadurch gebremst worden, dass die Epidemie inzwischen weitgehend unter Kontrolle ist. In Ermangelung einer staatlichen Waisen-Fürsorge seien die Kinder weiterhin gezwungen, ihren Körper zu verkaufen, um zu überleben.

          Das Fehlen einer wie auch immer gearteten Fürsorge für die jungen Mütter hat auch mit ihrer Stigmatisierung zu tun. In Liberia beispielsweise dürfen schwangere Schülerinnen das Schulgelände nur bei Dunkelheit betreten, in Sierra Leone sind sie ganz vom Unterricht ausgeschlossen. Unterstützung etwa von ausländischen Hilfsorganisationen ist ebenfalls nicht zu erwarten. Jetzt, wo die Epidemie fast ausgerottet ist, haben viele von ihnen ihre Zelte wieder abgebaut.

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