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Medizinermangel : Werben bis der Arzt kommt

„Die ersten Wochen waren sehr anstrengend“, sagt Laub. Die Patienten waren für ihn neu, die Sprache bereitete ihm Mühe. Ein Glück, dass seine Vorgängerin ein Vierteljahr lang mit dabei blieb. Für einen symbolischen Euro hatte sie ihm die Praxis überlassen, bis heute übernimmt sie die Vertretung. So können sich die Patienten behutsam auf den neuen Doktor einstellen. 900 Stammpatienten hat er - fast ausschließlich Kasse, kaum Private. Auf dem Marktplatz ist nur Gutes über Laub zu hören; der junge Doktor mache Hoffnung, „dass hier nicht völlig das Licht ausgeht“, sagt eine Frau.

„Hier werde ich gleich als Arzt wahrgenommen“

Ohne ausländische Ärzte geht im Osten schon seit Jahren nichts mehr. „Sie helfen, die medizinische Versorgung zu sichern“, sagt Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Allein im Freistaat stieg die Zahl der ausländischen Ärzte im Jahr 2009 um knapp zehn Prozent auf 1300, und jedes Jahr werden es mehr. Sie kommen vor allem aus Osteuropa, um in Kliniken, Medizinischen Versorgungszentren und zunehmend auch eigenen Niederlassungen zu arbeiten. Polen, Tschechien und die Slowakei stehen ganz oben auf der Liste der Herkunftsländer, dicht gefolgt von Österreich, mit dessen Ärztekammer alle neuen Länder sogar ein Kooperationsabkommen haben.

Weil es in der Alpenrepublik zu viele Ärzte gibt, gehen die Ostdeutschen seit vier Jahren dort gezielt auf Werbetour. Jedes Jahr im Frühling sind Thüringen und Sachsen in den Universitätsstädten Innsbruck, Graz und Wien auf Nachwuchssuche, im Sommer folgen dann Kundschafter aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die ostdeutschen Kliniken winken mit fertigen Verträgen, die die österreichischen Absolventen oft sofort unterzeichnen. Einer von ihnen ist Matthias Kouba, der vor vier Jahren an einer Klinik im Erzgebirge anfing und heute als Assistenzarzt für Innere Medizin im Bethanien-Krankenhaus Chemnitz arbeitet. Visite, Notfalldienst, Stationsarbeit, Endoskopien, Leberpunktionen und Gespräche mit Patienten füllen seinen Tag.

„Hier werde ich gleich als Arzt wahrgenommen“, sagt der Zweiunddreißigjährige, der in Wien studiert hat. „Etwas Besseres konnte mir nicht passieren.“ In seiner Heimat müssten Absolventen drei Jahre auf eine sogenannte Turnus-Stelle warten, die Voraussetzung für die Facharztausbildung sei, in der sie aber weitere drei Jahre überwiegend Schwesternarbeit verrichteten. „Und selbst danach kann es leicht passieren, dass man auf der Strecke bleibt, weil einem ein Spezi mit Beziehungen die Stelle wegschnappt.“ Kouba wollte sich das nicht antun, die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, fiel schnell; dass es Chemnitz wurde, lag auch am Eindruck, den die Klinik bei ihm hinterließ. Spezialisierung, Ausstattung und Arbeitsklima passten. Natürlich sei die Arbeit hart, Sechzig-Stunden-Wochen die Regel. Dafür aber habe er in sieben Jahren seinen Facharzt - in Österreich würde das locker doppelt so lange dauern.

Vor allem die „Ösis“ sind schwer gefragt

Seine Familie jedoch sei anfangs konsterniert gewesen. „Die hatten Karl-Marx-Stadt, Plattenbauten und Skinheads im Kopf“, sagt Kouba. „Schau'mers uns erst amoal oan“, habe er geantwortet; mittlerweile kämen Verwandte und Freunde gern zu Besuch. „Die Stadt ist grün, es steht nicht alles voller Platten, und es gibt auch nicht mehr Glatzen als in Wien“, lautet sein Befund. Kouba lebt heute auf dem Kaßberg, einem sanierten Gründerzeitviertel unweit des Zentrums, und versteht sich mit Patienten wie Kollegen bestens. Neben zehn österreichischen Ärzten arbeiten hier auch Kollegen aus Polen, Tschechien, Bulgarien oder Madagaskar, und die Patienten haben die „Ösis“ ohnehin längst in ihr Herz geschlossen.

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