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Medikamentensucht : Generation Rezept

  • -Aktualisiert am

Lindsay Lohan: viel Spaß, große Ausdauer Bild: AP

Ob Schauspielerin Lindsay Lohan, Eva Mendes oder Sängerin Britney Spears: Kokain war gestern - heute berauscht sich Hollywoods Party-Szene mit Angstkillern und Schmerzmitteln. Schon melden die Entzugskliniken verstärkten Zulauf.

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          So plastisch wie Rocker Pete Wentz hat es bis jetzt noch keiner von Hollywoods Jungstars auf den Punkt gebracht. „Ambien werfe ich ein wie Bonbons“, beschreibt der Sänger der Band „Fall Out Boy“ seinen eher unbedarften Umgang mit dem Schlafmittel, das unter Prominenten als neueste Modedroge gilt. Die meist orangefarbenen, manchmal auch weißen Pillen werden vom Arzt verschrieben, in der Apotheke oder online verkauft und sind damit legal. Ganz anders als das sonst so gern in der Filmmetropole konsumierte Kokain.

          Harmlos wird „Ambien“ dadurch aber nicht, wie auch Pete Wentz erfahren musste. „Ich fühle mich ständig verfolgt“, klagt der 29 Jahre alte Musiker und berichtet von angeblichen Einbrechern und nächtens zu Schrott gefahrenen Luxuskarossen. Das beliebte Schlafmittel hat nämlich wenig gesunde Nebenwirkungen. Halluzinationen, Euphorie-Anfälle und unter den Nullpunkt gefallene Hemmschwellen - allesamt Phänomene, die sich in den Clubs zwischen West Hollywood und Malibu größter Beliebtheit erfreuen.

          Mit 24 Jahren den dritten Aufenthalt in der Entzugsklinik

          Vor Mikrofon oder Kamera macht „Ambien“ vielen Celebrities dagegen weniger Freude. Da gab Pete Wentz beim Skandal-Talker Howard Stern Einblicke in das Familienleben mit Ashlee Simpson, die für die Pop-Prinzessin und die meisten Hörer ähnlich peinlich waren. Ob Körbchengröße (“mit Brustmilch ein D“), Stripteasequalitäten der jungen Mutter (“spitze“) oder postnatale Sexversuche: Wentz' Auskunftsfreude kannte keine Grenzen.

          Kelly Osbourne: wieder in der Entzugsklinik
          Kelly Osbourne: wieder in der Entzugsklinik : Bild: AFP

          Wie Pete Wentz machen viele Celebrities kein Hehl daraus, regelmäßig Drogen zu konsumieren. Berichte über Exzesse nach dem Konsum verschreibungspflichtiger Medikamente füllen derzeit die Seiten von Hollywoods Promi-Blogs und Klatschblättern. Ein aufmunterndes „Schlag nicht allzu hart auf!“ wünscht Lästermaul Perez Hilton Paula „Forever Your Girl“ Abdul, die sich unter dem Einfluss allzu vieler „happy pills“ gerade selbst zur Mutter des Erfolges von Rihanna und Beyoncé gekrönt hat. Kelly Osbourne packt derweil die Koffer für den nächsten Aufenthalt in der Entzugsklinik, dem dritten der 24 Jahre alten Möchtegernpunkerin. Fast wünscht man sich die Zeiten zurück, in denen Drogen noch Heroin und Kokain hießen und verschämt in den Hinterzimmern der Nachtclubs genommen wurden.

          Heath Ledger mit sechs verschiedenen Medikamenten im Blut

          Dabei sollte Hollywood die fatalen Folgen eines allzu üppigen Medikamentenkonsums mehr als deutlich vor Augen haben. Vor einem Jahr fand eine Masseuse den Schauspieler Heath Ledger tot in Manhattan. Nackt, bäuchlings auf einer Matratze und mit sechs verschiedenen Medikamenten im Blut. Wie der Gerichtsmediziner feststellte, war der 28 Jahre alte Australier „an einer akuten Vergiftung durch die Kombination von Oxycodon, Hydrocodon, Diazepam, Temazepam, Alprazolam und Doxylamin“ gestorben. Oder, simpler ausgedrückt, an einem tödlichen Cocktail aus Angstkillern, Schmerz- und Schlafmitteln. Wenige Wochen zuvor hatte Ledger in einem Interview erzählt, nach den Dreharbeiten für „Dark Knight“ regelmäßig Ambien genommen zu haben. Seine Rolle als Joker, ein „psychopathischer, mordender, schizophrener Clown“, habe ihm den Schlaf geraubt.

          Obwohl Ledgers Familie sich beeilte, Gerüchten wegen Drogenmissbrauchs entgegenzusteuern (“nicht überdosiert“, „von Ärzten verschrieben“), wird in Hollywood weiter über eine Abhängigkeit des Stars von verschreibungspflichtigen Medikamenten spekuliert. Die Polizei fand neben seiner Leiche verschiedene Tablettenröhrchen, nicht aber die dazu passenden Rezepte.

          „Ambien“ und „Adderall“ sind das neue Kokain

          Produzent Lee Daniels, der mit Ledger „Monster's Ball“ gedreht hat, bemühte sich, den Imageschaden abzufedern: „Ich habe ihn nicht als Drogensüchtigen gesehen, sondern als jemanden, der Spaß am Leben hat.“ Für seine Rolle in „Dark Knight“ wurde der tote Ledger vor einigen Wochen mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Mit einer „fürchterlichen Mischung aus Trauer und Stolz“ nahm Regisseur Christopher Nolan den Preis in Beverly Hills entgegen, der in Zukunft das Zimmer von Ledgers dreijähriger Tochter Matilda schmücken wird.

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