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Masernschutzgesetz tritt in Kraft : Was die Impfpflicht vom 1. März an bedeutet

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Immer mehr Menschen lassen sich impfen, das neue Masernschutzgesetz soll flächendeckend vor der Virusinfektion schützen. Bild: EPA

Zum Schutz vor den hochansteckenden Masern gilt vom 1. März an eine Impfpflicht für Kinder in Kitas und Schulen, für Lehrer sowie Beschäftigte in Kliniken. Wie läuft die Umsetzung ab?

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          Von Sonntag an gilt in Deutschland eine Masernimpfpflicht. Das im vergangenen November beschlossene Masernschutzgesetz verpflichtet betreute Kinder und auch das Personal in Kindertagesstätten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen zu einer Impfung gegen die Virusinfektion. Das Bundesministerium für Gesundheit stufte den Handlungsbedarf als hoch ein: 2019 wurden in Deutschland mehr als 500 Fälle nachgewiesen. In Industrieländern sterben ein bis drei von 1000 an Masern erkrankten Menschen. Die Krankheit ist hochansteckend und kann zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Wer ist von der Gesetzesänderung betroffen und was ändert sich zum 1. März?

          Vor der Aufnahme in Kindertagesstätten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen und bei der Tagespflege müssen ab sofort alle Kinder ab einem Jahr nachweislich gegen Masern geimpft sein. Das gilt auch für alle Mitarbeiter sowie das Personal in medizinischen Einrichtungen. Kinder ab zwei Jahren müssen zwei Masernschutzimpfungen haben oder eine ausreichende Immunität gegen Masern per Labortest nachweisen. Auch in Flüchtlingsunterkünften und in Ausbildungseinrichtungen, in denen überwiegend Minderjährige betreut werden, gilt die Masernimpfpflicht.

          Kinder, die bereits in Betreuungseinrichtungen aufgenommen sind, müssen bis zum 31. Juli 2021 einen Impfnachweis vorlegen. Das gilt auch für betroffenes Personal.

          Impfpflicht mit Ausnahmen

          Nicht alle Menschen, die in Betreuungseinrichtungen arbeiten, sind von dem neuen Gesetz betroffen. Ausgenommen sind Menschen, die eine Unverträglichkeit gegen den Impfstoff mit einem Attest nachweisen können. Außerdem alle bis 1970 Geborenen, weil davon ausgegangen wird, dass sie entweder geimpft wurden oder die Krankheit durchmachten und damit immun sind.

          Bußgelder für Impfverweigerer

          Die Impfpflicht gilt natürlich auch für die Menschen, die Impfungen kategorisch ablehnen und als Impfgegner beschrieben werden. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ihre Zahl auf unter zehn Prozent gesunken. Ein „Herdenschutz“  ist laut Weltgesundheitsorganisation aber erst gegeben, wenn 95 Prozent der gesamten Bevölkerung geimpft sind. Nach aktueller Gesetzeslage drohen in Deutschland bisher keine Strafen für Eltern ungeimpfter Kinder – das wird sich ab dem 1. März ändern. Weigern sich Eltern, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen, erwarten sie Bußgelder von bis zu 2500 Euro. Auch Kitas und Tagesmütter sollen gegen Impfverweigerer vorgehen – ungeimpfte Kinder sollen in Zukunft von Betreuungseinrichtungen abgelehnt werden. In den Schulen ist das wegen der gesetzlichen Schulpflicht nicht möglich. Über ungeimpfte Schüler muss die Schulleitung das Gesundheitsamt informieren, das dann Kontakt zu den Eltern aufnimmt. Auch hier drohen Bußgelder. Wer sich als Mitarbeiter einer Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtung verweigert, muss mit einem Arbeitsausschluss rechnen.

          Welchen Masern-Impfstoff gibt es?

          Für die Impfung gegen Masern gibt es in Deutschland derzeit nur Kombinationsimpfstoffe gegen Mumps-Masern-Röteln (MMR) oder zusätzlich gegen Varizellen. Die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen wird von der Ständigen Impfkommission empfohlen, um die Anzahl der Injektionen bei Kindern gering zu halten und mit den Masern gleichzeitig auch die Verbreitung von Mumps und Röteln zu verhindern. Die Impfpflicht besteht auch, wenn nur ein Mehrfachimpfstoff bereitsteht.

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