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Masern : Das Impfen einimpfen

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht

In der DDR wurde das Impfen für Kinder und Jugendliche staatlich verordnet. Nach der Wiedervereinigung sanken die Impfraten stark. Leidel glaubt allerdings nicht, daß eine Impfpflicht ein Patentrezept zur Bekämpfung von Impfmüdigkeit sei. „In der DDR gab es schlicht eine gesellschaftliche Haltung, in welcher der Sinn des Impfens nicht angezweifelt wurde.“ In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Das Infektionsschutzgesetz, das 2001 in Kraft trat, sieht allerdings für den Fall einer Epidemie-Gefahr eine staatlich angeordnete Impfung vor. Bislang ist dieser Passus nicht angewendet worden.

Eigentlich sei es sonderbar, sagt Spika, daß man den Leuten nach wie vor das Impfen einimpfen müsse. Denn die Geschichte des Impfens sei eine Erfolgsgeschichte. Ende des 18.Jahrhunderts hat der englische Landarzt Edward Jenner einen Jungen gegen die verheerende Pockenkrankheit immunisiert, indem er ihn mit den weniger gefährlichen Kuhpocken infizierte, was zur Bildung von Antikörpern führte.

Als Ende des 19.Jahrhunderts Forschern wie Louis Pasteur oder Robert Koch der Nachweis der Existenz bakterieller Krankheitserreger gelang, wurden systematisch Impfstoffe entwickelt. Daß durch Impfungen immer wieder Schäden verursacht worden sind, ist in der Forschung genauso unbestritten wie die Tatsache, daß nicht nur die Einführung von Impfstoffen zum Rückgang von Infektionskrankheiten geführt hat. Auch verbesserte Hygiene und Ernährung hätten einen Anteil daran.

„Der Nutzen von Schutzimpfungen ist belegt“

„Gleichwohl“, so Ulrich Heininger, Professor am Universitäts-Kinderspital beider Basel, „ist der herausragende Nutzen von Schutzimpfungen eindrucksvoll belegt.“ So war nach Angaben des Robert Koch-Instituts nach der Einführung des Impfstoffes gegen das Stäbchenbakterium Haemophilus-Influenzae Typ B ein Rückgang der Infektionen um 96 Prozent zu verzeichnen. Europa gilt mittlerweile als pocken- und poliofrei. Auch das ist ein Verdienst von Schutzimpfungen.

Doch gab es in der Vergangenheit aus den unterschiedlichsten Gründen immer wieder Kritik an Impfprogrammen. In Nigeria gab es laut Leidel einen massiven Einbruch der Durchimpfungsraten gegen die Poliomyelitis (Kinderlähmung), weil man glaubte, die Amerikaner trachteten danach, durch Impfprogramme muslimische Frauen unfruchtbar zu machen. Einer der bekanntesten deutschen Mediziner, der sich gegen das Impfen wendet, ist Gerhard Buchwald, dessen umstrittene Kritik in der Behauptung mündet, daß Impfen nicht gesund, sondern im Gegenteil krank mache und aus ökonomischen Gründen durch eine „große Koalition aus Gesundheitsbehörden, Ärzten und der Pharmaindustrie“ propagiert werde.

Fundamentale Impfkritiker bilden allerdings nur eine Minderheit in der Bevölkerung. Weit größer ist die Gruppe von Impfskeptikern: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts umfaßt sie etwa acht Millionen Deutsche. Sie glauben etwa, Infektionskrankheiten müßten durchgemacht werden, um das Immunsystem zu stärken. „Das ist ein Irrglaube“, sagt Leidel. Gerade Masern, mit denen manche Eltern ihre Kinder bei „Masernpartys“ in ansteckende Berührung brächten, könnten - wie zur Zeit in Nordrhein-Westfalen - zu schwerer Gehirnentzündung mit möglicher Todesfolge führen. Vor allem die Ärzte müßten dafür das Bewußtsein schärfen, sagt Leidel. „Jeder Mensch geht einmal im Jahr zum Arzt, das ist die ideale Gelegenheit, um ihn auf Lücken in seinem Impfschutz aufmerksam zu machen.“ Denn was ein Arzt sage, glaubten die Menschen zumeist.

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