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Mani-Pedi, einmal Infektion : Viele Nagelstudios nehmen es mit der Hygiene nicht so genau

Nagelstudiomitarbeiter arbeiten oft unter schlechten und ungesunden Bedingungen. Bild: dpa

In vielen Nagelstudios herrschen Bedingungen, bei denen einem schlecht wird. Während es für jede Bar Hygienerichtlinien gibt, schaut in den Studios, wo am Menschen gearbeitet wird, oft niemand nach. Für die Kunden wird der Besuch zum Risiko.

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          Wer bei Zoi Apazoglou in die Schränke schaut, hat den Eindruck, dass man es hier mit der Sauberkeit ganz besonders ernst nimmt. Neben den Nagelfeilen stapeln sich die Zelletten-Pads; „die aus Watte würden fusseln“, erklärt Apazoglou. Im Hintergrund schnaubt der Ultraschallreiniger. Pft, pft, pft. Jetzt, weit nach 21 Uhr, ist er voll beladen mit Werkzeugen. Nach 15 Minuten soll alles desinfiziert sein. Apazoglou lässt das Gerät trotzdem öfter am Tag eine halbe Stunde lang laufen: „Sicher ist sicher.“ Die Handtücher kommen nach einmaliger Verwendung in die Wäsche, „damit niemand in Versuchung kommt, ein benutztes noch mal zu verwenden“.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alles überraschend steril, zumindest für ein Nagelstudio. Apazoglou, Geschäftsführerin von „Pro-Feiler“ im Frankfurter Westend, ist, wenn es um selbstgesetzte Hygienerichtlinien geht, eine seltene Ausnahme in der Branche. Ach ja, die Nageldesignerin hortet hier auch so viele Feilen, weil sie für jeden Kunden eine neue verwendet.

          Besser zweimal hinschauen

          Eigentlich müsste der gesunde Menschenverstand jemandem, der ein Nagelstudio betritt, Ähnliches mitteilen wie jemandem, der, sagen wir, zum Friseur geht: Besser schaut man zweimal hin, ob da zum Beispiel noch Haare von früheren Kunden liegen. Und gegebenenfalls geht man gar nicht erst rein. Dabei ist das Infektionsrisiko beim Friseur sehr viel geringer als in einem Nagelstudio; dass dort vom Fräsen der Nägel des Vorgängers Partikel zurückbleiben, dass die Schalen, in denen die Nagelhaut aufgeweicht wird, schmierig sind, dass ein beißender Geruch auf minderwertige Lösungsmittel hinweist, all das ist gang und gäbe. Trotzdem lässt sich das gut ausblenden. Vielleicht, weil die Nägel anschließend so hübsch glänzen, weil nach einer Pediküre gleich der ganze Fuß schöner aussieht, weil man über das bisschen Dreck am Arbeitsplatz des Nageldesigners hinwegschauen kann, wenn man für unter 20 Euro inklusive Trinkgeld rauskommt.

          In den Vereinigten Staaten, so deckte die „New York Times“ im vergangenen Jahr auf, arbeiten die Mitarbeiter in diesen Studios, für gewöhnlich Asiaten, unter Bedingungen, bei denen einem schlecht wird –  oft für zunächst gar keinen und dann geringen Lohn, mit gefälschten Lizenzen und unter Androhung von Strafen. Es ist ein einsamer Job, obwohl die Mitarbeiter ironischerweise den ganzen Tag die Hände ihrer Kunden halten.

          Ungesunder Nagelstudiobesuch

          Aber auch für die Kunden kann es oft ungesund sein. Das ist auch hierzulande ein Problem, umso tragischer, da es für gepflegte Nägel – für viele Frauen längst eine Art Visitenkarte – heute an jeder Ecke ein Studio gibt. In den achtziger Jahren ging es in Amerika los, in den Neunzigern auch bei uns. Wie viele Studios es mittlerweile bundesweit gibt, ist kaum zu errechnen, so zersplittert ist die Branche. Nach Schätzungen sind es 40 000 bis 60 000, und es werden mehr. Waren es zum Beispiel in Berlin der IHK zufolge im Jahr 2010 821, stieg die Zahl 2014 auf 844 und im vergangenen Jahr auf 888.

          Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich in manchen Vierteln Laden an Laden reiht, „35 Euro für eine Modellage“, steht in einem Fenster, „55 Euro für Mani- und Pediküre“ im nächsten. Selbst wenn man in bevölkerungsärmeren Gegenden unterwegs ist, zum Beispiel in Ostfriesland, wo es in jedem Dorf ein paar Bauernhäuser gibt und am Ortsrand vielleicht eine Neubausiedlung, findet sich neben Döner-Bude und Supermarkt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein Nagelstudio. 236 sind es laut Angaben der IHK für Ostfriesland und Papenburg. Allein diese Dichte zeigt schon: Dass man sich die Nägel machen lässt, ist unabhängig von Wohnort, Einkommen oder Bildungsniveau. Nur die genaue Art der Anwendung variiert.

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