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Gesunder Lebensstil auf Rezept : Manchen bringt Sport gar nichts

  • -Aktualisiert am

Lassen sich durch gesunde Ernährung und Sport viele Krankheiten in den Griff kriegen? Bild: dpa

Gesund essen, Sport machen: Das gilt nicht mehr nur als Lifestyle, sondern wird auch immer häufiger als Therapie eingesetzt. Ob das wirklich Wunder wirkt und gesünder macht, ist noch umstritten.

          Weniger Kohlenhydrate essen und für den Anfang dreißig Minuten Walken in der Woche. So ein Satz steht längst nicht mehr nur in Ratgeberartikeln, sondern inzwischen auch auf Rezepten von Medizinern. Lebensstiländerung heißt so etwas und ist der Versuch von Ärzten, ihre Patienten zu gesünderem Essen und mehr Sport zu bewegen. Bei Diabetes und verkalkten Arterien empfehlen sie es routiniert. Längst soll es aber auch bei Unerwartetem helfen: bei Depressionen zum Beispiel und Demenz.

          Könnten wir also die Zivilisationskrankheiten, die die globale Gesundheitswirtschaft reich, Patienten und Krankenkassen aber arm machen, in den Griff bekommen, wenn der Mensch, dieses Faultier, nur ordentlich mitmachte?

          Wer diese Frage beantworten will, gerät zwischen die Fronten. Da sind Präventionsmediziner und Ernährungsspezialisten, die sagen: Ja klar ginge das, aber uns hat jahrelang keiner zugehört, und noch immer tun es zu wenige. Und da sind Skeptiker und Medizinethiker, die meinen: Bewiesen ist das alles nicht, und wer gibt uns dann eigentlich das Recht, Menschen mit Salat und Kniebeugen zu quälen?

          Der Verzicht auf Schokokekse kann Folter sein

          Die Sache eskaliert also schnell auf das Level des Grundsätzlichen – gut so: Schließlich hantieren Ärzte bei dem Thema mit einer der intimsten Fragen überhaupt, mit der nämlich, wie jemand leben sollte. Es ist zwar unbestritten, dass wir uns Gutes tun, wenn wir Sport machen und gesund essen. Wäre beides so einfach wie Kaugummi kauen, würde niemand darüber diskutieren, ob es okay ist, sinnvoll oder nicht am besten Pflicht sein sollte. Aber es ist mit Aufwand verbunden, je nach Typ Mensch mit einem ganz erheblichen. Statt Sport zu machen, liegen viele von uns eben doch lieber herum, und der Verzicht auf Schokokekse kann Folter sein. Deswegen ist die Frage, ob Bewegung und Ernährung eine Therapie sein sollten, einfacher, als sie aussieht. Und wer hinter das Wellness-Spalier aus Fertigsmoothies und Fitnessstudio-Verträgen vordringt, in die medizinisch dornige Zone, der muss einfachen Wahrheiten wenigstens ein paar Abers spendieren.

          Einer aus dieser komplizierten Welt ist Hans-Ulrich Häring, Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetes an der Universität in Tübingen. Er weiß, dass das, was er in den vergangenen Jahren herausgefunden hat, ziemlich heikel ist – dass es gar das Potential zu einem gesundheitspolitischen Desaster hat.

          Vielen Probanden hilft eine Ernährungsumstellung

          Häring und seine Kollegen, so beschreibt er es selbst, „sammeln seit 20 Jahren Menschen, die ein statistisch erhöhtes Risiko haben, an Diabetes zu erkranken“. Dazu zählen Übergewichtige, familiär Vorbelastete und Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes. 4000 dieser Menschen hat Häring zusammen – manche davon haben inzwischen Diabetes, manche nicht. Er fragt sich: Was unterscheidet die einen von den anderen? Und hilft es ihnen, anders zu essen und sich mehr zu bewegen?

          Dazu beobachten Häring und seine Kollegen vom Deutschen Zentrum für Diabetes die 4000 kontinuierlich, zuletzt gab es aus seinem Haus zwei wichtige Studien. Ergebnis: Der Mehrheit der Probanden, zwischen 50 und 70 Prozent, hilft es, wenn sie sich an Ernährungs- und Bewegungsregeln halten. Ihr Blutzuckerspiegel sinkt, es geht ihnen besser, sie brauchen weniger Medikamente, die, die noch keinen Diabetes haben, bekommen ihn auch nicht. Die restlichen mindestens 30 Prozent, sagt Häring, sind gleich doppelt ein Problem: Sie reagieren so gut wie gar nicht auf Lebensstiländerung – gehören aber gleichzeitig zu denjenigen, die das höchste Risiko haben für einen Diabetes. Das Interessante ist: Einige von ihnen sind nicht dick. 20 Prozent der Schlanken unter den 4000 gehören zu dieser Hochrisiko-Gruppe. Gleichzeitig zählt ein Viertel derjenigen, die tatsächlich übergewichtig sind, nicht dazu – sie haben überhaupt keines der Stoffwechselprobleme, von denen man vermuten würde, dass sie sie haben.

          Manche Kollegen von Häring wenden zwar ein, dass man diese Menschen nur lange genug beobachten müsse, dann würden sie schon Probleme kriegen. Dennoch ist die Erkenntnis natürlich ein Ding, weil sie ein paar sicher geglaubte Kausalitäten durcheinanderwirft: Wer dick ist, wird eher krank. Wer schlank ist, wird es nicht. „Auch die Normalgewichtigen sollten sich nicht überheblich sonnen in ihrer Normalgewichtigkeit“, sagt Häring. „Und nicht alle Menschen können gleich erfolgreich selbst etwas gegen Diabetes tun.“

          Kein Recht, einem Patienten sein Leben vorzuschreiben

          Für Ärzte ist das eine Argumentationssackgasse: Warum sollten Menschen mit Diabetes Sport machen und gesund essen, wenn es einem gar nicht so unerheblichen Teil von ihnen nichts nützt? Denn alles in allem sagen die Studien: Diät und Sport funktionieren zwar immerhin bei zwei Dritteln aller Probanden gut. Nur benötigt eines dieser Drittel die Behandlung gar nicht dringend – jedenfalls dann nicht, wenn man nur auf Diabetes schaut und alle anderen Faktoren wie Wohlbefinden, Kreislaufbeschwerden und Rückenschmerzen mal außer Acht lässt. Und bei einem weiteren Drittel bringt das alles gleich gar nichts. „Nach den Daten, die wir haben, habe ich kein Recht, zu einem Patienten zu sagen: Sie müssen sich jetzt unbedingt kasteien“, sagt Häring.

          Dennoch ist das für den Forscher kein Argument, um bei Diabetes auf Lebensstiländerung zu verzichten – schon deshalb, weil es dabei ja eben nicht nur allein um Diabetes geht, sondern auch um die Knochen, das Herz, die Laune. Häring ist nur dafür, genauer hinzusehen. Was hilft den Hochrisikotypen, bei denen gesundes Essen und Bewegung nichts nützen, die aber dringender als alle anderen Hilfe brauchen? Medikamente könnten es sein, bei manchen helfen mehr Sport und eine strengere Diät. Was ist es, was das Risiko für Diabetes erhöht, wenn es nicht allein das Körpergewicht ist?

          Häring hat erste Ideen: Eine ungünstige Verteilung von Fett im Körper scheint zum Beispiel eine Rolle zu spielen. Sein Ehrgeiz ist es, die Merkmale zu finden, Biomarker, im Blut zum Beispiel, mit denen Ärzte künftig schnell feststellen können: Gehört mein Patient zur Risikogruppe? Nützt es ihm was, wenn ich Sport und Diät verordne?

          Nicht alle Zusammenhänge sind bewiesen

          Peter Nawroth machen solche Ideen Angst. Er hat ein Buch geschrieben, „Die Gesundheitsdiktatur“ heißt es und warnt vor einem „Lebensstil, der nicht hält, was er verspricht“. Nawroth ist wie Häring Endokrinologe und Professor an der Universität in Heidelberg. Er macht viel Sport, er isst gesund, er würde nie jemandem davon abraten. Aber um beides allen Patienten als Therapie zu empfehlen, vor allem denjenigen, die sich quälen müssten, fehlen ihm die Beweise, dass das was nützt. „Fast alles, was es auf diesem Gebiet gibt, sind Beobachtungsstudien“, sagt Nawroth. Heißt: Nichts davon, egal ob es ums Reduzieren von Kohlenhydraten geht oder um Sport, dürfe in seiner Wirkung auf die Gesundheit als wissenschaftlich evident gelten.

          Man muss das ein bisschen auseinanderklamüsern. Tatsächlich basieren viele Erkenntnisse der Ernährungs- und Sportmedizin auf Beobachtungen. So gibt es unzählige Studien, die belegen, dass Vegetarier seltener übergewichtig sind und weniger häufig erhöhten Blutdruck haben – einige der Studien, auf deren Basis zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung inzwischen nicht mehr von einer „fleischlosen Dauerkost“ abrät, sind von diesem Format. Die positiven Effekte in solchen Beobachtungsstudien können aber allerlei Ursachen haben: Sie können zum Beispiel daher kommen, dass Menschen mit einer bewussten Ernährung auch andere Sachen bewusst machen – Sport zum Beispiel, ausreichend schlafen, so was.

          Studien wie die von Nawroths Tübinger Kollegen Häring sind mehr als das – hier wird nicht nur ein Zusammenhang beobachtet, sondern ausprobiert, was unter bestimmten Voraussetzungen mit den Menschen passiert. Solche sogenannten Interventionsstudien sind üblich bei Tests von Medikamenten, und es gibt sie auch immer häufiger, um Ernährungs- und Bewegungstherapien zu validieren.

          Lebensstiländerungen können Lebensqualität auch verschlechtern

          Buchautor Nawroth findet, dass das ja immerhin schon etwas sei – kritisiert aber auch diese Studien. „Da werden die falschen Parameter gemessen“, sagt er. „Getestet wird, ob jemand von einer Diät und Sport abnimmt, ob sein Blutzuckerspiegel fällt – aber nicht, ob dieser Mensch weniger Herzinfarkte hat, später stirbt oder zum Pflegefall wird.“ Ob ihm Verzicht und Quälerei, das meint Nawroth damit, über einen statistischen Effekt hinaus wirklich etwas nützen in seinem Leben.

          Nawroth selbst führt Studien an, die zeigen, dass zum Beispiel ältere Menschen ein geringes Sterberisiko haben, wenn sie leicht übergewichtig sind. Außerdem sei der Effekt von Lebensstiländerungen oft erstaunlich gering – und das ist besonders für die fatal, die sich zur wöchentlichen Joggingrunde zwingen müssen. „Eine Studie ergab, dass Lebensstiländerungen die Lebensqualität so stark beeinträchtigen können wie ein kleiner Schlaganfall“, sagt Nawroth.

          Er will all das nicht genauso dogmatisch ausgelegt wissen, wie er es der Gegenseite, den „Lebensstiljüngern“, unterstellt. Auch für Nawroth besteht kein Zweifel daran, dass man sich krank essen, dass starkes Übergewicht gefährlich sein kann. „Aber die Umkehr, dass sich Gesundheit durch gesundes Essen festigen lasse, ist nicht bewiesen“, sagt er. Die Hinwendung der Medizin zur Lebensstiländerung ist für ihn deshalb der Versuch einer Vergesundung des Menschen – statt sich auf das traditionelle und richtige Geschäft, nämlich die Behandlung von Krankheiten, zu beschränken.

          Mit dieser Fundamentalkritik ist Nawroth ziemlich allein, inzwischen jedenfalls. Vor zehn, zwanzig Jahren standen die „Freaks von der Lebensstiländerung“ auf dem Pausenhof der Medizin noch am Rand herum, während die mit den Geräteparks und teuren Medikamenten zu den Coolen zählten. Und bis heute gilt es immer noch häufig als heldenhafter, von der letzten erfolgreich bekämpften Lungenembolie erzählen zu können als davon, wie man wieder einen Patienten mit den warmen Worten nach Hause geschickt hat, zwei Drittel der bisher gefutterten Kalorien täten es doch auch.

          Aber: Bewegung und bewusstes Essen, meist übrigens mediterrane Kost, werden inzwischen gefühlt wöchentlich mit neuen Krankheiten in Verbindung gebracht. Bei immer mehr davon empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften sogar zuerst eine Lebensstiländerung und dann erst, vielleicht, Medikamente. Nach und nach geht es dabei auch um Leiden, an die sogar die Lebensstilanhänger lange nicht gedacht hätten.

          Sport und gesunde Ernährung können gegen Demenz helfen

          Demenz ist so ein Beispiel. Forscher aus Finnland und Schweden haben in einer großen Studie positive Effekte von Sport und gesunder Ernährung auf Menschen mit Demenzrisiko nachgewiesen. 1260 von ihnen wurden rekrutiert, die Hälfte bekam nur Ernährungsvorträge, die andere Hälfte zusätzlich ein Bewegungsprogramm, häufige Untersuchungen und kognitive Trainings am Computer. Nach zwei Jahren schnitt die letzte Gruppe in neuropsychologischen Tests um 25 Prozent besser ab als die erste. Ihre Gedanken sortieren konnten sie sogar um 83 Prozent besser, die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen war um 150 Prozent höher.

          So etwas wird wohlwollend registriert, ist aber immer noch vor allem ein Thema für Forscher und ethische Debatten. Denn: Die wichtigsten Daten stammen aus den vergangenen zehn Jahren, und sie haben sich noch nicht als neues Wissen durchgesetzt; Medikamente zu verschreiben ist weiter weniger aufwendig, und in der Ausbildung der Mediziner spielt die Präventivmedizin, wie man die Disziplin am ehesten nennen könnte, erst recht noch kaum eine Rolle. In Deutschland gibt es nur wenige Ärzte, die der Lebensstiländerung in ihrer täglichen Praxis viel Platz einräumen.

          Kleine Veränderungen können ausreichen

          Man kann sie aber finden. Matthias Riedl aus Hamburg ist so einer, Andreas Michalsen aus Berlin auch. Der eine berät Menschen bei der Ernährung, der andere bezieht auch Yoga und Meditation in seine Therapien mit ein. Beide sagen: Es gebe fast keine chronischen Erkrankungen mehr, bei denen Bewegung, Ernährung oder Stressreduktion als Therapie wissenschaftlich nicht wenigstens beginnend belegt seien. Ja, für vieles fehlten noch ausreichend valide Daten, aber alles, was es gebe, weise in dieselbe Richtung: in die, dass man mit Ernährung und Sport wirksamer helfen kann als mit Tabletten. Riedl und Michalsen sagen: Ja, so eine Therapie ist dann für alle Seiten anstrengender. Aber wenn man den parareligiösen Staub dogmatischer Botschaften von der Lebensstiländerung abklopfe, funktioniere es.

          In der Praxis von Riedl in Hamburg sieht das dann so aus: Wenn ein Patient zu ihm kommt, oft sind es Menschen mit Diabetes, Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Problemen, nimmt der Mediziner ihm erst einmal die Angst, dass sein Leben künftig furchtbar werden wird. „Wir belassen bei der Ernährung 80 Prozent so, wie es die Menschen bisher gewohnt sind“, sagt Riedl. Wenn man die restlichen 20 Prozent umstelle, reiche das – und man komme ohne Verbote aus. So könnte Kuchen vielleicht erlaubt sein, wenn das dem Patienten das Wichtigste ist, dafür muss dann vielleicht das Weißbrot weichen.

          Das funktioniert nach Riedls Worten viel besser als eine 100-Prozent-Diät und viel besser, als jede Woche einem neuen Ernährungstrend hinterherzulaufen. Auch in der Hamburger Praxis klappt das nicht bei allen Leuten, aber bei den meisten. 70 Prozent nehmen nach Auskunft des Ernährungsmediziners erfolgreich ab, fühlen sich fitter, ihre Werte werden besser. „Wir sehen, dass es den Patienten bessergeht“, sagt er und dass er wisse, dass das keine wissenschaftliche Aussage sei. „Aber wir arbeiten nun einmal in der Avantgarde.“

          Medizinhistoriker Wolfgang Eckart: „Die Lust am Leiden ist heute stärker“

          Herr Eckart, warum sind Diät und Sport in der Medizin auf einmal so ein Thema?

          Gesundheitliche Selbstführung ist massiv im Kommen, allerdings schon ein bisschen länger. Die Rückkehr zum autonomen Selbst lässt sich die vergangenen 20 Jahre gut zurückverfolgen.

          Wie genau?

          Eigentlich ist es sogar eine antike Diätethik. Die Frage, was ich esse und wie ich lebe, war in der Antike das zweite Standbein der Gesundheitsfürsorge – Medikamente und Chirurgie hatten damals ja auch nicht so viel zu bieten. Seitdem gab es kaum einen Arzt, der nicht neben seiner Therapie predigte: Mäßigt euch. In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es in Amerika dann noch ganz radikale Vorschläge unter dem Schlagwort „Weakness is a crime“. Schwäche ist in diesem Sinne ein Verbrechen, das wir der Gesellschaft als Individuum nicht zumuten sollten.

          Und daher kommt auch die aktuelle Bewegung?

          Sie hat zumindest denselben Appell: Tu was für dich selbst. So neu ist das alles also gar nicht; nur die vielen Interessenten, die sind neu. Weil sie das selbstgesteuerte Ich auf einmal ökonomisch sehr charmant machen, konnte es sich so verselbständigen.

          Früher musste man sich also zu einer Kneipp-Kur überwinden, und heute macht man es gerne?

          Ja, die Lust am Leiden für die Gesundheit ist heute sicher stärker ausgeprägt. Da gibt es aber noch einen anderen Aspekt: Der Bereich des persönlichen Verhaltens wird extrem moralisiert. Das nützt natürlich denen, die dann die richtigen Produkte für die von Schwäche befallenen Menschen anbieten – von Smoothies bis zu Adidas-Sportschuhen. Aber den Mechanismus bedienen Mediziner auch, wenn sie sagen: Wenn Sie so weitertrinken, -essen und -rauchen, sind Ihre Herzkranzgefäße bald hinüber.

          Aber könnte man nicht auch positiv sagen, der Patient bekommt vom Arzt die Möglichkeit, seine Gesundheit wieder selbst in die Hand zu nehmen?

          Das klammert alles aus, was wir sonst noch über Krankheitsentstehung wissen, den Teil der genetischen Determination zum Beispiel. Manche Menschen können sich noch so toll verhalten, sie bekommen trotzdem Prostatakrebs oder Brustkrebs. Hinzu kommt: Das sind alles Phänomene, die man vor allem in der Mittel- und Oberschicht antrifft – Lifestyle zu pflegen ist teuer.

          Aber eine Abkehr von diesem Gesundheits-Megatrend ist trotzdem nicht in Sicht.

          Es ist schon ein globaler Trend, zumindest einer der reichen Länder. Da gibt es im Moment aber zwei Bewegungen, die auseinandergehen. Auf der einen Seite ist das eben diese selbstverantwortete Lifestyle-Bewegung – was ja bei vielen Krankheiten auch Sinn macht. Und auf der anderen Seite ist da der Trend zu einer immer teureren und aufwendigeren Medizin. Zum Beispiel in der Krebstherapie – da geht man ganz weg von Leitlinien und guckt sich den individuellen Menschen an, bis hin zu seiner genetischen Determination, und designt die Therapie danach.

          Professor Wolfgang Eckhart leitet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg.

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