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In Zimbabwe Tausende infiziert : Malaria wegen Corona auf dem Vormarsch

  • -Aktualisiert am

Malariamittel: In Zimbabwe ist Malaria wieder auf dem Vormasch Bild: AP

Während alle Welt auf das Coronavirus blickt, breitet sich im südlichen Afrika die Malaria tropica aus. Das liegt auch an den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

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          Mehr als 130 Tote und 135.000 Infizierte allein in den vergangenen Wochen – während die Welt mit Covid-19 beschäftigt ist, wütet in Zimbabwe nahezu unbemerkt die Malaria tropica. Über 200 verschiedene Ausbrüche registrierte das Gesundheitsministerium des verarmten Staats im südlichen Afrika bislang – am stärksten betroffen sind die Provinzen Manicaland, Masvingo und Mashonaland. Zehn Prozent derjenigen, die unter dem Sumpffieber leiden, sind jünger als fünf Jahre alt.

          Die Dunkelziffer dürfte sehr viel höher liegen. Wegen des bisweilen brutal von Polizei und Militär durchgesetzten Corona-Lockdowns wagen sich viele Menschen nicht mehr auf die Straße. Aus Angst, sich mit dem neuen Coronavirus anzustecken, meiden viele Zimbabwer ohnehin die schlecht ausgestatteten Gesundheitsstationen des Landes. Längst hat die Panik auch Zimbabwe erfasst. Dabei gehört das 15-Millionen-Einwohner-Land mit laut Johns-Hopkins-Universität 29 Covid-19-Fällen und vier Toten zu den am wenigsten von Sars-CoV-2 betroffenen Staaten. Ein Grund könnte das jugendliche Alter von Zimbabwes Gesellschaft sein: Es liegt bei durchschnittlich 18,7 Jahren.

          Zwei Drittel alles Todesopfer sind Kinder unter fünf Jahren

          Für Zimbabwe ist die aktuelle Malariaepidemie ein herber Rückschlag. In den Monaten Februar, März und April, wenn im ehemaligen Rhodesien Regenzeit herrscht, sind Malariaausbrüche keine Seltenheit. Dennoch war es zwischen 2003 und 2013 gelungen, die jährliche Zahl an Infektionen von 155 pro tausend Einwohner auf 22 zu senken. Übertragen wird der Parasit Plasmodium falciparum von weiblichen Anophelesmücken. Auf der ganzen Welt werden 93 Prozent aller Malariainfektionen und 94 Prozent aller -toten in Subsaharaafrika registriert. Zwei Drittel aller Todesopfer sind Kinder jünger als fünf Jahre.

          Das Malariasterben von Zimbabwe könnte nur ein Vorbote dessen sein, was dem Kontinent bevorsteht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die geschätzte Zahl der Malariatoten in Subsahara-Afrika 2020 bis auf 769.000 ansteigen und sich im Vergleich zu 2018 verdoppeln. Damit wäre man auf das „Mortalitätsniveau von vor 20 Jahren“ zurückgeworfen. Als Grund für den zu erwartenden Anstieg nennt die WHO die Tatsache, dass derzeit sehr viel weniger mit Insektiziden behandelte Moskitonetze verteilt werden könnten. Seit 2000 wurden in Afrika rund zwei Milliarden solcher Netze verteilt, schätzt Fredros Okumu, wissenschaftlicher Direktor des tansanischen Ifakara Health Institute. In Ländern wie Nigeria sank dadurch die Zahl der Malariatoten von rund 150.000 im Jahr 2010 auf 95.000 im Jahr 2018.

          Mit solchen Erfolgen könnte es nun vorbei sein, befürchtet Okumu. Zuletzt sei auch die Behandlung mit Medikamenten, die auf dem Pflanzenstoff Artemisinin basieren, sehr erfolgreich gewesen. Vier Millionen Dosen seien schon ausgeliefert und dadurch 850.000 Leben gerettet worden. Der Malariaexperte sorgt sich nun, dass kaum noch Medikamente geliefert werden können. Außerdem sei zu befürchten, dass dringend für den Kampf gegen Malaria benötigte Mittel abgezweigt und Gelder dadurch fehlen würden. Es wäre nicht das erste Mal, so Okumu: „Während des Ebolaausbruchs in Westafrika haben wir festgestellt, dass zur gleichen Zeit sehr viel mehr Menschen an Krankheiten wie Malaria, HIV und Tuberkulose gestorben sind.“

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