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Kritik an Banlieue-Besuch : Macrons Bad in der Menge

Der französische Präsident Emmanuel Macron applaudiert Bewohnern der Pariser Vorstadt Pantin. Bild: Reuters

Abstandsregeln lassen sich in den französischen Banlieues kaum durchsetzen. Das erlebte auch Emmanuel Macron beim Besuch der Pariser Vorstadt Pantin.

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          Ganz Frankreich muss sich drastischen Ausgangsbeschränkungen unterwerfen, nur der Präsident tourt weiter durch das Land. Nach einem Überraschungsbesuch in der Banlieue steht Emmanuel Macron am Mittwoch im Kreuzfeuer der Kritik. Der einzige zu diesem Termin zugelassene Fernsehsender BFM-TV filmte den Staatschef, wie er von herbeigeeilten Bewohnern in der Vorstadt Pantin umringt wurde und für Selfies in die Mobiltelefone lachte. Pantin liegt im nordöstlich der Hauptstadt gelegenen Département Seine-Saint-Denis, in dem die Todesrate in der letzten Märzwoche um 63 Prozent angestiegen ist. Die Abstandsregeln wurden bei Macrons „Bad in der Menge“ nicht respektiert. Die Leibwächter des Präsidenten, die keine Schutzmasken trugen, hatten alle Mühe, die Leute zurückzudrängen.

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          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Während versucht wird, verschärften Quarantäneregeln Respekt zu verschaffen, trägt der Präsident unfreiwillig zu einem Menschenauflauf bei“, kritisierte der Vorsitzende der bürgerlich-liberalen Partei UDI, Jean-Christophe Lagarde, dessen Wahlkreis im Département Seine-Saint-Denis liegt. Eric Ciotti von der rechtsbürgerlichen Oppositionspartei Les Républicains (LR) wurde noch deutlicher: „Das schlechteste Beispiel kommt von oben und macht alle Appelle an das Verantwortungsbewusstsein kaputt.“ Marine Le Pen vom Rassemblement National (RN) äußerte sich „konsterniert“: „In Pantin herrscht absolut kein Respekt für die soziale Distanzierung und die Ausgangssperre, und das vor dem Präsidenten der Republik.“

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