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Gefahr einer Lungenentzündung : Bloß nicht unterschätzen!

„Sie leiden an einer bakteriellen Lungenentzündung“, das wird der Mediziner vermutlich beim Blick auf dieses Röntgenbild sagen. Bild: mauritius images

Gerade jetzt, wenn es langsam wärmer wird, trifft es viele Menschen: Wer eine Erkältung oder die Grippe nicht richtig auskuriert, dem droht eine Lungenentzündung. Was aber passiert dabei eigentlich genau?

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          Der schlimmste Teil der Grippewelle scheint überstanden, heißt es von Seiten der Experten. Zum dritten Mal in Folge gab es in dieser Woche weniger Grippekranke als noch in der Woche zuvor. In einigen Ecken dieses Landes ist die Virenaktivität zwar immer noch stark erhöht. Aber so langsam bekommt die Deutschlandkarte des Robert Koch-Instituts, die wöchentlich anzeigt, wie viele Viren unterwegs sind, wieder gelbe und grüne Flecken, die eine Abnahme der Erkrankungen anzeigen, und glüht nicht mehr nur in bedrohlichem Rot.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch so mancher, der sich das Grippevirus oder einen anderen Erkältungskeim in den vergangenen Wochen eingefangen hat, leidet noch immer unter den Folgen. Nicht nur ein hartnäckiger Husten, zum Teil in Form einer Bronchitis und begleitet von quälender Schlappheit, hält bei vielen Menschen noch einige Zeit an, obwohl das Virus selbst schon erfolgreich im Körper bekämpft worden ist. Sondern auch die Zahl derjenigen, die infolge der Grippe oder eines grippalen Infekts an einer Lungenentzündung leiden, ist im Moment besonders hoch – und dies ist das eigentlich Bedrohliche.

          6-10% sterben an Pneumonie

          Mediziner unterscheiden bei der Lungenentzündung, der Pneumonie, zwischen einer, die ein Patient ambulant erwirbt, und einer nosokomialen, die während der Behandlung im Krankenhaus entsteht und häufig Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen trifft, beatmete Patienten oder welche, die auf der Intensivstation liegen. Eine ambulante Pneumonie hingegen kann jeden treffen, und die meisten Menschen unterschätzen, wie oft sie vorkommt und wie schwer die Erkrankung sein kann.

          Lungenentzündungen sind die immer noch am häufigsten tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten in unseren Breiten. Weltweit sterben Schätzungen zufolge jährlich etwa drei bis vier Millionen Menschen daran. In Deutschland erkranken nach Schätzungen 400.000 bis 500.000 Menschen jährlich an einer ambulant erworbenen Pneumonie.

          Rund ein Drittel bis die Hälfte dieser Patienten muss stationär behandelt werden. Zwischen sechs und zehn Prozent versterben. Höheres Alter ist dabei ein entscheidender Risikofaktor. Manch ein Experte spricht angesichts dieser Zahlen sogar von einem Volksleiden und vermutet, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegt.

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          Lungenentzündungen können von Viren, Pilzen, chemischen Substanzen und Bakterien ausgelöst werden. Letztere sind bei ambulant erworbenen Pneumonien am häufigsten die Übeltäter – und zwar ganz besonders die sogenannten Pneumokokken. Sie werden per Tröpfcheninfektion, also beim Sprechen, Lachen und Niesen, übertragen. Zahlreiche Menschen sind Träger dieses Keims, ohne krank zu werden, ihr Immunsystem bekämpft ihn erfolgreich und hält ihn in Schach. Gefährlich werden diese Keime erst, wenn die körpereigene Abwehr, wie beispielsweise nach einer Grippe oder Erkältung, stark geschwächt oder mit der Abwehr anderer Erreger beschäftig ist.

          „Bei einer Pneumonie kommt es zu Entzündungen in den Lungenbläschen, die von den eingedrungenen Erregern hervorgerufen werden. Sie vermehren sich in den Bläschen besonders gut und schnell, wenn beispielsweise viel Schleim vorhanden ist, aus dem sie ihre Nährstoffe ziehen können, wie es bei einer vorangegangenen Erkrankung in der Lunge der Fall sein kann“, sagt Michael Barczok, Pneumologe aus Ulm. Das Lungengewebe sei sehr leicht durchlässig für diese Erreger, weshalb sie sich häufig über ganze Lungenlappen ausbreiteten.

          Luft gelangt über Mund, Rachen und Luftröhre in Bronchien

          Um zu verstehen, was bei einer Pneumonie in der Lunge los ist, muss man ihren Aufbau unter die Lupe nehmen. Die Lungenbläschen des Menschen sind eine beeindruckende Konstruktion. Atmet man ein, gelangt Luft über Mund, Rachen und Luftröhre in die Bronchien der Lunge. Diese Gänge verzweigen sich immer mehr und werden immer kleiner. Die kleinsten Verästelungen haben nur noch einen Durchmesser von weniger als einem Millimeter. Hat die Luft diese durchlaufen, gelangt sie in die Lungenbläschen. Rund drei bis vier Millionen (Männer besitzen etwas mehr als Frauen) haben wir davon in der Lunge. Immer einige von ihnen gruppieren sich traubenförmig um das Ende der dünnen Bronchien.

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