https://www.faz.net/-gum-8n44b

Luftverschmutzung : Delhis Verwaltungschef bezeichnet seine Stadt als Gaskammer

Die Sicht in Delhi beträgt unter 200 Metern wegen der Luftverschmutzung. Bild: AFP

Die Luftverschmutzung in der indischen Stadt Delhi ist so hoch, dass die Stadtregierung den Notstand ausgerufen hat. Drastische Maßnahmen sollen die Belastung verringern.

          2 Min.

          Die Luftverschmutzung in Indiens Hauptstadt hat einen Grad erreicht, der die Stadtregierung den Notstand ausrufen ließ. Baustellen in Delhi bleiben geschlossen, Kohlekraftwerke werden heruntergefahren, Schulkinder sitzen zuhause. Die Belastung der Luft in Delhi liegt beim fünfzehnfachen des in Indien noch als akzeptabel geltenden Wertes. Der Verwaltungschef Delhis, Arvind Kejriwal, bezeichnete seine Stadt als „Gaskammer“.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Regelmäßig im Herbst und Winter erreicht die Luftverschmutzung der indischen Hauptstadt stark gesundheitsgefährdende Werte. Seit dem Hindu-Lichterfest Diwali in der vergangenen Woche, bei dem traditionell Millionen von Feuerwerken abgebrannt werden, ist die Luftverschmutzung in Delhi immer weiter gestiegen. Am Wochenende lag sie bei mehr als 999 für die Dreckpartikel der Größe PM2,5. Sie gilt als die gefährlichste. Als noch sichere Belastungsgrenze betrachtet die indische Regierung eine Luftbelastung von 60 PM2,5. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt hingegen einen Wert von zehn. Die Sicht in der Millionenmetropole lag am Sonntag bei unter 200 Meter.

          Drastische Regeln gegen die Luftverschmutzung

          Seit Jahren warnen Ärzte vor zunehmenden Krankheitsrisiken aufgrund der Luftverschmutzung in Indiens Städten. Mittlerweile seien 20 Prozent aller Lungenkrebspatienten in Delhi Nichtraucher, gegenüber weniger als zehn Prozent vor zehn Jahren. In Indien liegen sechs der zehn Städte der Welt mit der schlimmsten Luftbelastung.

          Verwaltungschef Kejriwal erließ am Sonntag drastische Regeln: In den nächsten fünf Tagen ruhen die Baustellen, es dürfen auch keine Abrisse vorgenommen werden. Schulkinder haben zunächst drei Tage frei. Das Kohlekraftwerk Badarpur wird für zehn Tage stillgelegt, die zehntausende Dieselgeneratoren in der Stadt müssen für zehn Tage abgeschaltet werden. Damit wird die Stromversorgung für Kühlgeräte und Licht in vielen Häusern und Fabriken ausfallen. Planierraupen sollen die Feuer auf der riesigen Müllhalde Bhalsawa ersticken. Die Bauern in den angrenzenden Bundesstaaten Haryana und Punjab sollen das Verbrennen von Agrarabfällen und Ernterückständen sofort beenden. Dies aber ist ein Politikum: so rechnete der Umweltminister sogleich vor, dass das Verbrennen nur einen geringen Teil der Luftbelastung ausmache. Für die Bauern ist es billiger, Feuer zu entzünden, als für den Abtransport der Abfälle zu zahlen.

          Wohl noch am Montag will die Stadtregierung entscheiden, dass Automobile in Delhi entsprechend ihrer Nummernschilder nur noch an geraden oder ungeraden Tagen fahren dürfen. „Die Menschen sollen zuhause bleiben und von dort arbeiten“, sagte Kejriwal.

          Weitere Themen

          „Sie müssen zahlen!“

          Trump über Harry und Meghan : „Sie müssen zahlen!“

          Von London über Kanada nach Hollywood: Nach nur wenigen Monaten haben Harry und Meghan Kanada offenbar wieder verlassen und sind nach Kalifornien umgezogen. Das Willkommen des amerikanischen Präsidenten fällt allerdings eisig aus.

          „Enge macht mir nichts aus“

          Astronaut Gerhard Thiele : „Enge macht mir nichts aus“

          Der ehemalige Astronaut Gerhard Thiele war elf Tage lang im Space Shuttle unterwegs. Ein Gespräch über Kurzzeitmissionen, die Psychologie von Astronauten und eine notwendige Tagesstruktur.

          Wo immer Sie sind, singen Sie mit!

          Virtuelle Gottesdienste : Wo immer Sie sind, singen Sie mit!

          In der Krise suchen die Menschen Zuspruch, das Coronavirus verlangt nicht nur dem Körper viel ab. Da wird die Seelsorge der Kirchen mehr denn je gebraucht. Die digitale Technik bietet hier große Chancen.

          Topmeldungen

          Trump über Harry und Meghan : „Sie müssen zahlen!“

          Von London über Kanada nach Hollywood: Nach nur wenigen Monaten haben Harry und Meghan Kanada offenbar wieder verlassen und sind nach Kalifornien umgezogen. Das Willkommen des amerikanischen Präsidenten fällt allerdings eisig aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.