https://www.faz.net/-gum-8z4qv

Luftfilter : Einmal tief durchatmen

  • -Aktualisiert am

Eine hohe Feinstaubkonzentration kann unter anderem Asthma auslösen. Doch nicht nur von der Straße kommen die schädliche Partikel in die Wohnung. Bild: obs

Die Luft in Häusern ist oft gefährlicher für die Gesundheit als die Außenluft. Deshalb greifen immer mehr Menschen zu speziellen Filtern. Hilft das?

          6 Min.

          Draußen herrscht dicke Luft. Das wissen wir nicht erst seit der Abgasaffäre. Schon lange schwirren durch deutsche Städte zu viele Schadstoffe. Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub werden gerade jetzt an heißen Tagen regelmäßig überschritten. Industrieschornsteine pusten täglich tonnenweise Gift in die Luft. Wer jetzt denkt, die Flucht aufs Land, in die vermeintlich saubere Luft, hilft, der wird enttäuscht. Nach aktuellen Studien ist sie meist nicht viel besser. Rein in die schützenden vier Wände also, werden andere denken. Türen und Fenster schließen und tief durchatmen. So einfach ist es aber leider auch nicht. In der Wohnung steht es nämlich noch schlechter um die Luft. Bis zu fünfmal stärker als Außenluft sei sie belastet, sagen Experten.

          Belastet? Das klingt nach verschmutzt, vergiftet, krankmachend. Doch zunächst heißt das erst mal nur, dass viel mehr Partikel durch Küche und Büro schweben als durch den heimischen Garten. Das liegt daran, dass sich diese Stoffe draußen schneller verflüchtigen; in Räumen aber stauen sie sich an, legen sich auf Möbel und Bettlaken. Zudem verbringen wir die meiste Zeit im Inneren, genau genommen 80 bis 90 Prozent – auch im Sommer. In Räumen wird geschlafen, gekocht, geduscht, dadurch entstehen immer wieder neue Partikel. Heraus kommt eine wilde Mischung aus verschiedensten Stoffen, die wir tagtäglich einatmen.

          Schimmelsporen sind anfangs harmlos. Wenn sie sich aber in den Wänden vermehren, wird die Konzentration in der Luft schädlich.

          Schimmelsporen erst harmlos

          Dazu gehören Pollen. Sie heften sich an Kleider und Haare oder fliegen durch geöffnete Fenster herein. Inzwischen sorgen sie beinahe ganzjährig für schniefende Nasen und tränende Augen. Aber auch Schimmelpilzsporen schweben durch die Wohnung. Unbemerkt gelangen bei jedem Atemzug eine bis zehn von ihnen in unsere Körper, wie Forscher der Universität Mainz herausfanden. Trotz ihres schlechten Rufs sind sie meist harmlos. Erst wenn sie sich an Wänden oder Möbeln vermehren und ihre Konzentration in der Luft steigt, kann es sein, dass der Körper auf sie reagiert.

          Durch offene Fenster gelangt auch Feinstaub ins Innere, die kleinen Partikel sind gefährlicher für die Gesundheit. Und tatsächlich befindet sich in Wohnzimmer oder Küche oft mehr davon als draußen auf der Straße. Denn nicht nur Laserdrucker oder Kopierer blasen die winzigen Teilchen in die Luft, sondern ebenso Kerzen, Öllampen und Zigaretten. Auch beim Kochen und Braten wird Feinstaub freigesetzt. Die größten Partikel haben einen Durchmesser von 10 Mikrometern, ein Zehntel von einem menschlichen Haar. Weil sie so klein sind, können sie tief in die Atemwege und sogar bis ins Blut oder Organe vordringen. Das kann die Lunge reizen, Asthma auslösen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

          Renovierung kann krank machen

          Andere Partikel holen wir uns durch Schränke, Polster oder Böden ins Haus. „Das Ganze kann man sich wie ein Abbild der Einrichtung vorstellen“, sagt Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. Alle Gegenstände geben Partikel in die Luft ab: Sisalteppiche etwa Sisalfasern, Holzwände Holzabrieb und Baumwollbezüge Wollfasern. Diese lagern sich im Hausstaub ab, sind aber ungefährlich.

          Weitere Themen

          Klärwerke im Nanoformat

          Effiziente Wasserreinigung : Klärwerke im Nanoformat

          Der Zugang zu sauberem Wasser ist in vielen Regionen nicht selbstverständlich. Abhilfe könnten magnetische Nanopartikeln schaffen. Unterschiedliche Schadstoffe lassen sich damit aus stark verschmutztem Wasser effizient entfernen.

          Anti-Diesel-Politik ohne Nutzen

          Fahrverbote in Rom : Anti-Diesel-Politik ohne Nutzen

          Während in Deutschland noch gestritten wird, macht die Bürgermeisterin von Rom Nägel mit Köpfen: Sie verhängt Fahrverbote für Diesel. Echte Umweltsünder dürfen dagegen weiter in die Stadt.

          Der Strand der Dinge

          Cy Twomblys Wahlheimat Gaeta : Der Strand der Dinge

          Der Jahrhundertkünstler Cy Twombly verbrachte die Hälfte des Jahres in einer Festung auf den Hügeln des italienischen Küstenorts Gaeta. Was ist das Geheimnis dieses Orts?

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.