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Luftfilter : Einmal tief durchatmen

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Ganz unterschiedlich, so die erste Erkenntnis. Luftwäscher arbeiten mit Wasser. Sie saugen die Raumluft ein, gröbere Partikel wie Pollen und Hausstaub bleiben im Inneren in einem Wasserbad hängen. Sie säubern die Luft und befeuchten sie gleichzeitig. Ionisatoren hingegen erzeugen negativ geladene Ionen und geben diese über ein Gebläse nach außen ab. Sie binden Staubpartikel, Pollen und Bakterien. Wie bei zwei statischen Folien, die aneinanderheften, kleben immer mehr Teilchen zusammen. Sie sinken ab und legen sich auf die Stäbe des Ionisators. Gleichzeitig entsteht Ozon, das Gerüche bindet. Dieses aber kann in hoher Konzentration schädlich für den menschlichen Körper sein, weshalb diese Reiniger umstritten sind. Luftreiniger kommen ohne diese Prozesse aus, sie setzten auf Filter. Zwar sind sie meist am teuersten – zwischen 250 und 500 Euro kosten sie – dafür aber auch am effizientesten. Die Luft strömt hier durch mehrere Filter, wie Aktivkohlefilter oder Glasfaserfilter, und wird so von störenden Partikeln befreit.

Bei Allergikern können Luftreiniger und -wäscher die Symptome tatsächlich lindern.

Reiniger werden zum Trendartikel

„Man kann schon von einem Trend sprechen“, sagt der Allergologe Ludger Klimek. „Es ist eine Art Lifestyle geworden.“ Tatsächlich haben sich die Reiniger verändert. Aus klobigen Kästen, die man am liebsten im hintersten Eck versteckt, sind Dekoartikel geworden mit modernem cleanen Design. Futuristisch kommen sie daher, metallicfarben mit leuchtenden Sensoren. Und wäre das nicht schon zeitgemäß genug, kann man die Geräte sogar per App steuern. Von unterwegs schnell die Luftqualität im Schlafzimmer prüfen, ist damit kein Problem.

Bestimmte Messgeräte können die in der Luft liegenden Schadstoffe messen.

In China gehören Luftreiniger längst zum Alltag. Wenn in Peking oder Schanghai die Häuser draußen im grauen Nebel verschwinden, bleiben viele Chinesen zu Hause, stellen ihre Luftfilter an und warten, bis der Smog sich verzogen hat. Schulen, Krankenhäuser und Firmen rüsteten nach. Die Hersteller der Luftreiniger sind die Gewinner der Luftverschmutzung in China. Jetzt drängen sie auch auf den deutschen Markt.

Problem wird nicht beseitigt

Nun sind China und Deutschland aber kaum vergleichbar. Hier müssen Schulkinder nicht unter Sauerstoffzelten Fußball spielen, es kauft niemand Dosen mit Frischluft aus den Rocky Mountains. Eine Ausgangssperre wegen Smog-Gefahr gab es bislang auch noch nicht. Wie sinnvoll sind diese Luftreiniger also wirklich für uns?

Zwei alte Tipps können helfen: viel Lüften und regelmäßig feucht durchwischen.

„Das kommt darauf an“, da sind sich Klimek und Moriske einig: Bei Allergien oder Atemwegserkrankungen können Luftreiniger oder -wäscher die Symptome lindern. Aber Betroffene sollten vor dem Kauf mit einem Arzt sprechen, um nicht das falsche Gerät zu wählen. Als bloßes Lifestyle-Produkt oder um sich etwas Gutes zu tun, seien sie ungeeignet, sagt Klimek. „Es stimmt, sie filtern im Schnitt 90 Prozent aller Partikel aus der Luft, aber diese Stoffe machen in der Regel auch keine Probleme.“ Experte Moriske vom Umweltbundesamt rät vor allem von Geräten ab, die Schadstoffe durch eine Reaktion mit Ozon abbauen wollen. „Bei dessen Abbau kann Formaldehyd entstehen, ein gefährlicher Schadstoff, den wohl niemand in der Wohnung haben will.“

Und er hat noch einen anderen Ratschlag: Wer sich in den eigenen vier Wänden krank fühlt oder einen beißenden Geruch wahrnimmt, der sollte die Innenraumluft messen lassen. Denn Luftreiniger mögen zwar schädliche Stoffe aus der Luft filtern, die Ursache beseitigen können sie nicht. Für alle anderen gilt die alte Hausfrauenweisheit: Lüften, lüften, lüften. Auch dann, wenn man an einer Hauptverkehrsstraße wohnt. „Zweimal am Tag sollte man die Fenster für fünf bis zehn Minuten öffnen“, sagt Moriske. Und dazu regelmäßig feucht durchwischen. Zwei einfache, preiswerte Mittel, um wieder beruhigt durchzuatmen.

„Ein möglicher Auslöser von Asthma“

Herr Lorenz, woher kommt Schimmel in Innenräumen?

Wohnungsschimmel besteht strenggenommen nicht nur aus Pilzen, sondern auch aus Bakterien. Da Wohnräume nie steril sind, befinden sich überall Sporen und Keime. Schimmel wächst dort, wo es feucht und warm ist und ein geeigneter Nährboden vorhanden ist, wie Staub, Tapete, Putz oder Holz.

Wie reagiert der Körper auf Schimmel?

Die meisten denken, dass es die Sporen sind, die krank machen. In Wahrheit spielen die Stoffwechselprodukte der Pilze aber eine viel größere Rolle. Wenn der Pilz wächst, gibt er feinste Partikel in die Luft ab, vor allem tote Bakterien- oder Pilzzellen. Gelangen diese in den Körper, registriert sie das Immunsystem als fremd und reagiert auf sie. Besonders die Atemwege werden dadurch gereizt.

Wie gefährlich ist Schimmel für die Gesundheit?

Atmet man die Partikel über einen längeren Zeitraum ein, können Entzündungen entstehen. Häufig kommt es zu Nasen-Nebenhöhlen-Entzündungen oder einer chronischen Bronchitis. In manchen Fällen treten auch Gelenkschmerzen auf. Dann gibt es Menschen, die allergisch auf Schimmel sind. Hier reichen schon geringe Mengen aus, um eine Reaktion auszulösen: Die Haut beginnt zu jucken, oder es bilden sich rote Flecken. Asthmatiker bekommen bei Schimmelbefall öfter Anfälle. Und Schimmel kann, nach neuen Studien, sogar der Auslöser von Asthma sein.

Können Schimmelpilze zu Infektionen führen, die schlimmstenfalls tödlich enden?

Es gibt Pilze, die in der Lunge wachsen und lebensgefährlich sind. Eine Infektion durch Wohnungsschimmel ist aber sehr selten. Infektionen werden von Pilzen ausgelöst, die es sehr warm mögen, etwa Körpertemperatur. An einer normalen Wohnungswand ist es um einiges kühler. Zudem treten solche Infektionen nur bei Menschen auf, deren Immunsystem stark geschwächt ist.

Verschwinden die Symptome nach Umzug oder Sanierung?

Bei den meisten Betroffenen klingen die Beschwerden ab, nachdem sie ausgezogen sind oder der Schimmelbefall beseitigt wurde. Allergien oder Asthma, das durch Schimmel ausgelöst wurde, verschwindet allerdings nicht mehr.

Wann sollte man einen Experten einschalten, wenn man Schimmel entdeckt hat?

Handelt es sich um einen kleinen Fleck, der nicht größer ist als eine Handfläche, kann man den Schimmel selbst entfernen. Dazu gibt es einen Leitfaden des Umweltbundesamts. Ist der Pilz aber größer oder kommt immer wieder, muss zuerst die Ursache beseitigt werden. Dann sollte man sich an einen Experten für Schimmelschäden wenden. Wichtig ist, dass der Pilz entfernt und nicht nur abgetötet wird.

Wie kann man Schimmelbildung vorbeugen?

Das oberste Gebot ist, die Wohnung trocken zu halten. Mit sogenannten Hygrometern kann man die Feuchtigkeit in der Wohnung messen. Elektronische Modelle funktionieren besser als mechanische, und es gibt sie bereits ab fünf Euro im Fachhandel. Im Winter sollte die relative Luftfeuchtigkeit 40 Prozent nicht überschreiten, im Sommer dürfen es auch mal 50 bis 60 Prozent sein. Ganz praktisch sollten alle Abdichtungen und Silikonfugen im Badezimmer regelmäßig überprüft und erneuert werden. Und auch Lüften hilft gegen Schimmelbefall: morgens nach dem Aufstehen zum Beispiel, aber vor allem nach dem Duschen oder Kochen. Bleiben die Wohnräume trocken, kann auch kein Schimmel wachsen.

Dr. Wolfgang Lorenz ist Vorsitzender des Bundesverbands Schimmelpilzsanierung (BSS).

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