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Luftfilter : Einmal tief durchatmen

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Doch die Einrichtung kann auch krank machen. Jeder kennt den beißenden Geruch von neuen Böden oder frisch gestrichenen Wänden. Er kommt von flüchtigen organischen Verbindungen, sogenannten VOCs. Fußböden, Wände, Farben, Lacke und sogar Dekoartikel dünsten diese Schadstoffe aus. Sie sind der Grund, weshalb man nach jeder Renovierung erst einmal gründlich durchlüften sollte, denn dann befinden sich besonders viele Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde oder organische Säuren in der Luft. Nach einigen Wochen sind sie meist wieder verschwunden. Was bleibt, sind schwerflüchtige Substanzen (SVOC); sie werden nur langsam an die Luft abgegeben und bleiben so meist über Jahre oder Jahrzehnte unbemerkt. Befinden sich zu viele flüchtige organische Verbindungen im Raum, kann man davon krank werden. Bewohner klagen über Kopfschmerzen, tränende Augen, Halsschmerzen oder Ausschläge.

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Luft zirkuliert in neuere Gebäuden weniger

Wenn sich Betroffene bei Heinz-Jörn Moriske melden, haben sie oft schon eine lange Leidensgeschichte und zahllose Arztbesuche hinter sich. Moriske arbeitet im Umweltbundesamt, dort ist er unter anderem Geschäftsführer der Kommission Innenraumlufthygiene. In den letzten Jahren wurde er mit Fragen zu Innenraumproblemen geradezu überhäuft. Dabei ging es immer wieder auch um Neubauten oder frisch renovierte Gebäude und nicht um Altbauten, bei denen man eher schädliche Baumaterialien oder Schimmel vermuten würde. Gibt es in modernen Häusern und Wohnungen mehr Schadstoffe?

„Nein“, sagt Moriske, „nicht mehr, aber andere.“ Holz- und Kohleöfen, die vor Jahrzehnten noch Kohlenmonoxid und Ruß in die Luft bliesen, gibt es nur noch vereinzelt. Giftige Baustoffe wie bestimmte Holzschutzmittel oder Asbest sind inzwischen verboten, sie befinden sich nur noch als Altlasten in Gebäuden. Aber ein anderes Problem sorgt in Neubauten für schlechte Luft: dreifachverglaste Fenster und luftdichte Gebäudehüllen. Zwar wird dadurch Energie gespart, aber die Luft kann nicht mehr zirkulieren. Pilze vermehren sich besonders gut, und Ausdünstungen von Gegenständen stauen sich. Deshalb greifen immer mehr Menschen dort zu Luftreinigern.

Auch wer an einer Hauptverkehrsstraße wohnt, sollte mindestens zweimal am Tag durchlüften.

Luftwäscher arbeiten anders als Luftreiniger

Fast jeder namhafte Elektronikhersteller hat heute einen Luftreiniger im Sortiment. Es sei die „Leidenschaft für saubere Luft“, die es auf den Filter brachte, schwärmt ein Unternehmen. Ein anderer Hersteller verspricht, 99,95 Prozent aller Partikel aus der Luft zu filtern: Pollen, Pilzsporen, Feinstaub, Bakterien und Gase. Sogar lästige Gerüche werde man damit los. Auch die Auswirkungen auf die Gesundheit werden nicht ausgespart: Ihr Luftreiniger könne „das Atmen erleichtern, das zentrale Nervensystem, den Stoffwechsel und den Blutdruck stabilisieren“, wirbt ein deutsches Unternehmen. Außerdem helfe er gegen Schlafstörungen, Stress und chronische Übermüdung. Wie schaffen das diese selbst ausgerufenen Wunderheiler?

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