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Lebenserwartung : Die Deutschen vergreisen

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Bild: dpa

Die heute geborenen Mädchen haben gute Chancen, das Jahr 2094 zu erleben: Die Lebenserwartung hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit dem Jahr 1871 mehr als verdoppelt.

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          Die durchschnittliche Lebenserwartung für Mädchen, geboren im Jahr 2004, beträgt 90,4 Jahre. Die Jungen, erfahrungsgemäß von der Natur im Hinblick auf die Lebenserwartung etwas benachteiligt, werden durchschnittlich 84,9 Jahre alt werden. Das Statistische Bundesamt teilte mit, daß sich damit seit 1871 die Lebenserwartung mehr als verdoppelt hat. Damals konnten Jungen mit einer Lebenserwartung von 39,1 Jahren und Mädchen mit lediglich 42,1 Jahren rechnen.

          Voraussetzung für die Berechnungen sei, daß keine Ereignisse wie beispielsweise Kriege und Umwelt- oder Wirtschaftskatastrophen aufträten, erläutern die Experten. Bislang hat das Statistische Bundesamt die durchschnittliche Lebenserwartung von Jungen auf 75,9 Jahre und von Mädchen auf 81,5 Jahre beziffert. Bei ihren neuen Berechnungen gehen die Statistiker davon aus, daß dank des medizinischen Fortschritts und besserer Ernährung die Menschen in Deutschland später sterben als bisher angenommen.

          Es gibt auch kritische Stimmen

          Den 65. Geburtstag erleben der optimistischen Rechnung zufolge 92 Prozent der 2004 geborenen Jungen und 96 Prozent der Mädchen. “Das Alter von 85 Jahren würden immer noch rund 62 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen erleben“, erläutern die Statistiker.

          Allerdings sei etwa der Trend zum Übergewicht besonders bei jungen Menschen ein Beispiel dafür, daß nicht alles für eine starke Erhöhung der Lebenserwartung spreche, erklärt Matthias Eisenmenger vom Bundesamt.

          Trotzdem rechnen private Rentenversicherungen mit einer deutlich höheren Lebenserwartung als das Statistische Bundesamt, nämlich mit 98,5 Jahren bei neugeborenen Jungen und 102,4 Jahren bei Mädchen. Das liege vor allem daran, daß die Versicherer deutlich mehr Gewicht auf den Trend der vergangenen zehn Jahre legten, in denen die Lebenserwartung noch deutlicher zulegte als im Trend seit 1970, erläutert Holger Bartel, Mathematiker beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

          Die Gesellschaft tut sich schwer

          Mit Perspektiven für die deutlich wachsende Zahl immer älterer Menschen tut sich die Gesellschaft schwer, sagt der wissenschaftliche Geschäftsführer des Dortmunder Instituts für Gerontologie, Eckart Schnabel. „Wir haben dafür keine Vorbilder“. Er warnt davor, die alternde Gesellschaft auf Kranke und Pflegefälle zu reduzieren: „Die meisten Alten leben noch in einer gewissen Unabhängigkeit.“

          Gerhard Reutter vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung stellt fest: „Die Betriebe haben den demographischen Faktor bisher noch kaum berücksichtigt.“ Ein jetzt ein oder zwei Jahre altes Mädchen kann nach einer neuen Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von bis zu 90,4 Jahren rechnen. Damit hätte diese Frau noch rund 25 Jahre vor sich, wenn sie mit 65 Jahren in den Ruhestand ginge.

          Bei einem Mann des Jahrgangs 2004 wären es noch fast 20 Jahre. „Was machen wir mit dem ganzen Potential? Auf diese Frage ist die Gesellschaft noch gar nicht vorbereitet“, stellt Schnabel fest. Derzeit arbeiteten von den Beschäftigten mit mittlerer Qualifikation im Alter von 55 bis 64 Jahren nur noch etwa 40 Prozent. Sie hätten künftig rein rechnerisch noch 30 oder 40 Jahre vor sich. „Eine unglaubliche Zeitspanne.“ „Es ist eine große Herausforderung für die Betriebe, die über 50jährigen viel stärker ins Boot zu holen“, sagt Reutter.

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