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Krebs : Maßgeschneiderte Therapie

  • -Aktualisiert am

Krebs ist nicht gleich Krebs. Jeder Tumor nutzt bei der Entstehung eigene Wege. Bild: F.A.S

Jedes Jahr erkranken in Deutschland eine halbe Million Menschen an Krebs. Die personalisierte Medizin weckt große Hoffnung für die Behandlung. Doch kann diese Art der Therapie halten, was sie verspricht?

          Iris Buchner ist 47 Jahre alt, als der Arzt beim Ultraschall einen winzigen Knoten in ihrer Brust feststellt. Die Gewebeprobe zeigt: Es ist Brustkrebs. Buchner, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, wird operiert, erhält eine Strahlenbehandlung. Die Mediziner untersuchen das rausgenommene Tumorgewebe und stellen fest: Buchners Tumorzellen weisen eine Besonderheit auf. Eine personalisierte Therapie ist möglich. Der behandelnde Arzt verschreibt ihr das Medikament Tamoxifen. Dieses soll, für fünf Jahre eingenommen, die Wahrscheinlichkeit senken, dass der Krebs zurückkehrt. Nicht alle Frauen mit Brustkrebs erhalten diese Art von Nachbehandlung, denn die Therapie greift nicht bei allen.

          Fast 200.000 Krebstote in Deutschland

          Krebsforscher wissen inzwischen, dass jeder Tumor bei der Entstehung eigene Wege nutzt. Stratifizieren nennen Mediziner es, wenn sich die Zuordnung der Patienten zu immer kleineren Untergruppen an der zellulären Zusammensetzung des Tumors orientiert. So können sie dem Patienten eine passendere Behandlung anbieten. Mediziner sprechen dann von zielgerichteter oder Präzisionsmedizin. Patienten kennen diesen Forschungsbereich meist als personalisierte oder individualisierte Krebsmedizin. Begriffe, die Hoffnung wecken. Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 200 000 Menschen an Krebs. Doch es gibt Zweifel daran, dass der personalisierte Ansatz in absehbarer Zeit bewirken kann, was er verspricht.

          Wie personalisierte Krebsmedizin bisher funktioniert, zeigt das Beispiel Brustkrebs: Drei Viertel der Patientinnen haben auf ihren Tumorzellen sogenannte Östrogenrezeptoren. Diese Bindungsstellen ragen wie Antennen aus der Zelle. Docken weibliche Geschlechtshormone daran an, aktiviert das das Wachstum der Krebszelle. Buchners Krebs gehört zu diesem hormonsensitiven Typ. Tamoxifen, ein sogenanntes Antihormon, verhindert das fatale Andocken der Hormone. Bei jeder vierten Patientin finden sich im Gewebetest dagegen Hinweise auf eine aggressivere Form von Brustkrebs: Ihre Tumorzellen tragen eine große Anzahl von Her-2-Rezeptoren. Auch diese leiten Wachstumssignale ins Zellinnere. Ein anderes zielgerichtetes Medikament, Herceptin, unterbindet das. Sind bei Her-2-Patientinnen Metastasen aufgetreten, gibt es inzwischen zusätzliche Medikamente. „Dadurch wurde ein deutlicher Fortschritt in der Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs erreicht“, sagt Tanja Fehm, Direktorin an der Universitäts-Frauenklinik in Düsseldorf.

          Krebs im besten Fall eine Weile aufhalten

          Grundsätzlich gibt es zwei Situationen, die man bei der Therapie unterscheiden muss: Einmal Patienten wie Iris Buchner, bei denen der Tumor klein ist und sich noch keine Metastasen gebildet haben. Nach einer Operation, meist kombiniert mit Bestrahlung und in manchen Fällen auch Chemotherapie, haben diese Betroffenen sehr gute Aussichten, geheilt zu sein. Die anschließende Einnahme personalisierter Medikamente erhöht die Chance, dass der Krebs nicht mehr zurückkehrt. Anders ist es bei einer Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium. Haben sich bereits Metastasen gebildet, sorgen personalisierte Medikamente - ebenso wie Chemo- oder Strahlentherapie dafür, dass der Krebs zurückgedrängt wird und die Patienten eine längere Überlebenszeit haben - doch auch mit den neuen Arzneimitteln meist nur um wenige Monate.

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