https://www.faz.net/-gum-9u02k

Studie zu Herzgesundheit : Zähneputzen könnte dem Herzen nützen

  • Aktualisiert am

Wer immer schön fleißig seine Zähne putzt, tut offenbar auch seinem Herzen etwas Gutes. Bild: dpa

Menschen, die sich häufig die Zähne putzen, können laut einer koreanischen Studie ein geringeres Risiko für Herzrhythmusstörungen und Herzversagen haben.

          2 Min.

          Regelmäßiges Zähneputzen hilft nicht nur, Karies und Parodontitis zu vermeiden. Wie stark Mundhygiene die Gesundheit beeinflussen kann, wird noch immer vielfach unterschätzt. Eine südkoreanische  Studie zeigt nun einen möglichen weiteren Zusammenhang. Die  Ergebnisse, die im Fachblatt „European Journal of Preventive Cardiology“ veröffentlicht worden sind, zeigen, dass Menschen, die sich mindestens dreimal am Tag die Zähne putzen, ein geringeres Risiko für Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienzen haben.

          An kaum einem anderen Ort des menschlichen Körpers befinden sich mehr Bakterien als in der Mundhöhle. Wird die Zahnreinigung vernachlässigt, werden diese nicht mehr in Schach gehalten. In der Folge können Entzündungen entstehen, die zunächst Zähne und Zahnfleisch betreffen und dann über Nervenbahnen und Blutgefäße in den Körper wandern.

          Bakterien im Mundraum reduzieren vermeidet Erkrankungen

          Der Zusammenhang zwischen Zahnhygiene und einer Reihe von Krankheiten ist schon seit längerem bekannt - etwa bei Lungen- und Herzentzündungen, Erektionsstörungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Einen weiteren möglichen Zusammenhang ergab nun die Studie der südkoreanischen Ewha-Frauenuniversität.

          Das Team um Tae-Jin Song nutzte für die Analyse die Datenbank des National Health Insurance System und wählte daraus 161.286 Teilnehmer zwischen 40 und 79 Jahren aus, deren medizinische Vorgeschichte keine Herzerkrankungen enthielt. Bei einer Untersuchung wurden deren Daten zu Größe, Gewicht, Laborwerten, Krankheiten, Lebensstil, Mundgesundheit und Mundhygieneverhalten erfasst. Durchschnittlich ein Jahrzehnt später wurde die Untersuchung wiederholt. Zu dem Zeitpunkt hatten 4911 der Teilnehmer (drei Prozent) ein Vorhofflimmern – also eine Herzrhythmusstörung – und 7971 (4,9 Prozent) eine Herzinsuffizienz entwickelt.

          Auffällig dabei war, dass jene Teilnehmer, die sich dreimal oder öfter am Tag die Zähne putzten, ein um zehn Prozent geringeres Risiko für Vorhofflimmern und ein um zwölf Prozent vermindertes Risiko für Herzinsuffizienz hatten als jene mit einer schlechteren Mundhygiene. Auch wiederkehrende professionelle Zahnreinigungen wirkten sich positiv aus. Diese Ergebnisse zeigten sich unabhängig von Faktoren wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, regelmäßiger Bewegung, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index und weiteren Faktoren wie Bluthochdruck.

          Wie die Wirkung zustande kommen könnte, beantwortet die Untersuchung nicht. Die Forscher vermuten, dass regelmäßiges Zähneputzen Bakterien in den schwer erreichbaren Taschen zwischen Zahnfleisch und Zähnen reduziert - und damit verhindert, dass diese in den Blutkreislauf gelangen.

          Für eine Empfehlung ist es zu früh

          Song schränkt ein, dass die Analyse nur auf Daten aus einem einzigen Land beruht und als reine Beobachtungsstudie keine Ursachen aufzeigen kann, betont aber auch: „Wir haben eine große Gruppe über einen langen Zeitraum untersucht, was unsere Ergebnisse stärkt.“ Eine Stärke der Studie, die auch die beiden Mediziner Pascal Meyre vom Universitätsklinikum Basel und David Conen von der kanadischen McMaster Universität in einem begleitenden Kommentar hervorheben.

          Meyre und Conen merken allerdings an, dass Faktoren wie Bildungsgrad und Familienstand nicht abgefragt und berücksichtigt wurden, obwohl diese sich nachweisbar auf die Mundhygiene auswirkten. Zudem basierten die Angaben zum Zähneputzen auf Aussagen der Teilnehmer selbst, was immer eine gewisse Fehlermöglichkeit bedeute. „Es ist sicherlich zu früh, um Zähneputzen zur Vorbeugung von Vorhofflimmern und Herzinsuffizienzen zu empfehlen“, schließen die beiden Mediziner. Zunächst seien weitere Analysen dazu nötig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

          Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.
          Warnt die SPD: der CSU-Vorsitzende Markus Söder

          Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

          Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

          Johnson gegen Corbyn : Eine radikale Wahl

          Die Labour-Partei unter Corbyn ist keine sozialdemokratische Partei mehr. Mit sozialistischen Forderungen und geplanten Verstaatlichungen macht er auf sich aufmerksam. Die Tories dagegen sind weiter nach rechts gerückt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.