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Impfpflicht in Brandenburg : Endlich!

  • -Aktualisiert am

Ein Säugling bekommt bei einer Vorsorgeuntersuchung in der Praxis von einem Kinderarzt eine Impfung mit einer Spritze. (Symbolbild) Bild: Picture-Alliance

Dass Brandenburg als erstes Bundesland die Masernimpfplicht für Kinder eingeführt hat, lässt hoffen. Nötig wäre es auf Bundesebene – denn gutgemeinte Appelle und wissenschaftlich fundierte Erklärungen haben wohl nicht gereicht.

          Als erstes Bundesland hat Brandenburg in dieser Woche beschlossen, eine Masernimpfpflicht für Kinder einzuführen, die weiterhin in Kitas und in der Tagespflege betreut werden wollen. Das lässt hoffen. Denn endlich traut sich ein Land das, was längst auf Bundesebene nötig wäre. Seit Jahren nimmt die Zahl der Maserninfektionen in Deutschland zu. Das hat mehrere Gründe – ideologische Einstellungen, die (fälschlich) verlorengegangene Angst vor Infektionskrankheiten in unseren Breiten und ein wachsender Egoismus in der Gesellschaft, gepaart mit dem Gefühl der Unverletzbarkeit: Mir passiert schon nichts.

          In einer Welt, in der vor allem noch das individuelle, freie Entfalten zählt und in der die Fragen nach dem Wohl des Nächsten und dem Wohl des Schwächeren schnell zurücktreten, muss der Staat handeln. Er muss diejenigen schützen, die sich selbst nicht schützen können, im Fall der Masern Säuglinge, Kranke, Geschwächte oder etwa Schwangere, die alle aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen. Außer Frage steht: Ein staatlicher Eingriff in die Freiheit jedes Einzelnen muss einer der letzten möglichen Schritte bleiben und einer, der sorgfältig bedacht wird. Aber im Fall der Masernimpfung sind wir hierzulande tatsächlich genau an diesem Punkt. Jahrelange Diskussionen, zahlreiche Aufklärungskampagnen, gutgemeinte Appelle und wissenschaftlich fundierte Erklärungen konnten allesamt nicht zur nötigen Wissensaneignung und Vernunft in dem sich verweigernden Teil der Gesellschaft beitragen.

          Auf Kosten von anderen seinen Individualismus auszuleben, ohne nach links und rechts zu schauen, und zu glauben, dass man selbst nichts dazu beitragen müsse, dass wir in Deutschland in einem Staat leben können, der ein hohes Maß an gesundheitlicher Sicherheit und Versorgung bietet – mit dieser Einstellung muss Schluss sein. Der Ausschluss von Kindern aus Kitas ist für manche wahrscheinlich noch eine Drohung, die an ihnen abprallt. Die Konsequenzen, die man zu tragen hat, widersetzte man sich seiner Verantwortung dem Gemeinwohl gegenüber, sollten durchaus härter sein. In Bezug auf Impfungen müssten sie auch Erwachsene treffen, die sich nicht um wichtige und vorgeschriebene Auffrischimpfungen kümmern.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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